
AUDIO: Umweltministerium MV duldet neuen Rettungsplan für Wal in der Ostsee (1 Min)
Stand: 25.04.2026 16:27 Uhr
Umweltminister Till Backhaus (SPD) duldet das neue Konzept der privaten Initiative zur Rettung des Buckelwals, erklärte er am Samstagnachmittag. Die Vorbereitungen zum Transport des zwölf Meter langen Meeressäugers laufen noch immer.
Backhaus erklärte, dass die beiden neuen Veterinäre des Teams intensiv gearbeitet hätten und das neue Konzept vom Ministerium geduldet werde. Am Donnerstagabend habe der Minister einen ersten Entwurf bekommen und daraufhin musste die Initiative nacharbeiten. Worum es genau ging, bleibt unklar. Das neue Konzept der Helfer sei intensiv „abgeklopft worden durch unsere Fachleute“, so der Umweltminister. Das Tier sei transportfähig. Im Anschluss erklärte Tierärztin Kirsten Tönnies: „Wir kalkulieren, dass wir ihn zwischen Dienstag und Mittwoch hier weg kriegen“. Sie sprach positiv über die aktuelle Zusammenarbeit mit dem Ministerium.
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Der Rettungsversuch für den Ostsee-Wal im Livestream
Wal ist ein Bulle
Laut Backhaus handelt sich es beim Wal um einen Bullen. Der Umweltminister wies Kritik zurück, die Maßnahmen blockiert zu haben. Es werde „immer so getan, als ob wir irgendwas behindern oder verhindern“, sagte Backhaus weiter. „Das ist schlicht und ergreifend unwahr.“ Er zeigte sich genervt von der Medienberichterstattung und warf den Pressevertretern vor ständig von einer Genehmigung zu sprechen, statt von einer Duldung. Nur dazu habe das Ministerium die Berechtigung.
Aquarium-Konzept
Das Konzept sieht vor, den mehrere Tonnen schweren Wal über eine eigens ausgehobene, mehr als 100 Meter lange Rinne zu einem speziellen Lastkahn zu führen. Über eine Hecköffnung soll das Tier in die mit Wasser gefüllte Schute gelangen. Im Idealfall eigenständig, notfalls mit Unterstützung durch weiche Schlingen. „Dann ist der Wal wie in einer Art Aquarium“, so die Tierärztin der Initiative, Kirsten Tönnies. Der geduldete Versuch dem Wal Blut abzunehmen, konnten die Tierärzte nicht durchführen, sagte Tönnies am Samstagnachmittag. Aufgrund von Wellengang und der Bewegung des Wals kamen sie nicht an ihn ran.
Vorbereitungen laufen

Die weißen „Big Bags“ wurden am Freitag angeliefert.
Am Vormittag wurden rund 40 mit Sand gefüllte „Big Bags“ verladen und mit einem Schwimmponton in die Kirchsee-Bucht bugsiert. Dort wurden sie an Bord der großen verankerten Arbeitsplattform gehievt. Sie sollen als Barriere um den Wal gesetzt werden und verhindern, dass er sich bei steigenden Wasserständen noch weiter in die Flachwasserzone hinein bewegt. Fast fertig war am Morgen nach Angaben aus dem Team eine rund 110 Meter lange Rinne, die von der Mulde des Wals in tieferes Wasser führt. Durch diese rund zwei Meter tiefe Rinne soll der Wal nach Idee der privaten Initiative in tieferes Wasser schwimmen oder gegebenenfalls gezogen werden.
Lastkahn noch nicht vor Ort
Allerdings verzögert sich die Ankunft der benötigten Schute. Der rund 50 Meter lange und 30 Meter breite Lastkahn sollte ursprünglich bereits vorbereitet sein, trifft nun aber später ein. Der Schlepper „Robin Hood“ soll die Schute nach Mecklenburg-Vorpommern bringen. Die Schute sei noch unterwegs nach Kiel, erklärte der Martin Bocklage, Kapitän des Schleppers „Robin Hood“ gegenüber dem NDR. Er werde die Schute in Kiel abholen, wisse aber nicht, wann sie dort ankomme, es könne auch nachts sein.
Schwimmt der Wal sich selbst frei?
Für zusätzlichen Druck sorgt der erwartete steigende Wasserstand in der Bucht. Bereits am Sonntagmittag könnte sich die Situation ähnlich entwickeln wie zu Wochenbeginn, als sich der Wal zeitweise selbst freischwamm. „Es kann auch genauso gut sein, dass der Wal sich wieder losmacht“, sagte Backhaus.
Minister Backhaus direkt am Wal

