Standdatum: 25. April 2026.
Autorinnen und Autoren:
Heike Zeigler
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In manchen Bremer Stadtteilen gibt es zu wenig Arztpraxen für zu viele Patienten.(Symbolbild)
Bild: dpa
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In manchen Bremer Stadtteilen sind die Arztpraxen überlastet. Die Politik will deshalb in bestimmten Fällen mitreden dürfen, wo sich Ärzte niederlassen. Doch für diese Idee gibt es Gegenwind.
Eigentlich sind sich sowohl Bremens Gesundheitssenatorin, Claudia Bernhard (Die Linke), als auch die Kassenärztliche Vereinigung Bremen (KVHB), die Vertretung der Ärzteschaft, einig – dass dringend etwas getan werden muss. Doch was genau, darüber sind sie sich offenbar nicht einig.
Für die Senatorin ist dabei ein wichtiger Baustein: Medizinische Versorgungszentren (MVZ), die unter kommunaler Aufsicht stehen. Doch genau darum gibt es Streit. In der Regel werden Arztpraxen und auch MVZs von Ärzten oder privaten Investoren auf eigene Rechnung geführt. Sie entscheiden selbst, wo sie sich niederlassen.
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Warum ein kommunales MVZ?
Dort sollen, laut Bernhard, mehrere Ärzte und weitere Gesundheitsexperten wie beispielsweise Logopäden und Ernährungsberater zusammen praktizieren. Auch Übersetzungsdienste beispielsweise für Geflüchtete könnten sich dort ansiedeln, so die Senatorin.
Bernhard geht davon aus, dass Ärzte in ihren Sprechstunden vieles mitmachen müssen, was über die eigentlichen ärztlichen Aufgaben hinausgeht. Sie erhofft sich durch ein kommunales MVZ Entlastung – beispielsweise, weil aufklärende Gespräche über Gesundheitsvorsorge an anderer Stelle erledigt werden können.
Ende der Information zum Thema
In einem kommunalen MVZ könnte die Politik mitentscheiden, welche Ärzte und Gesundheitsberufe dort praktizieren und in welchem Stadtteil das MVZ seinen Standort haben soll. Doch genau das scheint nicht im Sinne der KVHB. Bernhard fühlt sich jedenfalls von ihr bei diesem Ziel nicht unterstützt.
Sie vermutet, dass es daran liegt, dass ein kommunales MVZ unter staatlicher Aufsicht geleitet würde: „Es gibt einen Grunddissenz mit der KV. Und der Grunddissenz bedeutet letztendlich: Die freie unternehmerische Arztpraxis soll aus ihrer Sicht erhalten bleiben.“
Ärzte wollen keine Einmischung durch den Staat
Bernhard will die Zulassung von Arztsitzen nicht mehr allein der Ärzteschaft und den Krankenkassen überlassen. Der akute Ärztemangel in einigen Stadtteilen in Bremen sowie in Bremerhaven zeigt aus ihrer Sicht, dass das bisherige System nicht ausreichend funktioniert.
Wir ringen darum, dass wir im Zulassungsausschuss dabei sein dürfen, letztendlich auch Sitz und Stimme bekommen. Da sind wir aber von Bundesgesetzgebung abhängig, um das hinzubekommen.
Claudia Bernhard, Gesundheitssenatorin (Die Linke)
Die KV in Bremen dagegen hält nicht viel von dieser Art der politischen Einmischung. Martina Kemme vom Vorstand der KVHB:
Da hat – in meiner Welt – die Landespolitik erstmal nichts drin verloren.
Martina Kemme, Mitglied im Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung in Bremen
Derzeit laufen sowohl auf Bundes- als auch auf Länderebene Gespräche darüber, ob und wie die Politik mehr Einfluss darauf bekommen kann, welcher Arzt sich wo niederlässt. Außerdem prüft eine Arbeitsgruppe der Bundesländer, ob die Planungsbezirke für die Zulassung von Arztsitzen kleinteiliger werden sollten.
In Bremen beispielsweise richten sich die bisherigen Vorgaben für die erlaubte Anzahl an Ärzten auf das gesamte Stadtgebiet von Bremen. Das bedeutet aber, dass der Mangel an Ärzten in einzelnen Stadtteilen nicht berücksichtigt wird. Auch nicht, wenn dort besonders viele Menschen oder auch Kinder leben.
Ärztemangel in bestimmten Stadtteilen
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Wer entscheidet, wo sich Ärzte niederlassen?
Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Recht der Ärzte auf Selbstverwaltung. Wahrgenommen wird das von den Kassenärztlichen Vereinigungen in den jeweiligen Bundesländern. Damit einher geht aber auch der gesetzliche Auftrag, die Versorgung aller Patienten sicherzustellen. Diesen Auftrag aber sehen Kritiker des Systems heute nicht erfüllt. Sie sprechen von einem trägen Apparat, der vor allem von den Interessen der Facharztgruppen geleitet sei. Diesen fehle aber oft der gesamtgesellschaftliche Blick, der nötig sei, um den Ärztemangel gezielt zu bekämpfen.
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Für Kemme würde dies aber dennoch nicht die Probleme in den einzelnen Stadtteilen beseitigen: „Man kann ja nicht staatlich geplant Ärzte einfach versetzen. Das heißt, ich muss auch da wieder jemanden finden, der sich da tatsächlich niederlassen möchte.“
Manche Stadtteile scheinen für Ärzte attraktiver als andere, räumt Kemme ein. Doch statt Ärzten vorzuschreiben, wo sie sich niederlassen, fordert sie staatlich finanzierte Lockmittel. Beispielsweise einen finanziellen Zuschuss für die Gründung einer Praxis. Oder auch die Zusicherung einer Wohnung und eines Kindergartenplatzes. Dass das allerdings auch nicht unbedingt funktioniert, zeigt das Beispiel Bremerhaven. Selbst eine Prämie von 150.000 Euro hat nicht wie erhofft zusätzliche Ärzte in die Seestadt gelockt.
Offensichtlich haben Gesundheitsressort und KV Bremen unterschiedliche Vorstellungen, wie der Ärztemangel behoben werden kann. Zumindest aber signalisiert Kemme Gesprächsbereitschaft, um zu klären: „Was können wir als KV machen? Und was kann Politik machen? Das funktioniert. Man muss bloß miteinander reden.“
Dies sei auch dringend nötig, meint eine Hausärztin in Gröpelingen, die anonym bleiben will. Sie muss immer wieder kranke Menschen abweisen, weil ihre Praxis überlastet ist. So geht es derzeit fast allen Hausarztpraxen in Gröpelingen. Die Ärztin fordert, dass Kassenärztliche Vereinigung und Politik endlich gemeinsam an Lösungen arbeiten. Bisher schieben sie sich nur gegenseitig die Schuld zu, das aber helfe keinem, sagt sie.
Quelle:
buten un binnen.
Dieses Thema im Programm:
Bremen Zwei, Der Morgen, 21. April 2026, 06:36 Uhr
