- Michael Schönheit wuchs in einem musikalischen Haushalt auf und entschied sich früh für ein Musikstudium.
- Vor 40 Jahren wurde er überraschend zum Gewandhaus-Organisten ernannt.
- Nach der Wende gewann er das Publikum durch breites Repertoire und viele Bach-Konzerte zurück.
„Bach ist Anfang und Ende aller Musik.“ Dieser Satz von Max Reger ist für den Organisten Michael Schönheit außerordentlich wichtig. In den vergangenen beiden Spielzeiten hat er das komplette Orgelwerk des Leipziger Thomaskantors und städtischen Musikdirektors im Gewandhaus aufgeführt. Und zwar an beiden Orgeln des großen Saals. Unzählige Stunden hat Michael Schönheit in seinen 40 Jahren am Gewandhaus an diesen Instrumenten verbracht.
Kindheit voller Musik in Saalfeld
Geboren und aufgewachsen ist Michael Schönheit in der Thüringer Kleinstadt Saalfeld. An der dortigen Johanneskirche war sein Vater Walter Schönheit Kantor und leitete unter anderem die Thüringer Sängerknaben, den Mädelchor und den Oratorienchor. Die Musik wurde für Sohn Michael prägend, weil „in unserem Haushalt die Musik an allererster Stelle stand“, erzählt er MDR KULTUR.
Schon im Grundschulalter war Michael Schönheit klar, er will Musiker werden. Auslöser war die Aufführung von Bachs h-Moll-Messe, die sein Vater mit dem Saalfelder Oratorienchor und Mitgliedern des Gewandhausorchesters in Saalfeld aufführte. Für den Vater schien es eine einmalige Gelegenheit zu sein. 1985, wenige Woche vor einer weiteren Aufführung, starb Walter Schönheit und sein Sohn Michael übernahm das Pult.
Zu dieser Zeit hatte Michael Schönheit sein Studium an der Leipziger Musikhochschule in den Fächern Kirchenmusik und Dirigieren abgeschlossen. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters trat er in dessen Fußstapfen und wurde zum Kantor an der Saalfelder Johanniskirche gewählt.
So kam Schönheit an die Gewandhaus-Orgeln
Es hätte ein Stelle fürs Leben sein können, doch es kam anders: 1986 kehrte Gewandhausorganist Matthias Eisenberg nicht von einer Konzertreise in die DDR zurück. Michael Schönheit war damals bei einer Weiterbildung in Weimar, als ihn ein Telefonat von Gewandhauskapellmeister Kurt Masur erreichte, bei dem er einen Teil seines Studiums absolviert hatte, und fragte, ob Schönheit neben seiner Tätigkeit als Kantor auch Gewandhausorchester sein wolle.
Der damalige Gewandhauskapellmeister habe sehr klug gefragt, meint Schönheit heute. Denn zu dieser Zeit war er erst seit einem halben Jahr in Saalfeld tätig und hätte einen plötzlichen Weggang nicht mit seinem Gewissen vereinbaren können. Was folgte, war enormer Stress: „Ich habe eigentlich ständig geübt und ich bin froh gewesen, dass ich einen Assistenten in Saalfeld hatte, der mir viele Proben abgenommen hat“, berichtet Schönheit bei MDR KULTUR.
Das Ende der DDR – ein Einschnitt
Drei Jahre nach Beginn seiner Arbeit als Gewandhausorganist begannen in Leipzig die Montagsdemonstrationen und ein gutes Jahr später kam es zur deutschen Wiedervereinigung. „Möglichkeiten, Freiheiten waren natürlich schlagartig da“, erinnert sich Michael Schönheit. Das Ganze hatte aber auch eine Kehrseite: Plötzlich blieb das Publikum weg.
Seit 1990 hat es Michael Schönheit geschafft, das Orgelpublikum ins Gewandhaus zurückzuholen. Nicht zuletzt durch sein enorm breites Repertoire, das vom Barock über die französische Romantik bis zur Gegenwart reicht. Aber auch dadurch, dass er regelmäßig mit seinem Ensemble Merseburger Hofmusik im Großen Saal auftritt, denn seit langem ist Michael Schönheit zusätzlich auch Domorganist in Merseburg.
In zwei Jahren wird Michael Schönheit in den Ruhestand gehen. Aktuell spielt er mit dem Gedanken, in die Nähe der Ostsee zu ziehen. Und vielleicht wird er dort noch einige Konzerte geben. Angesichts der klammen Finanzsituation in Leipzig wird wohl keinen hauptamtlichen, also festangestellten Nachfolger geben.