Am Freitagvormittag war Umweltminister Till Backhaus (SPD) beim Wal.
Am Freitagvormittag war Umweltminister Backhaus selbst im Wasser, um sich ein Bild vom Wal und der Lage vor Ort zu machen. Nach seiner Visite bestätigte er gegenüber dem ZDF, dass das Tier zwar einen kranken, aber sehr aufmerksamen Eindruck mache. Weiter bestätigte er, dass dem Ministerium seit Donnerstag zwei neue Teilkonzepte zur Rettung vorliegen würden. Diese seien nach ersten Rückfragen nun in der Prüfung.
Backhaus: „Das alte Konzept ist gescheitert“
Backhaus betonte, dass ein Abtransport mit den Pontons, wie im ersten Konzept vorgesehen, nicht von der See-Berufsgenossenschaft genehmigt worden sei. Somit sei das erste Konzept aus Sicht des Ministers gescheitert. Neben dem Tierwohl gehe es auch um die Sicherheit der Menschen, die mit und um das Tier arbeiten.

Es geht um Experten des kanadischen „Whale Sanctuary Project“, das sich für den Schutz von Meeressäugern einsetzt.
Netz soll erst kurz vor Bergung unter den Wal gelegt werden
Ein ursprünglich erwogenes Vorgehen, ein Netz frühzeitig unter das Tier zu legen, wurde verworfen, so Fred Babbel, Chef des beauftragten Tauchunternehmens. Der Eingriff sei zu aufwendig und mit unklaren Reaktionen des Wals verbunden. Stattdessen könne das Netz erst unmittelbar vor einer möglichen Bergung eingesetzt werden, um das Tier aus der Rinne zu bewegen. Gurte oder Seile seien in der aktuellen Situation nicht zulässig. Auch technische Hilfsmittel wie ein Schwimmbagger oder ein Lastkahn stehen derzeit nicht wie geplant zur Verfügung, teils aufgrund fehlender Genehmigungen. Die Rinne könne jedoch voraussichtlich auch ohne diese Geräte rechtzeitig fertiggestellt werden.
Babbel: „Macht man ja nicht alle Tage“
Babbel betonte, dass alle Maßnahmen für die Beteiligten vollkommen neu seien: „Das macht man ja nicht alle Tage.“ Gleichwohl arbeite das Team unter Hochdruck weiter, die Motivation sei ungebrochen. Ziel bleibe, den Wal „so schnell wie möglich da raus zu bekommen“. Ob das Tier sich letztlich selbst freischwimmt oder aktiv unterstützt werden muss, werde erst in der konkreten Situation entschieden.

Zwischen Mitgefühl, Politik, Inszenierung und einem System im Dauerstress.
Tönnies: Neues Gutachten geplant
Die Tierärztin Kirsten Tönnies stellte die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen in den Vordergrund. Der Eingriff sei angesichts der Gegebenheiten vertretbar: „Hier ist nur Sand“, größere ökologische Schäden seien nicht zu erwarten. Zugleich übte sie Kritik am ersten Gutachten zum Gesundheitszustand des Wals: Es habe „Mängel“ aufgewiesen, zudem hätte sie „andere Prioritäten gesetzt“ und zusätzliche Messungen vorgenommen. Entscheidend bleibe jedoch das Überleben des Tieres. „Wenn es darum geht, ob das Tier lebt oder stirbt, muss man die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen abwägen“, sagte sie. Der Schutz des Wals habe oberste Priorität, auch bei der Bewertung neuer Gutachten. Tönnies betonte zudem, dass der Wal Lebenswillen zeige und bei Bedarf auch medizinisch versorgt werden könne.

