Vorletztes Gastspiel für den 1. FC Saarbrücken in der 3. Fußball-Liga, 800 bis 1000 Fans reisen mit – aber eigentlich sprechen die Voraussetzungen kaum dafür, dass der FCS an diesem Sonntag bei Rot-Weiss Essen (16.30 Uhr) seine Misere in der Fremde endlich beendet. Es ist das Duell des drittbesten Heim- mit dem drittschlechtesten Auswärtsteam. Nur eine einzige Partie konnte Saarbrücken auswärts bisher gewinnen – und das vor einer gefühlten Ewigkeit. Am fünften Spieltag, damals noch unter Trainer Alois Schwartz, glückte ein 3:1-Sieg beim VfB Stuttgart II, seither gab es in 14 Partien nur sechs Punkte, zuletzt eine 0:2-Blamage beim designierten Absteiger TSV Havelse.

Favoritenrolle klar geregelt

„Die Favoritenrolle liegt klar beim Gegner – berechtigt, wenn wir unsere Auswärtsauftritte sehen“, sagt FCS-Trainer Argirios Giannikis, der bei RWE im Oktober 2017 seinen ersten Cheftrainerposten antrat, nachdem er im Profibereich zuvor nur als Co-Trainer tätig gewesen war. Und dennoch glaubt er, dass sein mit sechs Punkte Vorsprung auf den SSV Ulm auf dem ersten Abstiegsplatz in die letzten vier Spiele gehendes Team nicht chancenlos ist. Er habe dort als Gästetrainer „gute Auftritte gehabt, erinnere mich gern zurück an den vorletzten Spieltag mit 60 München, wo wir da den Ligaverbleib geschafft haben“, nennt Giannikis ein besonders positives Erlebnis an der Hafenstraße, wo der Druck nach Essens 3:5-Schlappe nach 3:1-Führung bei Energie Cottbus auch beim Ligazweiten liegt. „Essen war fast schon auf dem Weg zum Aufstieg, jetzt haben sie was verloren“, meint Giannikis. So einen Vorsprung in kürzester Zeit – vier Gegentore in 20 Minuten – zu verspielen, „das macht was mit einem, dass man doch ins Nachdenken gerät“, hofft Giannikis auf Nervenflattern beim Gegner von Ex-FCS-Trainer Uwe Koschinat.

Klar ist mit Blick aufs eigene Team dabei: „Wir werden maximal mutig auftreten müssen.“ Sonst geht es dem FCS wohl wie den meisten Auswärtsteams in dieser Saison. Zuletzt holte RWE fünf Heimsiege in Serie. Die letzte von nur zwei Heimniederlagen setzte es im November gegen Cottbus (2:3). Nach ihrem Dämpfer in der Lausitz werden die Essener sicher mit dem Messer zwischen den Zähnen um eine Antwort bemüht sein. Auf FCS-Verteidiger Lasse Wilhelm und Co. kommt beim zweitbesten Angriff der Liga (72 Tore) daher sicher einiges zu.

Positive Entwicklung beim Punkteschnitt

„Mich stimmt positiv, dass wir einfach eine sehr gute Mannschaft sind. Wir haben in den letzten Wochen Riesenschritte gemacht in unserer Entwicklung und in unserem Spiel“, glaubt der 23-jährige Wilhelm dennoch an eine Überraschung. Es gehe vor allem um eines: „Es ist unsere Aufgabe, das endlich auswärts auf den Platz zu kriegen.“ Essen könnte dafür genau der richtige Ort sein: „Es ist auf jeden Fall was Besonderes und macht einfach Spaß, dort zu spielen. Es wird ein cooles Spiel, die Aufstiegssituation sehe ich für uns als positiven Punkt, den wir nutzen wollen“, erklärt Wilhelm – und auch sein Trainer ist optimistisch. Man habe mittlerweile „eine ganz andere Chancenqualität“, sagt Giannikis, auch wenn der Abschluss zuletzt gewaltig klemmte. Daran habe man noch mal explizit gearbeitet.

Generell habe man es in den elf Spielen unter ihm „unter maximalem Druck geschafft, den Punkteschnitt von 0,5 auf 1,3 pro Spiel auszubauen. Keiner außerhalb der Kabine malt sich wahrscheinlich Chancen aus, dass wir was holen – wir in der Kabine rechnen uns aber schon Chancen aus“, betont Giannikis. Vielleicht ein gutes Omen: Vor exakt einem Jahr, wie jetzt ebenfalls am 26. April, gewann der FCS in Essen unerwartet klar mit 3:0 und meldete sich zurück im Rennen um Rang drei, der es am Ende auch wurde.

Patrick Sontheimer, Calogero Rizzuto und Maurice Multhaup erzielten damals die Tore. Sie werden wieder dabei sein, wohingegen Richard Neudecker (Knie-OP nächste Woche), der am Donnerstag am Sprunggelenk operierte Till Schumacher und Kaan Caliskaner (Knieprobleme) ausfallen. Für Abdoulaye Kamara komme ein Einsatz trotz Rückkehr ins Training nach sechs Wochen Pause zu früh.