Die Choreografie „A.verage T.rauma P.erspective” von Trainer Ates Kaykilar hat sich am 11. Juli 2025 im Finale des Dance World Cup im spanischen Burgos gegen die Konkurrenz aus 32 internationalen Gruppen durchgesetzt. Die 22 Tänzerinnen und Kaykilar dürfen sich seitdem „Weltmeister” nennen.

Grund genug für einen leicht verspäteten aber nicht minder herzlichen Empfang bei Oberbürgermeisterin Miriam Scherff. Als die Truppe junger Frauen den Balkon des Rathauses in Barmen betritt, fehlen eigentlich nur die jubelnden Massen auf dem Johannes-Rau-Platz. Aber die hat ja heutzutage nicht mal mehr der FC Bayern München. Dass der Weltmeister-Titel für die Tänzerinnen und die Stadt Wuppertal alles andere als alltäglich ist, ließ Scherff in ihrer Ansprache an das stolze Team durchblicken.

„Ihr habt im vergangenen Jahr einen herausragenden Erfolg erzielt, der weit über unsere Stadtgrenzen hinaus strahlt und auf den wir alle sehr stolz sind. In einem Teilnehmerfeld aus 51 Nationen und Tausenden Tänzerinnen und Tänzern konntet ihr euch im Finale mit der höchsten Punktzahl durchsetzen und die Konkurrenz hinter euch lassen. Allein diese Zahlen verdeutlichen die Dimension eures Erfolges, den ihr im Tanzen sichtbar gemacht habt. Im Namen der Stadt Wuppertal möchte ich euch herzlich gratulieren. Ihr habt mit eurem Erfolg nicht nur euch selbst, sondern auch unsere Stadt auf beeindruckende Weise vertreten.”

Als kleine Aufmerksamkeit gab es neben Getränken und Snacks auch Freikarten für den grünen Zoo Wuppertal und die Gelegenheit, das Erlebte mit der Oberbürgermeisterin nochmal persönlich zu rekapitulieren.

„Unser Ziel: Titelverteidigung“

Maite Foit und Sophie Savtchenkov sind zwei der amtierenden Weltmeisterinnen im Bereich „Contemporary“. Die 17-Jährigen tanzen bereits seit frühester Kindheit und haben sich nach mehreren WM-Teilnahmen endlich den Titel sichern können. Die Stilrichtung „Contemporary” ist für eine kreativ freie, oft dramatische und dynamische Choreografie bekannt. Großes Gefühlskino ist da vorprogrammiert. Aber was geht in den Tänzerinnen selbst vor, in so einem WM-Finale? Sophie teilt ihre Gefühlswelt. „Es hängt immer viel mit dem Tanz und der Musik zusammen. Unsere Sieger-Choreografie hat zum Beispiel einen emotionalen Hintergrund für unseren Trainer und sie wirkte auch etwas aggressiver. Wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich eigentlich nicht sauer, aber in dem Fall hatten wir das Gefühl, dass wir in dem Moment auch andere ‚verhauen‘ könnten.” Maite sieht das genauso. „Man muss alles verkörpern. Nicht nur die Choreografie, sondern auch die Emotion, die dahinter steckt..”

Lange können sich die Frauen jedoch nicht auf ihrem Erfolg ausruhen, denn auch in diesem Jahr steht eine Weltmeisterschaft an. „Wir haben uns bereits qualifiziert, da wir aktuell Deutscher Meister geworden sind. Im Sommer geht es dann nach Dublin”, erklärt Maite und Sophie macht charmant lächelnd eine Kampfansage an die Konkurrenz: „Wir wollen da natürlich unseren Titel verteidigen.”

Der Titel „A.verage T.rauma P.erspective”, den sich Trainer Ateş Kaykilar ausgedacht hat, bekommt seine genaue Bedeutung mit Blick auf die Anfangsbuchstaben. „Kurz heißt der Titel ATP – daher auch die Tennis-Thematik bei den Kostümen auf der Bühne. Der Hintergrund liegt in meiner Jugend. Bis ich 15 war, hatte ich noch eine andere Individualsportart betrieben, bevor ich zum Tanzen kam. Dabei wurde mir über meine gesamte Kindheit beigebracht, worauf es ankommt: Disziplin, Wettbewerb, der ewige Vergleich mit anderen. Das hat sich später auf andere Bereiche in meinem Leben übertragen und so war Zwischenmenschliches, Liebe oder Sexualität immer sehr kompetitiv. Ich hatte nur Freundinnen und Freunde aus diesem Sportbereich, daher kannte ich es nicht anders. Immer ging es darum, wer besser ist und sich durchsetzen kann. Erst recht spät habe ich gemerkt, dass ich mich davon emanzipieren muss, da das einfach toxisch ist, wenn ich Liebe und Beziehungen wie einen Wettkampf sehe.” Die eigene Perspektive auf dieses alte Trauma brachte ihn dann auf den Titel.

Im Vorfeld hat Kaykilar mit den Tänzerinnen viel über diese Thematik gesprochen. Es scheint gewirkt zu haben, denn ohne das authentische Gefühl in der Performance lässt sich ein Kampfgericht bei einer WM sicherlich nicht überzeugen.