Was Antoine Billore uns in Mailand über authentische Räume beibringen kann.

Einmal im Jahr verwandelt sich Mailand im April zum Möbelparadies – oder zum Zirkus; die Grenze ist wie immer fluid. Wenn Sie AD und diese Kolumne regelmäßig lesen und sich in irgendeiner Form für Design und Möbel interessieren, dann wissen Sie ohnehin längst, dass gerade der Salone del Mobile, der immer noch als wichtigste Möbelmesse der Welt gilt, stattfindet und dass sich die Stadt drumherum in einen Ausstellungsort für Interior- und Produktdesign verwandelt. Am Ende so einer Designwoche werden gern Statistiken veröffentlicht, wie viele Besucher:innen auf der Messe oder in der Stadt unterwegs waren. Mich würde viel eher interessieren, wie viele Stühle, Tische, Vasen denn eigentlich zusammenkommen. Wahrscheinlich ist Mailand gerade das größte dezentrale Möbelhaus der Welt.

Nicht alles in einem Möbelhaus kann einem gefallen. Als ich mir in einem der städtischen Palazzi eine viel besprochene neue Kollektion anschaute, fragte mich danach eher zufällig eine der Mitarbeiterinnen aus der Presseabteilung, wie es mir denn gefallen hätte (nicht so gut). Ich wollte nicht unhöflich sein, also verwies ich darauf, wie sehr mich immer wieder der alte Palazzo mit dem prächtigen Treppenaufgang beeindruckt. Es war ein zu offensichtliches Ablenkungsmanöver, ich entlarvte mich sofort, also lächelten wir beide müde und gingen unseren jeweiligen Aufgaben nach. Gelogen habe ich übrigens nicht: In diesem Jahr wurde mir wieder einmal bewusst, dass der eigentliche Star der Milan Design Week die Ausstellungsorte sind. Decor Walther mietete sich in einem alten Nähgeschäft ein, die Gruppenschau Alcova bespielte nicht nur ein altes Militärkrankenhaus, sondern auch die großartige Villa Pestarini – das einzige Privathaus, das Franco Albini je entworfen hat. 6:am stellte Hocker aus Muranoglas in einem alten Schwimmbad aus und Dimore Studio öffnete die Türen des Apartments, das Osvaldo Borsani 1936 im Palazzo Olivazzi eingerichtet hat und das bisher als höchst privat galt.

L’Artisan Parfumeur, Antoine Billore und die Kunst des Raumes

Eine der Ausstellungen, die mich inhaltlich besonders begeistert hat, war das kleine Apartment, das der Pariser Antiquitätenhändler Antoine Billore konzipiert hat. Er richtete eine Mailänder Wohnung so umfassend ein, dass man sofort glaubte, er würde dort wirklich leben. Billore achtete auf alles, sogar Bilderrahmen mit alten Familienfotos hat er mit nach Mailand gebracht. Seine erste eigene Kollektion an Holzmöbeln präsentierte er in diesem Umfeld ganz selbstverständlich. Sie drängten sich nicht auf, suchten nicht einmal eine Bühne, sondern lediglich die Gesellschaft der vielen Vintage-Stücke, die der Antiquitäten-Experte mitgebracht hat. Für „L’Appartement“ kooperierte er mit dem Parfümhaus L’Artisan Parfumeur, das gerade sein 50. Jubiläum feiert, weshalb jedes einzelne Zimmer auch noch wunderbar roch.