
AUDIO: „Hard Times“ am Thalia Theater: Sehr fantasievoll und keativ (4 Min)
Stand: 26.04.2026 21:05 Uhr
Der Roman „Hard Times“ von Charles Dickens erschien 1854 und beschäftigt sich mit der Industrialisierung und deren Folgen. Am Hamburger Thalia Theater hat Antú Romero Nunes den Stoff jetzt auf die Bühne gebracht.
Rauchende Schlote, rund um die Uhr, die Kohleindustrie hat Coketown fest im Griff. Sie gibt den Takt vor. Und auch auf der Bühne wird an Rauch nicht gespart. In der Schule lernen die Kinder, das einzige, was zähle, seien „Tatsachen, Tatsachen, Tatsachen“, wie es im Stück heißt. Klar, dass der Lehrer von dem Zirkus, der in der Stadt gastiert, nichts hält. Spiel und Geschichten, gar ein Clown? Überflüssig.
Trotzdem nimmt er die Tochter des Clowns bei sich auf, weil der Vater verschwunden ist. Er will die Chance ergreifen und sie „richtig“ erziehen. Die eigene Tochter verheiratet der Lehrer mit dem reichen Mr. Bounderby, damit sein spielsüchtiger Sohn Tom in dessen Betrieb eine Stelle bekommt. Liebe ist dabei Fehlanzeige.
Ganz unten, am anderen Ende der sozialen Leiter, steht der Arbeiter Stephen Blackpool. Er hat kein Geld und eine alkoholsüchtige Frau. Er bittet Bounderby um Hilfe. Zum Lohn wird er entlassen und auch noch für kriminelle Zwecke missbraucht. „Eigentlich ist es immer noch so“, stellt eine Besucherin nach der Premiere fest. „Es hat sich nicht viel verändert.“ Und eine andere meint über das Stück: „Ich mochte sehr, dass diese alte Thematik mit Pop und modernen Elementen verbunden wurde.“
Antú Romero Nunes‘ Inszenierung macht Spaß
Wie Antú Romero Nunes diese Geschichte auf die Bühne bringt, ist über weite Strecken pure Magie. Die vierköpfige, fantastische Band spielt nicht nur, sie kommentiert, liefert an vielen Stellen die Tonspur – wie beim Stummfilm.
Das Ensemble lässt mit der Stimme imaginäre Türen quietschen, es verkörpert bei Bedarf auch mal Möbel oder die züngelnden Flammen eines Feuers, Glocken klingen. Das kommt beim Publikum an: „Die Vielseitigkeit von den Schauspielern war fantastisch“, meint ein Zuschauer im Anschluss. „Mehrere Welten gleichzeitig zu spielen, das war für uns was Neues, das haben wir so noch nicht erlebt.“
Nunes überzeichnet die Charaktere ins Karikaturhafte
Fast alle spielen außerdem mehrere Rollen, wobei das Spiel immer als Spiel kenntlich bleibt. Es ist ein Fest und ein Spaß, dabei zuzuschauen. Denn Nunes überzeichnet die Charaktere ins Karikaturhafte: Hier werden mit Wonne alle Spielregister gezogen.
Und auch wenn es um die Industrialisierung und die damit verbundene Entmenschlichung geht, steht vor allem die Frage im Zentrum, was Fantasie und Spiel dem entgegensetzen können.
Cino Djavid führt als lispelnder Zirkusdirektor virtuos durch beide Welten. „Es war einfach sehr kreativ und sehr fantasievoll und hat einen sehr dazu angespornt, wieder mehr Zugang zu dem eigenen kindlichen Selbst und zur Emotion zu finden.“ Nach der Pause verliert der knapp dreistündige Abend an Kraft, aber der Spaß, mit dem das fast durchweg toll spielende Ensemble hier bei der Arbeit ist, steckt an. Und im Theater können nur wenige solche Bilder zaubern wie Nunes.

Das Hamburger Thalia Theater hat aktuell vor allem beim jungen, weiblichen Publikum wachsenden Zulauf. Wie macht es das?

Lilja Rupprecht gelingt am Thalia Theater eine heutige Sicht auf den Stoff, auch wenn einiges arg plakativ daherkommt.

Am Thalia Theater Hamburg fliegen Fische und aus Regenschirmen werden Quallen. Das Stück handelt vom Spiel mit Identitäten und vom Fremdsein.

Rathaus und Elbphilharmonie, Reeperbahn und Jungfernstieg, Elbe und Alster: Hamburg bietet viele Ziele für Entdeckungstouren.

„Hard Times“ am Thalia Theater: Über weite Strecken pure Magie
Dickens‘ Roman beschäftigt sich mit der Industrialisierung. Wie Antú Romero Nunes die Geschichte inszeniert, ist kreativ.
- Datum:
- 28.04.2026, 19:30 Uhr
- 29.04.2026, 19:30 Uhr
- 02.05.2026, 19:30 Uhr
- 14.05.2026, 19:00 Uhr
- 16.05.2026, 15:00 Uhr
- Ort:
-
Thalia Theater
Alstertor
20095
Hamburg