Ob Hörer, Zuschauer oder Social-Media-Nutzer: Alle haben viele Fragen zum Buckelwal. Expertinnen und Experten antworten.
Wal wird bei Bedarf unterstützt
Um zu verhindern, dass das Tier während der Arbeiten in eine falsche Richtung gerät, soll zunächst eine Art Barriere bestehen bleiben, die erst am Ende geöffnet wird. Der Taucher betonte zudem, dass die Abstimmung zwischen Behörden und Initiative gut funktioniere. Kritik an den Maßnahmen wies er zurück.
Tierärztin Rheker: „Es gibt für die Aktion keine Blaupause“
Die aus Klütz (Kreis Nordwestmecklenburg) stammende Tierärztin Ina Rheker, die inzwischen für die private Rettungsinitiative arbeitet, sagte, eine klare Blaupause für diesen Einsatz gebe es nicht. Viele Menschen agierten rund um das Tier, dennoch reagiere der Wal auf bekannte Personen vergleichsweise ruhig. Gleichwohl ist sein Gesundheitszustand kritisch, wie Umweltminister Till Backhaus (SPD) wiederholt betonte.

Rechte und Rechtsextreme nutzen die Geschehnisse rund um den gestrandeten Wal, um Stimmung gegen Politik und Behörden zu machen.
US-Tierärztin erhebt schwere Vorwürfe
Die aus Hawaii angereiste Tierärztin Jenna Wallace, die inzwischen wieder zurück in den USA ist, erhob im Interview mit dem NDR schwere Vorwürfe, insbesondere gegen Sergio Bambarén, Schriftsteller und Vizepräsident der Umweltschutzorganisation „Mundo Azul“, und Influencer Danny Hilse. Die beiden Männer, die laut Wallace für sich proklamieren, eine besondere Verbindung zum Wal zu haben, gefährden in ihren Augen die Rettungsaktion. Mitinitiatorin Karin Walter-Mommert verteidigte im NDR Interview Danny Hilse gegen die erhobenen Vorwürfe.

Vor Poel bemüht sich ein privates Team weiter, den gestrandeten Buckelwal zu befreien – bisher aber erfolglos. Nun soll es einen neuen Rettungsplan geben.

Tierärztin Janine Bahr van Gemmert geht weiterhin davon aus, dass der Buckelwal vor Poel eine realistische Chance habe, zu überleben.

Umweltminister Till Backhaus (SPD) sowie die Expertin Stephanie Groß und der Experte Burkard Baschek äußern sich auf einer Pressekonferenz zu den Überlebenschancen des Buckelwals vor Poel.
Der Irrweg des Wals in der Ostsee
Am 3. März war der Wal erstmals im Hafen von Wismar gesichtet und mithilfe der Naturschutzorganisation Sea Shepherd mit Booten aus dem Hafenbecken geleitet worden. Am 23. März lag er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand. Nachdem für ihn eine Rinne ausgebaggert worden war, schwamm er sich am 27. März frei.
Am 28. März strandete er erneut in der Wismarer Bucht südlich der Insel Walfisch, kam zwischenzeitlich frei, lag anschließend jedoch bis zum 30. März wieder im flachen Wasser fest. In der Nacht zum 31. März setzte er sich abermals in Bewegung. Allerdings schwamm er nicht Richtung Westen, sondern nach Norden und blieb gegen 13 Uhr in der Kirchsee vor Poel liegen.