Eigentlich wollte Frank Thaleiser nur kurz vorbeischauen. „Ich bin heute inkognito hier“, sagte der Chef des Haspa Marathons, für den sich am Wochenende in allen Disziplinen rund 46.000 Hobbyläufer angemeldet haben. Thaleiser kam am Donnerstag aber zur Pressekonferenz, um über die schnellsten Läufer des Wochenendes zu sprechen: die Elite-Starter. Und dafür musste er doch etwas länger bleiben.

Jedes Jahr versucht der 60-Jährige, internationale Top-Läufer und Tempomacher nach Hamburg zu locken. Dafür kann er rund 350.000 Euro ausgeben. „Dieses Jahr ist es sehr, sehr kompliziert, vor allem was Visa-Problematiken anbelangt. Da haben wir eine ganze Menge Ausfälle gehabt“, berichtete er drei Tage vor dem Startschuss.

Haspa Marathon Hamburg: Visa-Probleme stellen den Chef vor Herausforderungen

„Das liegt vielleicht an der momentanen Weltsituation, dass es so ist, wie es ist, aber an den deutschen Botschaften geht es aktuell besonders streng zu.“ Vor allem mit der Vertretung in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba habe es Probleme gegeben. „Dort gibt es eine Frist von 45 Tagen. Wenn da eine Läuferin verletzt ausfällt und eine andere 41 Tage vorher nachfragt, ob sie ein Visum haben kann, wird das abgelehnt.“

Thaleiser hatte vier Top-Läuferinnen aus dem ostafrikanischen Land verpflichtet – drei bekamen kein Visum, die vierte fällt verletzt aus. „Das Feld ist immer noch super. Das andere wäre Weltklasse gewesen“, sagte Thaleiser. Das Elite-Feld der Frauen führen nun die Kenianerinnen Marion Kibor und Rebecca Tanui an.

Das Visa-Wirrwarr bescherte ihm aber auch die Chance, einen anderen Top-Läufer nach Hamburg zu holen. Neben Bernard Koech, der das Rennen 2023 und 2024 gewann, startet sein Trainingspartner Kennedy Kimutai, der eigentlich in der vergangenen Woche beim Boston Marathon laufen wollte. Doch der Kenianer bekam wiederum kein Visum für die USA. Der 35-Jährige ist motiviert: „Ich habe noch nie einen Marathon gewonnen – vielleicht ja diesen.“