Torhüter Moritz Nicolas ist wohl der größte Gewinner der bisherigen Saison bei Borussia Mönchengladbach. Für den Klub kann das ein Problem werden. Denn der Torwart-Markt ist in Bewegung, unter anderem steht Freiburgs Noah Atubolu vor einem Wechsel im Sommer. So könnte es andernorts Bedarf geben – und schnell dürften andere Klubs dann auf Nicolas kommen.

In Gladbach hat er einen Vertrag bis 2029, sein Marktwert wird auf sechs Millionen Euro geschätzt. Weswegen sicherlich ein zweistelliger Transferbetrag fällig würde. Unverkäuflich ist in Gladbach keiner. Doch will Gladbach den Keeper eigentlich behalten als wichtigen Achsenspieler. Mit seiner offensiveren Außendarstellung kann man sich den Torwart als künftiges Mitglied des Mannschaftsrats vorstellen. Nicolas als Gesamtpaket zu ersetzen, wäre nicht leicht.

Torwarttrainer André Wachter ist sein engster Ratgeber in Sachen Torwartspiel, auch im Bereich Neuroathletik wird gearbeitet, „um unsere Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit zu schulen. Das kann man zum Beispiel mit Lichtsystemen machen, bei denen man auf aufblinkende Lichter reagieren muss. Wir haben da verschiedene Trainingsmöglichkeiten, die mentale Aspekte stärken“, sagt Nicolas in der aktuellen Ausgabe des „Fohlen-Echo-Magazin“.

Zur Fortbildung gehört das Studium anderer Tormänner. „Aktuell herausragend sind für mich Thibaut Courtois und Gianluigi Donnarumma. Aber wir haben uns auch letztens bestimmte Szenen von Bernd Leno oder David Raya angesehen. Man schaut sich an, was nützlich sein könnte, um es wie ein neues Werkzeug in seinen persönlichen Werkzeugkasten hinzufügen zu können“, sagt Nicolas.

Zudem setzt er auf einen Mentalcoach. „Ich spreche nicht jede Woche mit ihm, aber wir machen regelmäßige Standortbestimmungen. Dann sprechen wir beispielsweise darüber, wie ich bestimmte Dinge sehe, welche Ziele ich mir setze und vieles mehr. Diese Zusammenarbeit hilft mir sehr und ist auch ein Aspekt, bei dem man sich stetig verbessern kann“, sagt Nicolas, der nebenbei Sportbusiness Management studiert.

In der Summe macht all das Nicolas zu einem Top-Torwart, den nicht wenige gern im WM-Kader von Julian Nagelsmann sehen würden. Ganz nebenbei jagt er nun Top-Bilanzen von Yann Sommer. Zehnmal hat Borussia Mönchengladbachs Nummer eins schon kein Gegentor bekommen in dieser Saison. Die Nummer elf verpasste er zuletzt um Sekunden. Gegen den FSV Mainz 05 erzielte Nadiem Amiri per Elfmeter den Ausgleich der Gäste mit der allerletzten Aktion des Spiels.

Gladbach: Sommer schaffte 2018/2019 13 Zu-Null-Spiele

Nicolas fand deutliche Worte zur Darbietung Borussias in Halbzeit zwei, in der sie, maximal tief stehend, gleichsam darum bettelte, ihrem Torwart das nächste Zu-Null-Spiel zu versauen. Seit dem Amiri-Tor ist klar: Den Rekord von 15 Zu-Null-Spielen, den Marc-André ter Stegen (Saison 2011/12) und Sommer (Saison 2014/15), gemeinsam halten, kann Nicolas nicht mehr einstellen.

Doch die Marke aus der Saison 2018/2019, als es zuletzt eine zweistellige Anzahl von Zu-Null-Spielen gab (13 schaffte Sommer damals), ist noch machbar mit vier ausstehenden Liga-Partien. „Wenn noch drei dazukommen würden, würde ich mich nicht beschweren“, sagt Nicolas nun im „Fohlenecho-Magazin“. Das Gespräch war nach dem 3:3 im Derby, seither kam kein gegentorloses Spiel mehr dazu.

Würde Nicolas die elf, die zwölf oder gar die 13 oder 14 noch packen, wäre das für Gladbach die sichere Rettung. „Zu-Null-Spiele helfen ja auch immer, Siege einzufahren“, weiß Nicolas. Dieses Wissen wird er am Samstag im Spiel beim VfL Wolfsburg (15.30 Uhr, Sky) umsetzen wollen.

Doch wird Nicolas jederzeit die Ergebnisse des Teams über die eigene Statistik stellen. „Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass ich nicht der Charakter bin, der sich selbst gerne in den Mittelpunkt stellt“, gesteht er im Klub-Interview. Doch in seiner ersten Saison als Nummer eins ist er als Persönlichkeit im Team enorm gereift. „Wenn man konstant spielt, den Nummer-eins-Status hat, dann gehört das zu dieser Entwicklung dazu“, sagt Nicolas.