Es ist vollbracht. Vier Jahre nach dem Abstieg aus der DEL haben die Krefeld Pinguine am Freitagabend den größten Erfolg ihrer jüngeren Vereinsgeschichte gefeiert. Mit einem 5:2 (0:1, 2:1, 3:0)-Erfolg in Spiel vier gegen die Kassel Huskies sicherten sich die Krefelder den vierten Sieg der DEL2-Finalserie – und damit nicht nur die Meisterschaft, sondern auch das Recht für die Rückkehr ins Oberhaus des deutschen Eishockeys. Schon Minuten vor dem Ende gab es im wieder einmal prall gefüllten Gästeblock kein Halten mehr – ein Vorgeschmack auf das, was dem Team in den kommenden Tagen bevorsteht.
Und das hat es sich absolut verdient. Denn nach überragender Hauptrunde, die souverän auf dem ersten Platz abgeschlossen wurde, folgten noch beeindruckendere Play-offs. Alle drei Serien gegen Landshut, Regensburg und nun eben Kassel wurden mit einem „Sweep“, also dem vorzeitigen Seriengewinn mit vier Siegen, beendet. Und das trotz zwei bitterer Ausfälle, die die Pinguine am Freitag verkraften mussten. Sowohl Mathew Santos, der nach seiner Hinausstellung in Spiel drei von der Liga gesperrt worden war, als auch Kapitän Alexander Weiß konnten den entscheidenden Erfolg ihrer Teamkameraden nur von der Tribüne verfolgen. Weiß hatte am Dienstag einen Schuss mit der Hand geblockt und schon im Anschluss sichtbar Schmerzen gehabt. Hinterher stellte sich die Verletzung als so schwerwiegend heraus, dass ein Einsatz für den Rest der Saison nicht mehr infrage kommen dürfte.
Fahriger Auftritt im Mitteldrittel – dann trifft Gogulla doppelt
Thomas Popiesch war also zum erst zweiten Mal in den Play-offs dazu gezwungen, seine Reihen umzustellen – konnte dafür aber auf den wiedergenesenen Marcel Müller zurückgreifen, der zuletzt im dritten Viertelfinal-Spiel gegen Landshut zum Einsatz gekommen war. Er übernahm den Platz von Kapitän Alex Weiß in Reihe drei, in Santos‘ Stelle in der Startformation rückte der bislang nicht berücksichtigte Roope Mäkitalo.
Der Finne konnte zwar keine frühen Akzente setzen, aber dennoch waren es die Pinguine, die zunächst mehr vom Spiel hatten. Nach rund zwei Minuten musste Huskies-Goalie Philipp Maurer erstmals aktiv eingreifen und einen Versuch von Matsumoto entschärfen, zudem war er bei gefährlichen Abschlüssen von Zack Dybowski (5.) und erneut Matsumoto (6.) gefragt. Der Weckruf für die Hausherren, die nun zielstrebiger wurden. So auch in der zehnten Minute, als ein misslungener Aufbaupass der Pinguine abgefangen wurde und postwendend vor das Tor der Krefelder zurückkam – Hunter Garlent konnte die Scheibe aber nicht kontrollieren. Spätestens jetzt war es eine offene Partie.
Und eine ohne Unterbrechungen. Beide Teams verteidigten nun konzentriert, entsprechend munter ging es hin und her. Knapp viereinhalb Minuten vor Ende des ersten Drittels war die Partie erst zum zweiten Mal unterbrochen – wegen einer Strafe gegen Erik Buschmann. Und diesen Vorteil ließ sich das schlechteste Powerplay-Team der Play-offs diesmal nicht nehmen. Nach rund eineinhalb Minuten in Überzahl wurde Yannik Valenti in halblinker Position freigespielt und ließ Pinguine-Goalie Felix Bick mit einem platzierten One-Timer keine Abwehrchance (17.). Die Probonio-Arena tobte nun – denn die Führung der Huskies war keineswegs unverdient. Und so gingen die Pinguine erstmals in der Finalserie mit einem Rückstand in die Kabine.
Dybowski vollendet das Comeback – der Rest ist Jubel
Und sie wirkten auch nach Wiederbeginn durchaus beeindruckt, leisteten sich ungewöhnlich viele Fehler. Mit dem Resultat, dass die Hausherren ihren Vorsprung schnell ausbauten. Die Pinguine verloren die Scheibe in der neutralen Zone, Tyler Benson fand Tristan Keck, der vor Felix Bick cool blieb und flach zum 2:0 einschoss (23.). Und kurz darauf waren die Pinguine nach einem Ellbogencheck von Max Newton erneut in Unterzahl, erneut flog ein Schuss auf Felix Bick zu, der so gerade noch die Schulter ins Kreuzeck bekam und den Einschlag verhinderte. So überstanden die Pinguine das zweite Kasseler Powerplay diesmal schadlos.
Direkt im Anschluss dann die erste Überzahlsituation für Krefeld – die allerdings ebenfalls ohne Ertrag endete, da unter anderem ein Versuch von Max Newton nur am linken Pfosten landete. Ansonsten waren klare Chancen für die Pinguine Mangelware, denen man nun zunehmend die Abwesenheit von Mathew Santos anmerkte. Wirklich gefährlich kamen die Krefelder auch im Mittelabschnitt nicht vors Kasseler Tor. Auf der Gegenseite hingegen musste Felix Bick mehrfach ernsthaft eingreifen.
Dann allerdings taten die Pinguine doch wieder das, was sie schon die gesamte Serie ausgezeichnet hatte: eiskalt zuschlagen. Davis Vandane wurde nur halbherzig attackiert, schmiss die Scheibe in Richtung Tor, wo Philip Gogulla zum Anschlusstreffer abfälschte (37.) Die Initialzündung: Nur 44 Sekunden später hatte Jon Matsumoto hinter dem Tor Zeit und fand den einlaufenden Gogulla, der Maurer erneut Mal überwinden konnte (38.). Der zu diesem Zeitpunkt durchaus schmeichelhafte Ausgleich – mit dem es dann auch in die zweite Pause ging.
Hochspannung war für den Schlussabschnitt also garantiert. Direkt nach dessen Beginn musste Matsumoto in die Kühlbox, und beinahe wäre den Pinguinen bereits der dritte Shorthander der Finalserie geglückt – Adam Payerl schlug frei vor Maurer aber über die Scheibe. Vier Minuten später machte es ein Teamkollege besser: im eigenen Drittel luchste Müller einem Kasseler die Scheibe ab, trieb den Angriff nach vorne und ließ für Zack Dybowski liegen, der platziert zum 3:2 traf – das Comeback war komplett (47.). Und genau sieben Minuten vor Schluss dann die Vorentscheidung. Payerl konnte die Scheibe hinterm Kasseler Tor behaupten, Zengerle gab sie in den Slot zum dort lauernden Müller, der sich die Ecke aussuchen konnte – 4:2 (54.).
Und als Gogulla zwei Minuten vor dem Ende ins inzwischen leere Kasseler Tor einschob, war alles klar. Der Rest war Jubel in Schwarz und Gelb.