Weltpressefoto des Jahres

Das World Press Photo 2026 zeigt die Festnahme eines Migranten in New York und die Verzweiflung seiner Kinder. Die Jury sieht darin eine eindringliche Dokumentation der Folgen der US-Einwanderungspolitik.

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Kinder klammern sich am T-Shirt ihres Vaters fest. Man sieht Hände und Verzweiflung, doch den Vater nicht: Das Foto aus einem Gericht in New York ist das Weltpressefoto des Jahres. Es zeigt die Folgen des Vorgehens der umstrittenen US-Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement).

Die US-Fotografin Carol Guzy gewann mit ihrer Aufnahme den renommierten Wettbewerb «World Press Photo», wie die Jury in Amsterdam mitteilte. Das Foto ist nach Ansicht der Jury eine «schonungslose und notwendige Dokumentation der Familientrennung infolge der Reformpolitik der USA».

«Völlig überraschend festgenommen»

«Separated by ICE» (Getrennt von der ICE) ist der Titel des Fotos, das Guzy für den «Miami Herald» im August 2025 aufnahm. Sie dokumentierte erschütternde Szenen nach der Festnahme eines Migranten aus Ecuador im Gericht in New York. Dieser war nach ihren Angaben freiwillig zu einer Anhörung erschienen und wurde dort völlig überraschend festgenommen. Er hatte sich nach Angaben der Familie nie etwas zuschulden kommen lassen.

Die Direktorin von «World Press Photo», Joumana El Zein Khoury, sagte, das Foto unterstreiche die Bedeutung des unabhängigen Fotojournalismus: «Das Foto zeigt die untröstliche Trauer von Kindern, die ihren Vater an einem Ort verloren, der eigentlich der Gerechtigkeit dienen sollte.»

Bald im Landesmuseum zu sehen

Zwei weitere Fotos erreichten die Finalrunde: Der palästinensische Fotograf Saber Nuraldin fotografierte für die Bildnachrichtenagentur EPA die humanitäre Katastrophe im Gazastreifen. Sein Foto zeigt chaotische Szenen bei der Ankunft eines Hilfsgütertransports im Juli 2025.

Der US-Amerikaner Victor J. Blue wurde für ein Foto über die Prozesse der Achi-Frauen aus Guatemala ausgezeichnet. Sie kämpften jahrelang für Gerechtigkeit, nachdem sie im Bürgerkrieg vor mehr als 40 Jahren von Milizen entführt und sexuell missbraucht worden waren. Im Mai 2025 wurden drei Täter zu 40 Jahren Haft verurteilt.

Insgesamt hatten sich etwa 3700 Fotografen mit rund 57’000 Fotos an dem Wettbewerb beteiligt. Es wurden Preise in verschiedenen Kategorien vergeben.

Alle ausgezeichneten Fotos werden in einer Ausstellung gezeigt, die an mehr als 60 Orten und vom 7. Mai bis 7. Juni im Landesmuseum Zürich zu sehen ist. (sda/ hz)