Drei Männer und zwei Frauen, festlich gekleidet, gehen lächelnd nebeneinander

AUDIO: Wenn Stimmen alles dürfen: Eine Woche A-cappella voller Klangexperimente (7 Min)

Stand: 25.04.2026 17:21 Uhr

Bis zum 3. Mai findet in Hannover wieder die Internationale A-cappella-Woche statt. Einer der Veranstalter, Thomas Aydintan, hat selbst lange gesungen. Im Gespräch erzählt er, wie ein kleines ehrenamtliches Team das Festival Jahr für Jahr auf die Beine stellt.

Herr Aydintan, wenn man so ein Festival mit so tollen Ensembles organisiert, wie sehr juckt es dann auch selber mitzusingen?

Thomas Aydintan: Manchmal sehr. Vor allen Dingen, wenn man sieht, wie sich A-cappella-Musik verändert und wie die Vielfältigkeit gewachsen ist. Ich habe selbst viele Jahre gesungen, damals mit Modell Andante. Wir haben das Festival vor 25 Jahren gegründet. Danach habe ich selber eine lange Bühnenkarriere bei der Gruppe Basta gemacht; wir haben viel gesungen und auch verfolgt, was andere so machen. Und jetzt in der zweiten Reihe zu stehen und ein bisschen mitzubeobachten, was alles möglich ist, ist schon toll. Da hat man manchmal auch wieder Lust mitzusingen.

Die A-cappella-Woche spiegelt das auch wider, wie vielseitig A-cappella eigentlich ist. Wie würden Sie die Bandbreite beschreiben?

Aydintan: Das ist tatsächlich von Alpha bis Omega. Wir haben es auch dieses Jahr wieder geschafft, eine sehr große Bandbreite abzubilden, von Renaissance-Musik bis hin zu Kompositionen der heutigen Zeit. Es ist immer wieder unfassbar toll, dass man mit A-cappella all das abbilden kann.

Sie haben auch ein paar renommierte Bands dabei – Calmus Ensemble oder Maybebop – und andere, die es noch zu entdecken gibt. Wie treffen Sie da die Auswahl?

Aydintan: Wir verfolgen genau, was in der A-cappella-Szene passiert: Wer ist gerade auf den Festivals angesagt, wer gewinnt die Preise bei den Wettbewerben? Wir gucken auch, welche Ensembles wir bereits kennen, mit wem wir schon mal in Verbindung waren. Es gibt teilweise auch Freundschaften, die in all den Jahren entstanden sind.

Ein Mann steht vor einem Geländer, im Hintergrund sind Gebäude zu sehen.

Thomas Aydintan vom Verein Lausch Kultur ist mitverantwortlich für die Organisation der Internationalen A-cappella-Woche Hannover.

Dann machen wir einen bunten Mix daraus und versuchen einerseits international zu sein, andererseits aber auch immer wieder auf die Chorstadt und City of Music Hannover zu schauen. Denn auch in Hannover haben wir tolle Gruppen, die wir immer wieder mit einbinden können: dieses Jahr unter anderem das Voktett beim Eröffnungskonzert und Maybebop, die uns im Abschlusskonzert begleiten werden und auch ein eigenes Konzert machen.

Im Abschlusskonzert kommen noch mal alle zusammen, richtig?

Aydintan: Wenn wir wirklich alle Gruppen ins Abschlusskonzert packen würden, dann dauert das Konzert zwei Tage. Es sind tatsächlich nur vier Gruppen. Dieses Jahr ist es besonders toll, dass Maybebop nochmal dabei sind und auch die New York Voices, die ihr Abschiedskonzert in diesem Abschlusskonzert geben, denn die hören in diesem Jahr auf. Die waren fast 40 Jahre unterwegs und haben die lange Reise aus New York gemacht, um in Hannover dabei zu sein.

Das Abschlusskonzert bildet nochmal so einen kleinen Überblick über das, was in der Woche passiert ist, aber auch einen kleinen Ausblick auf nächstes Jahr, denn da feiern wir 25-jähriges Jubiläum und da haben wir auch eine Gruppe dabei, die dieses Jahr schon dabei ist und nächstes Jahr ein eigenes Konzert gibt.

Es wird mehrere Konzerte geben, die sich thematisch mit dem Zustand unserer Erde beziehungsweise mit dem Zustand des Menschen in unserer heutigen Welt auseinandersetzen. War das ein Konzept oder ist das zufällig passiert?

Aydintan: Das ist kein Konzept, aber es bildet auch wieder so ein bisschen ab, was alles möglich ist und dass die A-cappella-Szene sich auch weitergehende Gedanken macht. Es ist eben nicht nur die einfache Reproduktion irgendwelcher bekannter Songs. Ein sehr schönes Beispiel dafür sind Of Cabbages And Kings, die wir am 30. April in Neustadt haben. Die machen ein ganz eigenes Konzept: Improvisationen, eigenes Songwriting – sie probieren alles aus, was mit Stimme möglich ist. Das ist wieder eine ganz andere Herangehensweise an klassische Musik, die wir sehr unterstützen und fördern.

Vier brünette Frauen gehen schwungvoll und lachend auf die Kamera zu, im Hintergrund ein Bündel goldene Luftballons.

Die Frauen-Combo Les Brünettes setzt dem männlichen Vokal-Pop erfolgreich weibliche Stimmen entgegen – eine davon stammt aus dem niedersächsischen Oldenburg.

Es wird auch ein paar Workshops geben – wer kann da kommen und mitmachen?

Aydintan: Da darf jeder hin, das ist ganz barrierefrei, das kostet nichts. Man kann sich auf unserer Website für die Workshops anmelden. Dafür muss man kein studierter Musiker sein, da kann wirklich jeder kommen, der Lust hat. Das Tolle ist, dass wir in den Workshops ermöglichen, dass man nicht nur passiver Zuhörer ist, sondern dass man auch aktiv unsere Künstlerinnen kennenlernt und mit denen sogar zusammen etwas erarbeiten kann. Am 1. Mai in der Rampe, zwei Workshops mit Of Cabbages And Kings und eine Masterclass mit New York Voices am 2. Mai.

Sie machen das schon zum 24. Mal, und Ihr Verein arbeitet komplett ehrenamtlich. Wie machen Sie das?

Aydintan: Wir sind mit Lausch Kultur Hannover ein ganz kleiner Verein; wir bestehen aus einer Handvoll Leute und haben ein sehr engagiertes und empathisches Team. Wir haben eigentlich nur eine einzige Aufgabe: jedes Jahr ein renommiertes internationales A-cappella-Festival auf die Bühne zu stellen. Man kann sich vorstellen, dass das nicht ganz so einfach gelingt, wir brauchen jede Menge Unterstützung. Die haben wir auch: Neben unserem Team haben wir viele ehrenamtliche Helfer und jede Menge Sponsoren und Förderer, um das zu realisieren.

Das Gespräch führte Franziska von Busse.

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