Trotz der erschwerten Rahmenbedingungen war die Messe erneut stark international geprägt: Rund 40 Prozent der Gäste reisten der Deutschen Messe zufolge aus dem Ausland an. Zu den wichtigsten Herkunftsländern zählten demnach China, Brasilien, die USA, Japan sowie Südkorea.
„Die HANNOVER MESSE war in diesem Jahr Technologieschau und Impulsgeber zugleich. Die Unternehmen haben gezeigt, dass Deutschland und Europa über die notwendigen Werkzeuge verfügen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Entscheidend ist nun, diese Potenziale entschlossen zu nutzen und in die Anwendung zu bringen“, sagt Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG.
Schlüsseltechnologien für morgen
Die diesjährige Messe habe deutlich gezeigt, dass Künstliche Intelligenz, Robotik, Automatisierung und Energieinfrastruktur Schlüsseltechnologien für die Transformation der Industrie seien, heißt es in einer Pressemitteilung.
So präsentierten Unternehmen unter anderem KI-gestützte Produktionssysteme und -assistenten, die Prozesse automatisieren und Ausfälle vorhersagen können, humanoide Roboter, die bereits heute komplexe Bewegungsabläufe beherrschen und perspektivisch in Produktion und Service eingesetzt werden können, sowie neue Lösungen für Energieeffizienz und Netzausbau, die den Weg in eine klimaneutrale Industrie ebnen.
Wirtschaft und Politik waren in diesem Jahr sehr präsent: Neben Bundeskanzler Friedrich Merz und dem brasilianischen Präsidenten Lula da Silva waren unter anderem Roland Busch (Siemens), Christian Klein (SAP), Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sowie Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius vertreten. Zu den internationalen Politikern zählten unter anderem die kanadischen Industrieministerin Mélanie Joly und Stéphane Séjourné von der Europäischen Kommission.
Industrie fordert bessere Rahmenbedingungen
Gleichzeitig unterstrichen prominente Industrievertreter deutlich, dass sie den Standort Europa unter Druck sehen: Hohe Kosten, überbordende Regulierung und geopolitische Verwerfungen sorgten für wachsende Unsicherheiten und belasteten die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen spürbar, wurde häufig argumentiert.
„Das neue Konzept der HANNOVER MESSE ist ein Erfolg. Insbesondere die Center Stage hat große Resonanz erfahren“, sagt Dr. Gunther Kegel, Präsident des ZVEI (Verband der Elektro- und Digitalindustrie) und Vorsitzender des Ausstellerbeirats. „Das stärkt das Profil als Ort des hochkarätigen Austauschs, gerade mit der Politik“, so Dr. Kegel weiter. „Inhaltlich sendet die HANNOVER MESSE ein unmissverständliches Signal: Wir brauchen dringend eine schnelle Deregulierung, damit wir uns als Standort im internationalen Wettbewerb behaupten können. Gerade auch auf dem Feld der Industriellen KI. Die Unternehmen haben eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in der Technologie steckt – jetzt müssen Berlin und Brüssel die Handbremse lösen.“
„Die HANNOVER MESSE und die Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau haben in diesem Jahr eindrucksvoll gezeigt, dass sie die Herausforderungen einer von multiplen Krisen geprägten Welt annehmen. Die Digitalisierung unserer Industrie schreitet mit hohem Tempo voran, KI und humanoide Robotik waren zu Recht die prägenden Themen dieser Messe“, ergänzt VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. „Der industrielle Mittelstand will und kann Technologien liefern, die uns auch künftig international wettbewerbsfähig halten.“
Partnerland Brasilien
Das Partnerland Brasilien war mit einem breiten Spektrum an Industrie-, Energie- und Digitalisierungsthemen vor Ort. Das Land habe sich als dynamischer Wachstumsmarkt und verlässlicher Partner für internationale Kooperationen präsentiert, heißt es vonseiten des Veranstalters.
„Gerade in einer Phase globaler Umbrüche und neuer Handelsbeziehungen setzte die Partnerschaft wichtige Signale: für mehr Diversifizierung, für resilientere Lieferketten und für eine engere Zusammenarbeit zwischen Europa und Lateinamerika“, so Köckler. Das in Kürze in Kraft tretende EU-Mercosur-Abkommen habe der Partnerlandbeteiligung einen deutlichen Schub verliehen und neue Impulse für wirtschaftliche Kooperationen gesetzt.
Kompakter Hallenplan, interaktive Formate
Die HANNOVER MESSE 2026 präsentierte in diesem Jahr auch ein weiterentwickeltes Messekonzept. Der neue, kompaktere Hallenplan sollte für eine klare Orientierung sorgen, die den Besucherinnen und Besuchern einen effizienteren Messebesuch ermöglichen sollte.
Hinzukamen neuen Networking-Formate: In Masterclasses, kompakten, praxisnahen Sessions, konnten Anbieter ihre Expertise gezielt präsentieren und direkt mit potenziellen Kunden in den Austausch treten.
Als Publikumsmagnet erwies sich die Center Stage, die sich als zentrale Plattform für Wissenstransfer, Diskussion und Inspiration etabliert hat. Mit einem hochkarätigen Programm über alle Messetage hinweg zog sie rund 30.000 Besucherinnen und Besucher an.
HANNOVER MESSE wird 2027 einen Tag kürzer
Für 2027 plant die HANNOVER MESSE weitere Weiterentwicklungen. So soll die neue Messe „Europe Energy Week“ parallel zur HANNOVER MESSE ausgerichtet werden. In Zusammenarbeit mit dem Messeveranstalter dmg events soll eine Plattform entstehen, die Energieerzeuger, Industrieunternehmen, Infrastrukturbetreiber und politische Entscheider zusammenführt und den Austausch über die Energiezukunft Europas stärkt.
Eine zentrale Neuerung betrifft die Laufzeit der Messe: Von 2027 an konzentriert sich die HANNOVER MESSE auf die besucherstärksten Tage und findet dann von Montag, 5. April, bis Donnerstag, 8. April, statt. Mit dieser Fokussierung sollen Besucherfrequenz, Entscheiderpräsenz und Geschäftsanbahnung gezielt gebündelt werden. Ziel sei es, die Messe noch effizienter und attraktiver für Aussteller und Besucher zu gestalten, so der Veranstalter.
Die nächste Ausgabe der HANNOVER MESSE wird vom 5. bis zum 8. April 2027 in Hannover ausgerichtet. Spanien ist Partnerland.