Jahre später erschien dann sein Hauptwerk: „Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft“. Darin kritisiere er die unreflektierte Technikbegeisterung von Wissenschaft und Gesellschaft. Seine Kritik habe sogar zu heftigen Auseinandersetzungen mit Kollegen geführt, so das Weizenbaum-Institut [weizenbaum-institut.de]. Der Informatiker und berühmte KI-Forscher John McCarthy habe auf Weizenbaum zum Beispiel so reagiert: „Das unvernünftige Buch ist genauso wirr und schlecht wie Eliza, es ist an der Zeit, festzuhalten, dass der Computer eine unschuldige Maschine ist.“
Ob schuldig oder unschuldig: 60 Jahre später ist der Einzug von KI in den Alltag der Menschen vollbracht. Chefs von Technologiekonzernen besitzen Einfluss, Kurse von Tech-Aktien steigen, die Arbeitswelt wird umgekrempelt. Mit dem Fortschritt wächst aber auch die Skepsis, der „Eliza-Effekt“, die mahnenden Worte Weizenbaums – sie hallen nach.
Joseph Weizenbaum ging 1988 als MIT-Professor in den Ruhestand, 1996 verlegte er dem Institut zufolge seinen Lebensmittelpunkt nach Berlin, wo er im Nikolaiviertel wohnte. Weizenbaum starb 2008 im Alter von 85 Jahren in Gröben, einem Ortsteil der Stadt Ludwigsfelde (Teltow-Fläming). Beigesetzt wurde er auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee.
Ein Beitrag von Hasan Gökkaya