Die neue München-Klinik Harlaching, der derzeit größte Krankenhausneubau in Bayern, wird im Sommer fertig sein. Alle Abteilungen werden während des laufenden Betriebs am 9. und 10. Juni vom Bestandsbau der alten Klinik in die neuen Räume umziehen. Auch die Frauenklinik mit ihrer Geburtshilfe.
Das hochmoderne Perinatalzentrum mit dem Level 1 hat sechs Kreißsäle, einen OP für Kaiserschnitte und hell gestaltete Wehenzimmer – für Entbindungen und die Betreuung von Frühgeborenen unter 1000 Gramm sowie Risikogeburten. 800 werdende Eltern haben sich am Samstag schon vor dem eigentlichen Umzug der Klinik beim „Aktionstag Geburtsinfo“ die Räume angesehen.
Die Schlange im Foyer der neuen Klinik ist lang. Schon vor Beginn des Aktionstages um 11 Uhr. Werdende Eltern warten geduldig, bis sie in Zehnergruppen in den ersten Stock gehen können: Eltern, die noch ein wenig warten müssen, bis sie ihr Kind in den Armen halten können. Aber auch die, für die der Geburtstermin nicht mehr allzu weit weg ist.
Da ist etwa Katharina. Ihr zweites Kind soll am 11. Juni auf die Welt kommen. „Viel Zeit sei da gar nicht mehr hin“, sagt sie und lächelt. Ihre Tochter Lara ist drei und kam in der Frauenklinik der LMU zur Welt. Jetzt hofft sie sehr, dass die Geburt in Harlaching stattfinden kann. Näher an ihrer Wohnung und vor allem in den neuen Räumen, die ihr sehr gut gefallen. „So hell sind sie, so groß“, sagt die Mutter von bald zwei Mädchen. Vor allem sei ihr aber wichtig, dass alles „medizinisch Wichtige“ da sei. „Hier sind der Kreißsaal, der OP und die Räume der Neonatologie gleich nebeneinander. Das finde ich toll“.
Dass es in der neuen Frauenklinik einen vom OP-Zentrum der Klinik getrennten, eigenen Kaiserschnitt-OP-Saal gibt, ist für Christoph Scholz für die Betreuung von Mutter und Kind essenziell. Denn jetzt sei es noch besser möglich, die emotionale Bindung von Mutter und Kind durch anhaltenden Hautkontakt zu fördern. Bei einer normalen Geburt, aber gerade auch nach einem Kaiserschnitt, sagt der Chefarzt der Frauenklinik. „Weil wir einen eigenen OP haben, können wir diesen wärmer machen als sonst üblich und dadurch den Hautkontakt von Baby und Mutter länger ermöglichen“, erklärt er den werdenden Eltern. Dieses sogenannte „Bonding“ sei höchste Medizin und sichere etwa „Frühchen das Überleben“.
Neben dem Kaiserschnitt-OP-Saal liegt ein Raum für die neonatologische Erstversorgung des Kindes. Gleich daneben können die Kinder sofort intensivmedizinisch versorgt werden. „Ein medizinischer Traum“, sagt Marcus Krüger, Chefarzt der Neonatologie. Das Team arbeite auch mit einem „Birth Trolley“, einem kleinen Wagen, der mit allem ausgestattet ist, was für die Erstversorgung des Kindes nach einem Kaiserschnitt oder einer Risikogeburt benötigt wird.
Er wird ganz nah an die Mutter herangefahren. Das Baby wird auf dem Trolley versorgt. „Mutter und Kind bleiben aber über die Nabelschnur so lange miteinander verbunden, bis die Versorgung sichergestellt ist und die Nabelschnur durchtrennt werden kann“, erklärt Krüger. Schon seit 2022 werde der Trolley in Harlaching genutzt. Seitdem sei die Erstversorgung vor allem von Frühchen „stabiler“.
Lindgrün, ein sanftes Blau, ein stilisierter Wald als Wandmuster in den Wöchnerinnen-Zimmern. 68 Betten hat die Frauenklinik. Aus jedem kann ein Familienzimmer gemacht werden. 23 Betten gibt es in der Neonatologie. Davon sind acht Intensiv- und 15 Neugeborenen-Betten. Auch gibt es sechs Betten für die „Känguru-Versorgung“. Ein Name, der für die Versorgung von nicht so schweren Erkrankungen des Kindes gut passt. Denn „Mutter und Kind können im Zimmer zusammenbleiben“, sagt Krüger. Wieder also der Blick auf Bonding, die so wichtige, frühe Bindung von Mutter und Kind. Durch zärtliche Berührungen, durch intensiven Körperkontakt.
Mit viel Schwung und Freude erklärt die Leiterin der Wöchnerinnen-Station, Sonja Mladenovic (links), den werdenden Eltern wie Ramona Velten (Zweite von links) Velten und ihrem Mann Sebastian, wie Neugeborene gepflegt werden. Robert Haas
Wie Katharina hat auch Ramona Velten, 28, ihren Geburtstermin am 11. Juni. Ramona ist selbst in Harlaching zur Welt gekommen. In der alten Klinik. In den neuen Räumen könnte sie sich etwa eine Wassergeburt gut vorstellen. Dafür gibt es eine große Gebärwanne. Ob das klappt, weiß sie natürlich nicht. Aber hier sei ja „alles möglich“.
„Wollen wir gemeinsam wickeln?“ Die Frage kommt von Sonja Mladenovic. Die Leiterin der Wöchnerinnen-Station blickt im zukünftigen Versorgungszimmer der Babys in große Elternaugen, die vieles verraten: Sorge vor der Geburt, Unsicherheit, Freude und Glück.
Sie nimmt eine Baby-Übungspuppe, zieht den Strampler aus, dreht das Baby mit geübten Griffen. „Aber vorsichtig, und bloß nicht nach dem Trinken, sonst spuckt das Baby ja die kostbare, erste Muttermilch wieder aus“, sagt sie. Sie erklärt, dass die Neugeborenen noch viel Fruchtwasser ausspucken, informiert, was es mit dem Kindspech auf sich hat. Jene zähe und schwarze erste Windelfüllung, die „klebe wie Kleber“.
Kuscheleinheiten für Eltern und Kind
Gibt es hier Stillkurse? Was passiert, wenn die Geburt lange dauert? Wie funktioniert eine Wassergeburt? Die werdenden Eltern fragen und fragen. Hebamme Lydia Drozd ist seit 1990 in der München-Klinik und kennt die Sorge der Eltern gut. Geduldig beantwortet sie an diesem Samstagmittag alle Fragen. Heute werde besonders häufig nach dem Mitter-Kind-Kontakt gefragt, sagt sie. Aber diese Frage kann sie mit einem Lächeln beantworten. Denn genau das macht die Geburtshilfe in der neuen Frauenklinik aus, ist vielleicht ein Merkmal: Neben der höchsten medizinischen Versorgung wird viel Wert auf Kuscheleinheiten für Eltern und Kind gelegt.
Noch fehlen Bilder an den Wänden, viele Geräte, Milchglas für den Sichtschutz in OP und Kreißsälen. Aber am 9. Juni von 12 Uhr an ist alles bereit. Für die erste Geburt im neuen Haus. Vielleicht sogar für die Geburten der Babys von Katharina und Ramona.