Die diesjährige Jahreskampagne des deutschen Caritasjahresverbandes lautet: „Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen“. Ich bin genervt, wenn ich beim Austausch mit Menschen meiner Generation höre, die jüngere Generation sei bequem, uninteressiert und nicht belastbar. Hatte ich diese Worte nicht schon von meinem Vater zu meiner Generation vernommen? Anderseits ärgert es mich, wenn jüngere Menschen, eher negativ von der Boomer-Generation reden, dass diese nicht mehr zeitgemäß ist und nicht mitreden kann.
Die Auseinandersetzung der Generationen gibt es in fast allen Kulturen. Die Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge von 2025 zeigt, dass die vielfach beschworenen Konflikte zwischen Jung und Alt nicht so groß sind, wie es oft in Medien und Politik vermittelt wird. Im Alltag überwiegen Nähe, Kooperation und gegenseitige Unterstützung. Dies merke ich im Zusammenleben mit meiner Familie und den Familien in meinem Umfeld. Natürlich gibt es die Unterschiede: Ältere halten stärker an Sicherheit und Stabilität fest, während Jüngere Selbstbestimmung und Vielfalt priorisieren. Doch diese Unterschiede müssen nicht zu einem Gegeneinander führen. Oft entstehen Missverständnisse, geprägt von den unterschiedlichen Lebenserfahrungen und -umständen, die laut Institut mit Dialog und gegenseitigem Verständnis überwunden werden können.
Sozialraum gemeinsam gestalten
Doch wie und wo, kann es zu einem solchen Austausch kommen? Die Jahreskampagne der Caritas ermutigt, Orte zu schaffen, in denen Jung und Alt nicht als Konkurrenten auftreten, sondern mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Ressourcen ihren Sozialraum gemeinsam gestalten. Zukunft entsteht dort, wo Generationen Verantwortung füreinander übernehmen. Wenn Erfahrungen der Älteren und Perspektiven der Jüngeren zusammenkommen, wachsen Verständnis, Solidarität und faire Chancen für alle.
Ein Beispiel dafür ist das Winterhilfemittagessen, der Pfarrei Hll. Petrus und Paulus und dem Caritas-Zentrum. Dort versorgen mehr als 35 Ehrenamtliche aus verschiedenen Generationen sowie unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründen die immer mehr zunehmende Anzahl hilfebedürftiger Gäste – eine ebenfalls sehr inhomogene Gruppe. Trotz der Unterschiede in Alter und Lebenswelten gibt es ein gutes Miteinander, da alle das gleiche Ziel haben: den Besuchern ein Stück Würde und Respekt wiederzugeben.
Unterschiede der Generationen sind ein Gewinn
Dies erfolgt außer beim Essen in vielen Gesprächen, in dem die Lebenswelt des anderen ein bisschen sichtbarer und verständlicher wird. Man begegnet sich mit Respekt und ehrlichem Interesse, die eine Atmosphäre der Gemeinschaft wachsen lässt. Manchmal sind es auch praktische Dinge, die im gegenseitigen Miteinander geschehen, wie die Unterweisung bei der Handhabung des Smartphones und das Angebot, den Umgang mit einer Nähmaschine bei zu bringen. In diesen Situationen sind die Unterschiede der Generationen ein Gewinn und machen mir Mut für die Zukunft.
Die Autorin
Claudia Möller-Mahnke vom Caritas-Zentrum Ludwigshafen.
Claudia Möller-MahnkeFoto: Möller-Mahnke/oho