„Rachmaninow eins“ ist der Titel des 8. Sinfoniekonzerts, das am kommenden Sonntag und Montag in der Historischen Stadthalle zu erleben ist. Sergej Rachmaninows Sinfonie Nr. 1 d-Moll und Peter I. Tschaikowskis „Slawischer Marsch“ bilden den musikalischen Rahmen für den Auftritt einer einzigartigen Violinistin und das 20-minütige Werk einer großartigen Komponistin.
Die weltweit gefragte Violinistin Łucja Madziar ist nicht zum ersten Mal zum Konzert in Wuppertal. Als Konzertmeisterin ist sie mehrfach bei Konzerten des Sinfonieorchesters (SOW) eingesprungen – zuletzt vor neun Jahren. „Ich spiele sehr gern mit diesem Orchester“, sagt sie. „Sie spielen sehr gepflegt, die Ideen hinter der für sie unbekannten Musik haben sie sofort umgesetzt und die Proben waren kürzer als geplant.“
Geboren wurde Łucja Madziar im polnischen Poznań, mit sechs Jahren erhielt sie ersten Geigenunterricht. „Das war Zufall. Weil es in der Musikschule keinen Platz in der Klavierklasse gab, blieb mir nur die Geige“, sagt sie. Bald hatte sie Wettbewerbserfolge, nahm an internationalen Meisterkursen teil. Ihr Studium absolvierte sie in Deutschland und Österreich, seit mehr als 20 Jahren ist sie als Konzertmeisterin renommierter Orchester tätig, seit 2023 als erste Konzertmeisterin des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien. Parallel dazu ist sie weltweit als Solistin unterwegs. Ein zentraler Schwerpunkt ihres musikalischen Schaffens gilt der polnischen Musik, insbesondere dem Werk von Grażyna Bacewicz (1909-1969), deren Violinkonzerte sie als eine der profiliertesten Interpretinnen ihrer Generation international präsentiert. „Die Musik von Grażyna Bacewicz ist ehrlich und authentisch. Sie meint es so, wie sie es komponiert, und ihre Musik hat immer eine tiefgehende Bedeutung“, erklärt Łucja Madziar. Lutz-Werner Hesse, der vor den Sinfoniekonzerten Einblick in die Werke, das Schaffen der Komponisten und historische Zusammenhänge gibt, sagt: „Die Musik von Grażyna Bacewicz kenne ich schon lange. Die Komponistin schrieb Musik, die man immer gut hören kann, die sehr originell und stilistisch eigenständig ist.“
Ausdrucksstarke Werke der russischen Romantik
Łucja Madziar nimmt zurzeit alle sieben Violinkonzerte der Komponistin für das Label cpo auf – ein mehrjähriges Projekt, das die stilistische Bandbreite Bacewiczs vom neoklassischen Frühwerk bis zu den expressiv-modernen späten Konzerten dokumentiert und das gesamte künstlerische Schaffen von 1937 bis 1965 abdecken soll. „Ich kannte von Grażyna Bacewicz nur kleine Geigenstücke und Werke für Klavier. Vor einigen Jahren hörte ich Archivaufnahmen der Violinkonzerte. Ich war sofort begeistert und fühlte mich innerlich mit der Komponistin verbunden“, sagt Łucja Madziar. Das Violinkonzert Nr. 7, das sie in Wuppertal spielen wird, vereint virtuose Brillanz mit rhythmischer Prägnanz und einer farbenreichen Klangsprache.
Grażyna Bacewicz war eine der wichtigsten polnischen Komponistinnen des 20. Jahrhunderts. Als herausragende Geigerin war sie auch als Konzertmeisterin sehr geschätzt. Łucja Madziar spielt im Konzert eine Violine von Camillo Camilli aus dem Jahr 1736, eine Leihgabe der Oesterreichischen Nationalbank. „Sie spielt wunderschön weich und hell und sie wird gern gespielt“, sagt Łucja Madziar über ihre Geige.
Vor und nach dem Violinkonzert erklingen ausdrucksstarke Werke der russischen Romantik. „Tschaikowskis „Slawischer Marsch“ gehört in den Bereich einer, ich nenne es einmal „patriotischen Musik“. Das ist ein Genre, das wir heute mit einer gewissen Skepsis betrachten. Das Werk zeigt uns aber, auf welchem hohen kompositorischen Niveau solche Musik geschrieben werden kann. Das lässt uns dann den Anlass vergessen“, erklärt Hesse. Der spanische Dirigent Guillermo García Calvo, der eine lange internationale Karriere vorzuweisen hat, leitet das Konzert. Nach der Pause wird er mit dem SOW einen rhythmisch mitreißenden „Rachmaninow eins“ präsentieren. „Sergej Rachmaninows Sinfonie Nr. 1 d-Moll ist ein Werk von einer unglaublichen jugendlichen Kraft. Es ist ungestüm und noch nicht von der klanglichen Raffinesse seiner späteren zweiten Sinfonie. Aber gerade das Ungestüme macht es so eindrucksvoll und berührend“, erklärt Hesse.