
AUDIO: Nachrichten 18:00 Uhr – 23.04.2026 (4 Min)
Stand: 23.04.2026 18:47 Uhr
Am Marinestützpunkt Kiel hat die Marine gezeigt, wie sie Minen aufspüren und abwehren kann. Für einen möglichen Einsatz im Nahen Osten seien die Besatzungen bereit, hieß es.
Die Deutsche Marine bereitet sich auf einen möglichen Einsatz in der Straße von Hormus vor. „Wir haben Besatzungen, die immer in einer hohen Einsatzbereitschaft sind“, sagte die Kommandeurin des 3. Minensuchgeschwaders, Fregattenkapitän Inka von Puttkamer, bei einem Pressetermin der Marine in Kiel. Und: etwa ein Drittel der zur Verfügung stehenden Schiffe und Boote sei grundsätzlich einsatzbereit. Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, betonte, wenn die Politik entscheide, sich bei der Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen, dann werde man sich neu fokussieren. „Wir haben keine Reserve, wir müssen dann etwas anderes dafür runter priorisieren.“
Kommandeurin: „Stimmung an Bord gut und motiviert“
Die Marine tue alles Mögliche, um sich „bestmöglich auf die spezielle Lage vor Ort vorzubereiten“ – auch wenn die Umweltbedingungen in der Straße von Hormus anders seien als in Nord- und Ostsee, so Fregattenkapitän von Puttkamer. „Unsere Boote und unsere Sensoren sind für das Seegebiet in Nord- und Ostsee ausgelegt. Das heißt aber nicht, dass sie nicht auch woanders eingesetzt werden können“, so die Kommandeurin. Und: „Die Stimmung an Bord unter den Besatzungen ist gut und motiviert.“
Pistorius: „Können Beitrag dazu leisten, Straße von Hormus von Minen zu befreien“
Eine wichtige Voraussetzung für einen Einsatz in der Straße von Hormus sei ein Ende der Kampfhandlungen, betonte Vizeadmiral Kaack. Das hatte auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) jüngst bekräftigt – und unterstrichen, Deutschland sei bereit, sich an einer Marine-Mission in der Straße von Hormus zu beteiligen, die mehrere europäische Staaten planen. „Wir haben auf den Tisch gelegt, wofür wir prädestiniert sind. Und das ist: Minenjagd, Minenräumung. Da sind wir besser als die meisten unserer Natopartner“, hatte Verteidigungsminister Pistorius am Donnerstagmorgen in einem Interview mit NDR Info gesagt. Auch er betonte, von den Minenjagdbooten könne man jederzeit einige zur Verfügung stellen. Wichtig, sei, dass es dafür einen völkerrechtlichen Rahmen gebe, also ein UN- oder EU-Mandat. „Und es muss auch ein Mandat des deutschen Bundestages geben. Aber wir sind bereit und wir können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Straße von Hormus, soweit sie vermint ist, von Minen zu befreien“, so der Bundesverteidigungsminister.
Die zehn Minenjagdboote des Bundeswehr gehören zum 3. Minensuchgeschwader und sind im Marinestützpunkt Kiel stationiert. Auf einem der Boote, der „Sulzbach-Rosenberg“, zeigte die Marine am Donnerstag die Technik, mit der Minen aufgespürt und unschädlich gemacht werden können. Dazu gehören Sonarsysteme, Unterwasser-Drohnen, aber auch Minentaucher.
FAQ Minenjagd
- Sonarsysteme sind im Rumpf der Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse und auch in Unterwasserdrohnen wie der „Sea-Cat“ verbaut. Das Sonarsystem sendet und empfängt Schallwellen, und kann so Objekte, wie zum Beispiel Seeminen, orten.
- Bei der Minensuche und -vernichtung helfen Unterwasserdrohnen und ROVs (Remotely Operated Vehicles), also kabelgesteuerte Unterwasserfahrzeuge. Die „SeaCat“ erkennt mit ihrem Sonarsystem Minen in einer Tiefe von bis zu 300 Metern. Die „Remus“ kann mit ihrem Sonarsystem Flächen von bis zu bis 100.000 Quadratmetern absuchen. Sie kann Sonarbilder von Minen erstellen, Wassertiefe, Temperatur und Salzgehalt messen. Der „Deep Trekker“ wird eingesetzt, um gzeielt Hafenwände oder Schiffsrümpfe nach Minen abzusuchen. Die „SeaFox“ gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, die „SeaFox-I“ kann Minen mithilfe von Nahbereichssonar, Kamera und Suchscheinwerfer finden, die „SeaFox-C“ ist eine Einwegdrohnbe, das heißt, sie kann mit Sprengstoff befüllt werden und eine Mine unter Wasser zerstören.
