Ende einer langjährigen Zusammenarbeit: Nachdem die VW-Tochter Porsche 2018 mit 10 Prozent bei Rimac eingestiegen ist und später auf 21 Prozent erhöht hatte, kommt es nun zum Einschnitt – und das, nachdem Porsche 2021 auch noch seine Edelmarke Bugatti in ein Joint Venture mit Rimac eingebracht hatte. Doch schon länger schien es in der Zusammenarbeit zu kriseln: Bereits vor einem Jahr machten Gerüchte die Runde, dass Rimac den deutschen Sportwagenbauer aus der Partnerschaft herausdrängen wollte.
Ob das wirklich so wahr oder doch nur eine Nebelkerze: Fakt ist, dass Porsche nun seine Anteile an Bugatti Rimac und auch an der Dachgesesllschaft Rimac Group an ein Konsortium unter der Führung des New Yorker Wagniskapitalgebers HOF Capital verkaufen will. Porsche-Chef Michael Leiters begründet den Anteilsverkauf so: „Mit der Gründung des Joint Ventures Bugatti Rimac zusammen mit der Rimac Group haben wir erfolgreich den Grundstein für Bugattis Zukunft gelegt. Und als Frühphaseninvestor der Rimac Group hat Porsche einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung von Rimac Technology zu einem etablierten Tier-1-Automobiltechnologieunternehmen geleistet. Mit dem Verkauf unseres Anteils zeigen wir, dass wir Porsche auf das Kerngeschäft konzentrieren werden. Wir danken Mate Rimac und seinem Team für die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren.“
Hinter dem Käufer HOF Capital steckt die ägyptische Milliardärsfamilie Sawiris, die ab den 1950er Jahren den Mischkonzern Orascom aufgebaut hatte. Während Gründer Onsi Sawiris vor fünf Jahren gestorben ist, haben Söhne und Enkel mittlerweile weitere Geschäftsfelder aufgebaut und Beteiligungen erworben, u.a. hält Sohn Nassef Sawiris knapp sechs Prozent der Anteile am deutschen Sportartikelriesen Adidas und ist Miteigentümer des englischen Premier-League-Klubs Aston Villa. Enkel Onsi Sawiris Jr. wiederum ist Mitbegründer und Managing Partner der Risikokapitalgesellschaft HOF Capital, die nun die Porsche-Anteile an Rimac Group und Bugatti Rimac übernimmt.
Der in Deutschland aufgewachsene Kroate Mate Rimac hatte sein Unternehmen 2009 gegründet, nachdem er einen alten BMW 3er in einer Garage zum Elektroauto umgerüstet hatte. Mate Rimacs Startup entwickelte über die Jahre ein vollelektrisches Hypercar namens Rimac Nevera, das seit 2022 als Kleinserie hergestellt wird und eine Höchstgeschwindigkeit von 412 km/h erreicht. Porsche brachte bereits 2021 seine Hypercar-Marke Bugatti in ein Joint Venture mit Rimac ein, das daran eine Mehrheit von 55 Prozent hält und die Führung hat.
Heute ist Rimac deutlich breiter aufgestellt: Unter dem Dach der Rimac Group gibt es vier Einheiten. Die Sparte Bugatti Rimac konzentriert sich auf Hypercars sowohl mit elektrischem (Rimac Nevera) als auch konventionellem Antrieb (Bugatti). Rimac Technology fungiert als Tier-1-Zulieferer, der u.a. die Batteriesysteme für den neuen BMW i7 fertigt. Die Unit Verne stellt selbst entwickelte Robotaxis her und betreibt einen Robotaxi-Service. Dieser feierte gerade erst in Zagreb Premiere und soll schon bald in weitere Städte in Europa und Nahost kommen. In der vierten und jüngsten Einheit Rimac Energy baut das Unternehmen ein Geschäft für stationäre Batteriespeicher auf.
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