Fröhliche Kinderstimmen waren am Freitagnachmittag auf der Außenanlage des Montessori Kinderhauses an der Carlo-Schmid-Straße in Hellerhof zu hören. Es wurde getobt, gerutscht, geklettert, gebastelt und gespielt. Außerdem waren viele Eltern, Großeltern und ehemalige Mitarbeitende in der Kindertagesstätte. Gefeiert wurde das 40-jährige Bestehen der katholischen Einrichtung. „Wir sind fast so alt wie Hellerhof selbst“, erläuterte die Leiterin des Sankt Matthäus Montessori Kinderhauses Mariola Wieczorek. „Kurz nachdem die ersten Menschen hier hingezogen sind, haben wir unsere Tore geöffnet.“

Bis es so weit war, hatten die jungen Hellerhofer Familien aber einen Kampf zu führen. Am Anfang des neuen Stadtteils im Düsseldorfer Süden gab es lediglich eine kleine Kita in Hellerhof, aber 72 Kinder, die pädagogische Betreuung benötigten. Es gab Bürgeranhörungen, Proteste bei Sitzungen der Bezirksvertretung und weitere Formen zur Demonstration des Bürgerwillens nach einem zweiten Kindergarten. Schließlich sagte die Stadt zu, dem Missstand ein Ende zu bereiten und in Hellerhof eine zweite Kinderbetreuungseinrichtung zu bauen. Allerdings könne die Kommune das nur machen, wenn 600.000 Mark an Landeszuschüssen flössen, um die insgesamt zwei Millionen Mark Baukosten zu stemmen.

Zwischen Verwaltung und Politik wurde der Antrag hin und her geschoben, es floss viel Wasser den Rhein hinunter. Da half auch der Bittbrief eines Hellerhofer Kindes an den damaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau nichts. „Mein Papa sagte mir, dass Du der oberste Landesvater bist. Sprich doch einmal mit deinem Kassierer, damit der endlich das nötige Geld nach Hellerhof schickt“, hieß es in dem Kinderbrief. „Die Stadt D‘dorf sagt nämlich, dass sie ohne Dein Geld den schon lange versprochenen Kindergarten in Hellerhof nicht bauen kann.“ Und Rau, ganz Landesvater, antwortete auch. „Ich finde es großartig, dass Du mir Deine Sorgen … in aller Offenheit schilderst. Nun wäre mir natürlich nichts lieber, als wenn ich Dir kurzerhand mitteilen könnte, dass der Kassierer ein Einsehen hat und das für einen zweiten Kindergarten in Hellerhof benötigte Geld zur Verfügung stellt“, antwortete der Ministerpräsident. „Leider lässt sich das Problem aber nicht so leicht und so schnell lösen. Auch ein Ministerpräsident kann nicht immer und überall in dem Maße helfen, wie es ihm selber lieb wäre.“

Und doch kam noch im selben Jahr, also 1984, Bewegung in die Sache, denn die Stadtsparkasse sagte eine 500.000 Mark Spende zu und das Erzbistum Köln legte die Baupläne für den dann christlich geprägten Kindergarten vor. „Die Pfarre im Hintergrund zu wissen, ist uns auch heute noch wichtig“, erläutert die stellvertretende Kita-Leiterin Martina Pache-Sarmiento. „Unser pädagogisches Konzept beruht auf drei Säulen – dem Glauben, der Montessori-Pädagogik und der Gemeinschaft.“

Das funktioniert seit 40 Jahren sehr gut. Nicht nur bei den Mitarbeitenden ist Konstanz und Kontinuität vorhanden. Pache-Sarmiento machte 1989 ihr Montessori-Anerkennungsjahr in Hellerhof, wurde angestellt und ist immer noch dabei. So konnte sie bereits einige ihrer ehemaligen Schutzbefohlenen jetzt als Eltern von Kita-Kindern begrüßen. So wie Johannes Pricking. „Als ich vor Kurzem nach einem Kitaplatz für meinen Sohn nachfragte, sagte Martina am Telefon zu mir: ‚Du brauchst Dich nicht vorstellen, wir kennen uns‘’“, erzählt Pricking. „Meine Erinnerungen an meine Kindergartenzeit haben mich dazu gebracht, auch meine Kinder hier anzumelden.“ Die Prickings waren 1987 nach Hellerhof gezogen. Damals noch mit Vater (heute Großvater) Thomas, seiner Gattin und Sohn Johannes. Zwei Jahre später war Johannes in der Betreuung des St. Matthäus Montessori Kinderhauses. Zwei weitere Jahre später folgte Johannes‘ Schwester.

Seitdem hat sich das Kinderhaus stetig weiterentwickelt. Die Fläche hat sich vergrößert, die Inneneinrichtung wurde optimiert. „Im Februar 2025 haben wir unsere komplett neu gestaltete Außenanlage in Betrieb nehmen können“, berichtet Pache-Sarmiento. „Wir sind sehr glücklich, dass die meisten Ideen von uns bei der Neugestaltung umgesetzt werden konnten.“ Die nächsten 40 Jahre können also kommen.