Münster. Arminia Bielefeld musste liefern. Und Arminia Bielefeld hat geliefert. Mit 3:2 (3:1) gewann der vom Abstieg bedrohte Fußball-Zweitligist am Samstag das Kellerduell beim SC Preußen Münster, kletterte in der Tabelle auf Platz 13 und darf einmal tief Luft holen. Für die Preußen dürfte das Kapitel 2. Bundesliga dagegen so gut wie beendet sein. Der Rückstand des Tabellenletzten auf den rettenden 15. Platz beträgt nach der Heimpleite gegen den Erzrivalen drei Spieltage vor dem Saisonende sechs Punkte.

„Ich gehe davon aus, dass wir ein gutes Spiel machen und gewinnen werden“, hatte DSC-Trainer Mitch Kniat vor der Partie selbstbewusst erklärt. Dieser Ankündigung ließ sein Team Taten folgen.

Kniat änderte sein Team gegenüber dem 1:1 eine Woche zuvor gegen den 1. FC Nürnberg gleich auf vier Positionen. Robin Knoche (für Großer), Felix Hagmann (für Lannert), Monju Thaddäus Momuluh (für Boakye) und Roberts Uldrikis (für Telalovic) rückten neu in die Startelf. Für Mittelfeldspieler Marvin Mehlem, der nach abgesessener Rotsperre wieder einsatzberechtigt gewesen wäre, war derweil kein Platz im Spieltagskader. Linksverteidiger Arne Sicker konnte aufgrund einer Wadenverletzung erneut nicht mit dabei sein.

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DSC Arminia Bielefeld

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Arminia und Preußen müssen gewinnen

Die Situation vor dem Anpfiff war klar: Beide Teams mussten gewinnen, um ihre Ausgangslage im Abstiegskampf spürbar zu verbessern. Die Siege der Kellerkonkurrenten Eintracht Braunschweig (2:0 in Kaiserslautern) und Fortuna Düsseldorf (3:1 gegen Dresden) am Freitagabend hatten die beiden westfälischen Konkurrenten gehörig unter Druck gesetzt.

Arminia war dadurch bis auf den vorletzten Tabellenplatz abgerutscht, für Schlusslicht Münster war das Spiel gegen Bielefeld ohnehin so etwas wie der letzte Strohhalm. „Ich will eine Mannschaft sehen, die ihr Herz auf dem Platz lässt“, hatte Alois Schwartz vor seinem vierten Spiel als Preußen-Trainer (zuvor zwei Remis, eine Niederlage) gesagt.

Arminia verteidigt bei Münsters Führungstor unzureichend

Und diese Vorgabe schien sein Team zunächst mit aller Macht umsetzen zu wollen. Keine 120 Sekunden waren auf der ausverkauften Baustelle Preußenstadion (10.642 Zuschauer) absolviert, da lag der Ball auch schon im Netz der Gäste. Handwerker hinderte Makridis nicht an der Flanke, im Zentrum stieg Bouchama unbehelligt hoch und überwand DSC-Keeper Jonas Kersken aus kurzer Distanz (2. Minute). Nicht nur Handwerker, auch die anderen DSC-Verteidiger Knoche, Bauer und Hagmann waren in dieser Situation ganz schlecht postiert (1:0, 2. Minute).


Schon früh bejubelt Preußen Münster das Führungstor durch Yassine Bouchama. Die Arminia-Abwehr sieht dabei schlecht aus. - © Teresa Kroeger/RHR-FOTO

Schon früh bejubelt Preußen Münster das Führungstor durch Yassine Bouchama. Die Arminia-Abwehr sieht dabei schlecht aus.
| © Teresa Kroeger/RHR-FOTO

Doch der DSC, der sich einen Augenblick lang sammeln musste, schlug zurück. Nach einer guten Hereingabe von Handwerker machte Momuluh das Bein ganz lang und drückte den Ball aus kurzer Distanz mit den Stollen über die Linie (1:1, 11.).

