Das Büro Eisele Architekten & Ingenieure aus Villingen-Schwenningen hat eine ganze Reihe prestigeträchtiger Projekte vor der Brust oder bereits umgesetzt. Am Bodensee beschäftigt sich das Team aktuell beispielsweise mit dem Bau von fünf luxuriösen Villen. Beim Neuen Kunstmuseum Tübingen hatten die kreativen Köpfe aus dem Schwarzwald ebenfalls den Hut auf. Doch auch im beschaulichen Höpfigheim hat Geschäftsführer Albert Eisele seine Spuren hinterlassen – und dort schon vor mehr als 25 Jahren sein Talent für architektonische Perlen aufblitzen lassen.
Der Architekt hat 1999 im Auftrag von Helga und Richard Becker am Ortsausgang in Richtung Mundelsheim zwei Häuser aus Holz konzipiert, die stilistisch im Steinheimer Stadtteil eine ganz eigene Duftmarke setzen. „Wir haben nur positive Rückmeldungen bekommen. Auch heute werden wir noch oft darauf angesprochen“, sagt Helga Becker. Sie und ihr Mann selbst seien sowieso von Anfang an begeistert von ihrem neuen Zuhause gewesen. „Es sah genauso aus, wie wir uns das gewünscht hatten“, erklärt die 67-Jährige. Dabei war die Zusammenarbeit mit Albert Eisele keineswegs von langer Hand geplant, sondern eher eine glückliche Fügung.
Über Umwege zum Wunschhaus
Helga und Richard Becker fühlen sich pudelwohl in ihrem Zuhause. Foto: Werner Kuhnle
Die gelernte Drechslerin Helga Becker hatte Ende der 1990er-Jahre den Wunsch, in eine neue Werkstatt umzuziehen, in der sich auch ein Aufenthaltsraum für ihre Kursteilnehmer unterbringen ließe. Dazu sollte sich ein Wohnhaus für sie, ihre zwei Kinder und ihren Mann gesellen. Das rund sieben Ar große großelterliche Grundstück in Höpfigheim lag brach, also kauften die Beckers der Familie das Gelände ab. Die Basis war damit gelegt.
Bei einer Urlaubsreise spazierte das Ehepaar dann an einem Holzhaus in der Nähe von Villingen-Schwenningen vorbei, das die beiden verzückte. Die Beckers fragten die Bewohner, wer denn dieses Schmuckstück erdacht hatte und wurden an Eisele verwiesen, damals ein unbeschriebenes Blatt in der Branche. Man habe sich mit dem Architekten getroffen, die Chemie habe gestimmt, sagt Helga Becker. „Und weil wir sehr genaue Vorstellungen hatten, was wir wollten, und er das umsetzen konnte, haben wir ihn beauftragt“, ergänzt Becker, die vor allem im Bottwartal auch unter ihrem Alias Frau Nägele bekannt ist und auf Kleinkunstbühnen für Unterhaltung sorgt.
„Das Haus hat eine moderne Anmutung, ohne dass es kühl wirkt.“
Helga Becker, über die stilistischen Vorzüge
Gesetzt war für die Beckers Holz als Grundmaterial. „Das ist gut fürs Raumklima und schnell aufgestellt“, erklärt Helga Becker. Überraschend war für sie und ihren Mann allerdings, wie Eisele die Raumfrage löste. Der Architekt rollte ein Konzept aus, dass zwei Gebäude auf dem schlauchförmigen Grundstück vorsah. Vorne, zur Durchgangsstraße hin, die Werkstatt mit den gewünschten Kursräumen. Nach hinten versetzt schließlich das Wohnhaus.
Die Idee des Architekten war es auch, auf dem Weg zum hinteren Gebäude eine Betonmauer mit einem Bogen als Durchlass zu errichten. Etwas, das man im Großraum Stuttgart selten sieht. Die Wand schluckt zum einen den Schall. Zum anderen sollte der gewerbliche Bereich vorne vom Wohnhaus optisch abgesetzt und getrennt werden, erklärt Richard Becker.
Ein Steg, der quasi durchs Haus führt
Eine solche offene Küche würden sich bestimmt viele wünschen, die gerne am Herd stehen. Foto: Werner Kuhnle
Ein ungewöhnliches Element ist zudem der Holzsteg, den man am Durchlass betritt. Er führt zum Haus der Beckers – aber gewissermaßen auch hindurch und weiter zur Terrasse. Er verläuft nämlich durch den zwei Stockwerke hohen komplett umglasten Eingangsbereich, den man durch die Haupttür betreten und durch eine zweite, zur Terrasse hin gelegene Tür, wieder verlassen kann.
Charakteristisch sind zudem die raumhohen Fenster zum Garten hin und das Pultdach. Bedeutet: das Dach besteht nur aus einer Fläche, die zudem geneigt ist. „Darum haben wir kämpfen müssen“, sagt Helga Becker. „Das Bauamt wollte anfangs unbedingt ein Satteldach haben“, erklärt ihr Mann.
Ein wichtiges Stilmerkmal sind ferner die fünf Holzstreben, die von der Terrasse bis zum überhängenden Dach reichen. So wirkt es, als wäre ein Segel aufgespannt worden. Die im Schatten liegenden Teile sind allerdings seit dem Einzug im Jahr 2000 etwas weniger schnell vergraut als die restliche Fassade. „Das hatten wir nicht bedacht“, räumt Helga Becker ein, die dennoch auf Holz als Baumaterial schwört. „Man muss an der Außenhülle nichts mehr machen. Außerdem hat das Haus eine moderne Anmutung, ohne dass es kühl wirkt“, sagt sie.
Darüber hinaus ließen sich die beiden Gebäude in Holzständerbauweise in jeweils nur drei Tagen errichten. Und das auch noch zu einem Preis, der sich vollkommen im Kostenbudget der Familie bewegte – und mit einer Innenarchitektur, die ein Traum ist mit der offenen Küche und dem großen Wohnzimmer im Erdgeschoss, die doch raffiniert durch die nach oben führende Treppe in der Mitte und eine schmale Holzwand leicht voneinander abgegrenzt sind.
Inzwischen ist auch das Schwestern-Gebäude zur Straße hin bewohnt. Die Beckers haben die frühere Werkstatt vor einiger Zeit verkauft, die neuen Eigentümer die Immobilie umgebaut. Nichts geändert hat sich daran, dass es für Architekturfans von Höpfigheim an der Ortseinfahrt zwei echte Hingucker aus Holz zu bestaunen gibt.