- Ferngesteuertes Minenräumboot wie die „Seehund“ kann Seeminen durch Simulation schiffsähnlicher Magnet- und Schallfelder gezielt auslösen.
- Minentaucher identifizieren, klassifizieren und beseitigen Seeminen oder Sprengkörper im Wasser, an Küsten oder Häfen.
Die Marine verfügt über zehn Minenjagdboote. Sie gehören zur Frankenthal-Klasse und sind in Kiel stationiert – beim 3. Minensuchgeschwader. Dazu gehören die „Fulda“, die „Weilheim“, die „Sulzbach-Rosenberg“, die „Bad Bevensen“, die „Grömitz“, die „Dillingen“, die „Datteln“ die „Homburg“ sowie die beiden Minentauchereinsatzboote „Rottweil“und „Bad Rappenau“.
Es soll sichere Seewege schaffen. Der Fokus liegt auf der Ostsee, dem Nordostatlantik, dem Mittelmeer und Krisengebieten. „Zurzeit schützen wir die Nordflanke, sind im ständigen Minenabwehrverband der NATO vertreten und leiten zweimal pro Jahr multinationale Manöver in der Ostsee unter Beteiligung unserer NATO-Partner“ sagte die Kommandeurin des 3. Minensuchgeschwaders, Fregattenkapitän Inka von Puttkamer.
Ja. Der Bund und die Stadt Kiel haben sich jüngst darauf geeinigt, das ehemalige Marinefliegergeschwader 5 (MFG 5)-Geländes in Holtenau-Ost und Wik-Bereich teilweise wieder militärisch zu nutzten. Das Bundesministerium der Verteidigung will die Flächen zurückkaufen, dann darf die Marine sie nutzen. Auch einige Flächen in der Nähe des Marinestützpunkts im Kieler Stadtteil Wik sollen an die Bundeswehr gehen. Hintergrund ist laut Stadt, dass der Bedarf an Pierliegeplätzen, Lagereinrichtungen und Unterkünften für Personal bei der Bundeswehr in Zukunft steigen wird. „Der Standort wird ausgebaut. Infrastruktur wird erweitert, insbesondere für das Seebataillon. Das war ein hartes Ringen, aber gut und wichtig für unser Land“, sagte Vizeadmiral Jan Christian Kaack dazu.
Minenjagdboote brauchen Schutz
„Wo wir arbeiten ist nichts offensichtlich“, sagte Kommandeurin Inka von Puttkamer. Nicht immer müssten wirklich Minen liegen, wo das behauptet würde. Auch damit habe das 3. Minensuchgeschwader immer wieder zu tun. „Manchmal weiß man gar nicht, ob überhaupt eine Nadel im Heuhaufen liegt, die man finden könnte. Dafür gibt es uns“, so von Puttkammer. Sie betonte, um in einem Minenfeld arbeiten zu können, brauchten die Minenjagdboote Schutz. „Deshalb werden Sie uns immer im Verbund mit Fregatten oder Korvetten sehen.“
Wir sind das Auge der Marine unter Wasser. Und unter Wasser geschieht gerade in der Nord- und Ostsee in jüngsten Jahren viel.
Inka von Puttkamer, Kommandeurin des 3. Minensuchgeschwader
Und der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, ging bei dem Termin in Kiel auf die Herausforderungen der Marine ein. „Die Marine leistet viel mit der kleinsten Flotte aller Zeiten, die wir gerade von der Pike auf modernisieren“. Bis ein neues Schiff fertig gebaut sei, dauere es lange, das sei oft frustrierend. Man müsse priorisieren. „Der Gegner testet uns, russische Spionage, Sabotage und Einschüchterung sind bei uns an der Tagesordnung.“

Die Stadt hatte auf dem ehemaligen Militärgelände eigentlich Wohnungen geplant. Auch eine Fläche im Stadtteil Wik soll an den Bund gehen.

An dem Manöver SeaSEC beteiligen sich 47 große und kleinere Rüstungsunternehmen. Es geht dabei auch um künftige Aufträge.

Die sicherheitspolitische Lage im Ostseeraum ist angespannt. Zum ersten Mal geht es für die Minentaucher-Anwärter raus aufs Meer.

Die „Greyshark“ ist autonom und KI-gesteuert. Hersteller Euroatlas plant in Kiel ein eigenes Technologiezentrum.

In Kiel-Wik übernahm Erik Kockx von der Belgischen Marine das Kommando des Minenabwehr-Verbandes der NATO.