Und beinahe direkt das nächste Tor für die Arminen: Nach einer Ecke tippte Bauers Kopfball aber auf die Latte des Preußen-Gehäuses (14.).

Stimmen zum Spiel: Arminia im Derby-Glück: „Allen in Bielefeld tut das gut!“

Der nächste Kopfball war dann aber drin. Handwerker brachte einen Freistoß an den Elfmeterpunkt, wo der lange Uldrikis verlängerte. Und weil Münsters Schlussmann Johannes Schenk ausrutschte, landete der Ball zur 2:1-Führung für die Gäste in den Maschen (16.). Arminia hatte die Partie nach dem kapitalen Fehlstart innerhalb von nur 14 Minuten gedreht! Für Handwerker waren es bereits die Torvorbereitungen Nummer sieben und acht in dieser Saison.

Erst Latte, dann Pfosten: Riesenglück für Arminia

Riesenglück für den DSC dann in der 25. Minute: Nach einer Ecke für Münster traf zunächst Heuer per Kopf die Latte, im Nachsetzen scheiterte Rondic am Außenpfosten. Arminia durfte einmal ganz tief durchatmen.

Die höchst unterhaltsame Partie bot nur wenig später den nächsten Höhepunkt. Einen langen Einwurf des ehemaligen Preußen-Profis Joel Grodowski verlängerte Uldrikis mit dem Kopf, Arminia-Kapitän Mael Corboz leitete den Ball artistisch mit der Fußspitze und dem Rücken zum Tor ins Netz. Das 3:1 aus Sicht der Gäste war ein zirkusreifer Treffer des 31-Jährigen, der sich beim Jubellauf nach seinem dritten Saisontor von niemandem aufhalten ließ (34.).


Artistisch trifft Arminia-Kapitän Mael Corboz (l.) in dieser Szene zum 3:1 für die Gäste. - © Teresa Kroeger/RHR-FOTO

Artistisch trifft Arminia-Kapitän Mael Corboz (l.) in dieser Szene zum 3:1 für die Gäste.
| © Teresa Kroeger/RHR-FOTO

Zur Pause steuerte die auswärts zuvor viermal in Folge unterlegene Arminia, die das Hinspiel auf der Alm 1:2 verloren hatte, also klar auf ihren dritten Saisonsieg in der Fremde zu.

Dicke Preußen-Chancen zum Anschlusstreffer

In der 59. Minute wäre der Gastgeber dann aber um ein Haar zurück in die Partie gekommen. Nach Vorarbeit des eingewechselten Yamada verpassten Heuer und Rondic den Anschlusstreffer.

Münster blieb am Drücker. Erst rauschte der Flachschuss von Hendrix knapp am Pfosten vorbei (60.), drei Minuten später verfehlte auch der Volleyschuss des SCP-Kapitäns das Ziel (63.). Arminia ließ den Hausherren nun deutlich zu viele Freiheiten.

Aufregung dann um ein knallhartes Foul des SCP-Verteidigers Jannis Heuer. Für sein rüdes Einsteigen gegen Arminia-Profi Jannik Rochelt war er mit Gelb gut bedient.

Großer und Kersken verhelfen Münster zum 2:3

Münster gab sich noch nicht geschlagen. Erst prüfte Yamada Kersken mit einem Kopfball (74.), dann stand der Keeper beim Versuch von Mees richtig (76.).

Zehn Minuten später geriet Kersken erneut in den Blickpunkt. Eine hohe Hereingabe von Koulis verlängerte unfreiwillig der eingewechselte Armine Maximilian Großer mit dem Kopf, ehe schließlich Kersken den zentral auf ihn zufliegenden Ball im Fallen selbst ins Netz drückte. 2:3 (85.) – Münster, Großer und Kersken machten die Partie noch mal spannend. Doch Arminia brachte den knappen Vorsprung ins Ziel.