Neue Führungsstruktur im Iran
Chamenei gibt Macht faktisch ab
23.04.2026 – 20:15 UhrLesedauer: 2 Min.
Modschtaba Chamenei soll seit einem Angriff zu Kriegsbeginn schwer verletzt sein. (Archivbild). (Quelle: IMAGO/Morteza Nikoubazl)
Seit Tagen sendet der Iran widersprüchliche Signale über seine Bereitschaft zu Gesprächen mit den USA. Hintergrund ist wohl eine Verschiebung der Macht im Regime.
Der neue oberste iranische Führer Modschtaba Chamenei ist laut einem US-Medienbericht schwer verletzt, geistig aber klar. Die „New York Times“ berichtete am Donnerstag unter Berufung auf ungenannte iranische Regierungsvertreter, Chamenei habe aufgrund der Verletzungen, die er bei einem US-israelischen Angriff Ende Februar erlitten habe, die Entscheidungsgewalt „zumindest für den Augenblick“ in die Hände von Generälen der Revolutionsgarden gelegt.
Im Klartext: Im Laufe des Kriegs hat sich im Iran ein Machtwechsel vollzogen.
Bei dem Angriff auf Teheran zu Beginn des Irankriegs am 28. Februar war sein Vater Ali Chamenei getötet worden, der damals noch das Amt des obersten Führers innehatte. Iranischen Behördenangaben zufolge starben dabei auch Modschtaba Chameneis Mutter und seine Ehefrau. Laut „New York Times“ ist Chamenei bei dem Angriff zwar „schwer verwundet“ worden, aber „klar im Kopf und präsent“.
Andere schildern die Macht-Situation drastischer. „Modschtaba (Chamenei) ist nicht der alleinige Herrscher; er mag zwar dem Namen nach Anführer sein, aber er ist nicht so allmächtig wie sein Vater“, sagte Ali Vaez, Iran-Direktor der International Crisis Group mit weitreichenden Kontakten in den Iran. „Chamenei ist den Revolutionsgarden untertan, weil er ihnen seine Position und das Überleben des Systems verdankt“, sagte der Experte der „New York Times“.
Die Zeitung sprach mit zahlreichen Fachleuten innerhalb und außerhalb des Iran. Die meisten sprachen nur unter dem Schutz der Anonymität. Demnach gibt es zwischen Chamenei und den Revolutionsgarden eine Art Deal. Die Revolutionsgarde stützten Modschtaba Chamenei nach dem Tod seines Vaters im Ringen um die Nachfolge für das Amt des obersten Führers. Im Gegenzug übernahmen führende Vertreter der Revolutionsgarde die Entscheidungsgewalt.
Vor allem zwei Vertreter stellte die „New York Times“ in ihrer Analyse heraus. Mohammad Bagher Ghalibaf, derzeit iranischer Parlamentspräsident, und Hossein Taeb. Die beiden kennen Modschtaba Chamenei aus gemeinsamen Zeiten bei den Revolutionsgarden und sind eng verbunden. Laut „New York Times“ werden sie im Iran das „Dreieck der Macht“ genannt.
