23. April 2026 – Mara Schwarzenberger

Der vor der Insel Poel im Kirchsee festsitzende Buckelwal hat die Nacht überstanden, zeigt aber kaum Bewegung. Retter überarbeiten ihren Plan und ein Lastkran aus Hamburg ist unterwegs. Noch trennen ihn 110 Meter vom tiefen Wasser.

Der Buckelwal liegt schon seit vielen Tagen vor der kleinen Ostsee-Insel Poel fest. Helfer versuchen, den Weg in tieferes Wasser freizumachen. Ein zweiter Bagger ist auf dem Weg.

Rettungsrinne soll gebaut werden

Das private Einsatzteam zur Rettung des vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwals versucht, dem Tier einen Weg in tieferes Wasser zu ermöglichen. Dazu solle eine 110 Meter lange, zehn Meter breite und rund zwei Meter tiefe Rinne von der derzeitigen Liegeposition des Wals in tieferes Fahrwasser geschaffen werden, sagte der Chef des an der Aktion beteiligten Tauchunternehmens, Fred Babbel. Dafür sei der Einsatz eines zweiten Baggers vorgesehen. Die Arbeiten würden ungefähr zwei Tage dauern. Die eigentliche Fahrrinne, die aus der Bucht führt, hat im Durchschnitt eine Tiefe von vier bis fünf Metern.

Becken erleichtert Atmung

Der Wal liegt derzeit im Flachwasser in einer Art Becken, das unter dem Tier freigespült wurde. Dadurch konnte der Wal quasi tiefergelegt werden, um ihm das Atmen bei sinkenden Wasserständen in der Kirchsee-Bucht zu erleichtern. Das etwa zwölf Tonnen schwere Tier berühre zwar den Boden, liege aber nicht auf, so Babbel. Aus der Wanne könne der Meeressäuger derzeit aber auch nicht weg. Geplant ist, zunächst die Rinne in tieferes Wasser zu ziehen und dann zum Schluss eine Wand der Wanne einzureißen, damit der Wal herausschwimmen kann.

Lastkrahn aus Hamburg auf dem Weg

Umweltminister Till Backhaus (SPD) sei ein neues Konzept zur Prüfung vorgelegt worden. Details dazu wollte Babbel zunächst nicht nennen. Aus dem Team hatte es zuvor geheißen, dass eine rund 15 Meter breite Barge, eine Art nicht selbstfahrender Lastkahn, auf dem Weg aus dem Hamburger Raum zur Wismarbucht sei. Die Anfahrt brauche Zeit, da die Barge nur mit einer Geschwindigkeit von fünf Knoten, etwa neun Kilometern in der Stunde, unterwegs sei und durch den Nord-Ostsee-Kanal müsse.

Retten oder nicht retten?

Expertinnen und Experten der Internationalen Walfangkommission (IWC) empfehlen eine möglichst ruhige und palliative Versorgung des Meeressäugers. Backhaus sieht sich dadurch bestätigt. „Diese Einschätzung deckt sich mit der wissenschaftlichen Bewertung, die von Anfang an Grundlage unseres Handelns war“, sagte er. Ein wissenschaftliches Gutachten sei schon Anfang April zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Rettungsversuch nicht erfolgversprechend sei und erhebliche Risiken für das Tier berge. Auf dieser Grundlage hatte das Land entschieden, auf weitere aktive Eingriffe vorerst zu verzichten.

Sender am Wal befestigt

Nach drei Wochen an derselben Stelle war der Wal am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus versuchten Helfer, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das vermutlich erschöpfte Tier aber am Übergang der Bucht namens Kirchsee in die Wismarbucht, wo deutlich tieferes Fahrwasser Richtung Ostsee führt.

Inzwischen wurde ein Sender an dem Tier befestigt. So könnte sein Weg verfolgt werden, sollte es sich überraschend doch noch befreien und losschwimmen. Der Wal sei mittlerweile fünf- bis sechsmal gestrandet, wenn man seine Bewegungen am Montag berücksichtige, sagte Backhaus.

Ministerium duldet privaten Rettungseinsatz

„Wer nichts macht, macht auch keine Fehler“, sagte Backhaus am Mittwoch auf Poel. Aber Tatenlosigkeit sei trotzdem keine Option. „Wir können gemeinsam sagen: Wir haben es versucht. Und der Versuch macht klug.“ Der Umgang mit dem Tier wurde immer wieder von verschiedenen Seiten kritisiert, auch Backhaus selbst sah sich Vorwürfen ausgesetzt.

Mit Blick auf das Vorgehen der Privatinitiative sagte der Minister: „Es gab keinen Zuschlag und keine Genehmigung, sondern eine rechtlich gebotene Duldung.“ Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sei es allen erlaubt, einem hilflosen Tier zu helfen. Maßstab für das staatliche Handeln sei ausschließlich das Tierwohl. Das Land begleite die Maßnahmen eng, Veterinärinnen und Veterinäre seien rund um die Uhr vor Ort.

Ereignisse sollen politisch aufgearbeitet werden

Backhaus kündigte an, die Ereignisse politisch aufzuarbeiten. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Situationen künftig häufiger auftreten können. Deshalb werde ich mich auf Bundesebene für bessere gemeinsame Strukturen im Umgang mit Großwalen einsetzen.“

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Foto: Bloomicon / Shutterstock.com

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