
Blick auf die Alma Mater: Das Werk „Kunstakademie“ zeigt Johns Auseinandersetzung mit der HfBK Dresden, dem Ort seiner Ausbildung und seiner aktuellen Retrospektive. Foto: Holger John
Das alles klingt nach einer ordentlichen Karriere. Was Johns Weg von vielen anderen unterscheidet, ist sein Verständnis von Kunst als Veranstaltung — als öffentlichem Ereignis, das Reibung erzeugt und Räume verwandelt. Hochschulfeste, sein „Imaginäres Museum“, das Festival „Karierte Katze“, der Frühlingssalon: John hat diese Formate nicht nur organisiert, er hat sie erfunden und geprägt. Der Theaterintendant Tobias Wellemeyer bringt es so auf den Punkt: Johns Inszenierungen und Kunstevents blieben trotz ihrer erheblichen öffentlichen Resonanz kein Massenprodukt, ihre „heitere Ambivalenz“ mache sie zu einem sehr speziellen Kunstvergnügen.
Die Retrospektive im Oktogon versammelt Malerei und Zeichnung aus 66 Jahren — ein Zeitraum, der von der DDR bis in die Gegenwart reicht. John zeigt eigene Bildserien, figürlich und abstrakt, turbulente Kinderzeichnungen, Keramiken, die er gemeinsam mit Hedwig Bollhagen schuf, und Fotografien aus den frühen 1950er Jahren. Darunter auch historisch reizvolles Material: Fasching an der HfBK mit Lissy John und Manfred Böttcher, ein Fechtduell von Claus Weidensdorfer mit Gerhard Richter im Innenhof der Akademie. Außerdem Arbeiten von Lehrern, Kommilitonen und Schülern, die Johns künstlerisches Umfeld sichtbar machen.