Waffen im Unterricht: Krieg im Alltag präsent

Trotzdem ist der Krieg allgegenwärtig. Die Stadt will vorbereitet sein. Vor vielen Geschäften, Restaurants und öffentlichen Gebäuden stehen Generatoren, denn immer wieder wird der Strom abgeschaltet. Aber nicht nur das erinnert an die Gefahr. Vor den Kellerfenstern der Schulen liegen Sandsäcke. Im Inneren gibt es Schutzräume.

Kinder und Jugendliche werden für den Ernstfall geschult. Die älteren Schüler lernen im Unterrichtsfach „Verteidigung“, mit einer Waffe umzugehen. Mit dem Handy stoppen sie die Zeit, wie lange sie für das Zusammenbauen der Waffen brauchen.

Der Krieg belastet mich emotional sehr. 

Mariia (15)
Schülerin in Schowkwa

Auch Drohnenfliegen und Erste Hilfe stehen auf dem Stundenplan. „Ich fühle mich sicher in Schowkwa“, sagt Mariia, eine 15-jährige Schülerin. „Aber der Krieg belastet mich emotional sehr. Ich kann jede Nacht in meinem bequemen Bett liegen, weiß aber, dass Männer, kaum älter als ich selbst, uns gerade an der Front beschützen.“

Täglich beten Mariia und die anderen für die Männer an der Front. Jeden Morgen um 9 Uhr wird die ukrainische Hymne über Lautsprecher abgespielt. In der ganzen Stadt ist sie zu hören. Menschen verharren, Autos halten an. Sie gedenken ihrer Helden. Auch Schowkwa hat seine Opfer. Mehr als 120 Männer der rund 35.000 Einwohner sind bis jetzt gefallen. Im Park hinter dem Schloss hängen überlebensgroße Porträts von Vermissten. Keiner weiß, ob die Väter, Söhne und Brüder noch am Leben sind.

Den Blick aufs Leben nach dem Krieg richten

„Wir geben die Hoffnung natürlich nicht auf und bereiten uns auf ein Ende des Krieges, auf unseren Sieg vor“, sagt Oleg Volskyi. „Wir beginnen bereits, Straßen zu bauen. Wir renovieren Kindergärten und Schulen.“

Weimar will helfen. Auch beim aktuellen Besuch hatte Oberbürgermeister Kleine einen symbolischen Scheck dabei. Von den 10.000 Euro Spenden aus der Bevölkerung soll ein Skatepark gebaut werden. „Unsere Jugendlichen haben nicht viele Freizeitmöglichkeiten“, sagt Volskyi.

Für sie will auch der Förderverein der Städtepartnerschaft Weimar-Schowkwa Gutes tun. Dem jungen Verein ist es gelungen, Spendengelder für einen Austausch einzuwerben. „Im Sommer werden 20 Kinder aus Schowkwa nach Weimar kommen und hier eine gute Zeit verbringen“, sagt Vereins-Chef Wolfram Wiese. „Viele der Kinder sind Kriegswaisen. Sie sollen mal abschalten und auf andere Gedanken kommen. Wir haben ein abwechslungsreiches Programm für sie zusammengestellt.“

Im Juni werden die Jugendlichen, die zwischen zwölf und 16 Jahre alt sind, in Weimar Gleichaltrige treffen. Sie sollen gemeinsam Tennis spielen, ins Freibad gehen und Weimar kennenlernen.

Ukrainische Schüler in Weimar erwartet

„Ich habe mich schon im Internet über Weimar erkundigt und jetzt schon viel über die Stadt gelernt.“ Mariia ist eine der Auserwählten und freut sich sehr auf den Besuch. Wie viele andere Kinder aus Schowkwa ist sie musisch-künstlerisch aktiv. Sie singt und spielt Bandura, ein traditionelles ukrainisches Instrument.

Sie will den Jugendlichen in Weimar davon erzählen, und sie möchte, dass auch sie einmal ihre Stadt kennenlernen. „Wir hoffen, dass es sehr bald so weit sein wird und wir auch Kinder aus Weimar ruhigen Gewissens nach Schowkwa schicken können“, sagt Wolfram Wiese.

Auch Weimars Oberbürgermeister Kleine hat Pläne für eine lebendige Städtepartnerschaft nach dem Krieg. „Wir haben in den letzten Tagen auch die Feuerwehr von Schowkwa besucht. Ich kann mir auch auf dieser Ebene einen regen Austausch vorstellen. Natürlich auch mit unserer Mal- und Zeichenschule oder der Musikschule von Weimar. Ganz zu schweigen vom Sport. Das funktioniert eigentlich immer.“

Die Ideen, wie es nach dem Krieg weitergehen kann, sind bunt, und es gibt viele. Was dafür fehlt, ist Frieden. Auf den hoffen sie alle – und das möglichst bald.