Diese beiden Ansichtskarten zeigen sowohl die alte als auch die neue Brücke mit drei Verkehrsebenen – Straßenbahn, Dampflok und Schwebebahn – wenn auch als kolorierte Postkarte, typisch für den Beginn des 20. Jahrhunderts. Eine Karte (Bild oben, Verlag Wilhelm Fülle, Barmen) zeigt die erste Brücke, die 1840 entstand und noch sechs Bögen umfasste. Sie wurde verschickt im Januar 1910 – und zwar an Joseph in München: „Lieber Joseph“, heißt es da, „warte hier auf den Zug nach Cöln. Herzliche Grüße, Mutter“. Es waren eben nicht immer legendäre Geheimbotschaften, die man auf den Rückseiten solcher Dokumente entdeckte. Manchmal war die Nachricht auch einfach pragmatisch – hier zudem etwas irritierend, denn wahrscheinlich war Mutter schneller wieder zurück als die Karte im Briefkasten.

Die andere Karte (Bild unten) zeigt die Ansicht des Neubaus, der 1914 fertiggestellt wurde. Auf beiden Postkarten ist die Dominanz der Eisenbahnbrücke geradezu spürbar. Sie lässt das Gerüst der Schwebebahn fast bescheiden erscheinen. Doch – und das ist beruhigend: Man sieht noch viel grüne Natur und sogar den einen oder anderen Passanten, der am Wupperufer entlangschlendert. Die Moderne hat also seinerzeit noch nicht alles überlagert. Es war noch Platz für eigene Gedanken – und für Schritte, die man selbst gegangen ist. Um es mit einer Weisheit im Geiste von Martin Heidegger auszudrücken: Technik soll Wege öffnen, nicht den eigenen Willen ersetzen. Oder anders gesagt: Zwischen Hilfe und Kontrolle liegt oft nur ein Klick.