Videobeweis nach dem Ertönen der Schlusssirene, der THW Kiel und die Schiedsrichter Marvin Cesnik/Jonas Konrad (Gummersbach) – da war doch was? Richtig, am 20. Dezember 2025 entschieden die beiden Unparteiischen wegen eines angeblichen Fouls von Eric Johansson auf Siebenmeter gegen den THW, der sehr umstritten war und den die TSV Hannover-Burgdorf zum 29:29-Endstand verwandelte. 18 Wochen später scheuten sich dieselben Referees, den „Zebras“ einen Siebenmeter nach Spielende zuzusprechen.

Lukas Laube geht beim letzten Wurf zu Boden

Was war geschehen? Zunächst hatten die Schleswig-Holsteiner im Spiel der Handball-Bundesliga gegen den SC DHfK Leipzig den 28:28-Ausgleich hinnehmen müssen, als der beste Gästeschütze Staffan Peter von halb rechts den Kieler Keeper Gonzalo Perez de Vargas überwand. Vier Sekunden waren noch auf der Uhr, und THW-Trainer Filip Jicha nahm sofort eine Auszeit. Als die Partie fortgesetzt wurde, stürmten alle Kieler Akteure von der Mittellinie aus nach vorne; Nikola Bilyk fand mit einem langen, hohen Pass Laube, der vom Kreis aus über die Latte warf und zu Boden ging.

Während der (vermeintlich) Gefoulte Lukas Laube (links) während der Sichtung der Videosequenzen durch die Schiedsrichter in die eigene Spielfeldhälfte geht, bereitet sich Namensvetter Lukas Zerbe an der Mittellinie mit dem Ball auf einen möglichen Siebenmeter vor.
Foto: Johannes Speckner

Während der (vermeintlich) Gefoulte Lukas Laube (links) während der Sichtung der Videosequenzen durch die Schiedsrichter in die eigene Spielfeldhälfte geht, bereitet sich Namensvetter Lukas Zerbe an der Mittellinie mit dem Ball auf einen möglichen Siebenmeter vor.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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An beiden Umständen seinen Anteil hatte der Leipziger Matej Klima, der Laube zumindest berührt hatte. Ob seine Aktion regelwidrig war, überprüften die Schiedsrichter anhand der Videosequenzen, nachdem die Gästeakteure bereits direkt nach dem Ertönen der Schlusssirene eine Jubeltraube gebildet hatten. Während die Unparteiischen auf den Monitor blickten, schnappte sich Lukas Zerbe an der Mittellinie den Ball. „Es ist ja immer unklar, was bei solchen Überprüfungen herauskommt – deshalb habe ich mich mental darauf vorbereitet, dass ich eventuell zum Siebenmeter antreten darf“, erklärte der THW-Rechtsaußen.

Nikola Bilyk setzt den Freiwurf neben das Tor

Doch Zerbes „vorsorgliche Fokussierung“ war umsonst: Der 30-Jährige, der zuvor zwei Strafwürfe sicher verwandelt hatte, trat kein drittes Mal seinem ehemaligen Mitspieler Tomas Mrkva, der als SC-Keeper bärenstark hielt, gegenüber. Die Schiedsrichter entschieden, quasi als salomonische Lösung, auf Freiwurf. Zu diesem trat Bilyk an, und der mit sechs Treffern beste THW-Schütze bekam den Ball zwar zwischen zwei in der Abwehrmauer stehenden Leipzigern hindurch, allerdings flog das Spielgerät rechts am Tor vorbei.

In Kiel mittlerweile ein gewohntes Bild: Die Schiedsrichter Jonas Konrad (links) und Marvin Cesnik sichten die Videosequenzen.
Foto: Johannes Speckner

In Kiel mittlerweile ein gewohntes Bild: Die Schiedsrichter Jonas Konrad (links) und Marvin Cesnik sichten die Videosequenzen.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Wie schon im Spiel, wo Johanssons Treffsicherheit aus dem Rückraum wertvoll gewesen wäre, so wurde der Schwede auch in dieser Szene schmerzlich vermisst. Denn Johansson hatte am 10. Dezember 2025 beim 33:32-Sieg gegen den TVB Stuttgart nach dem Ertönen der Pausensirene einen Freiwurf direkt verwandelt – aus einer nahezu identischen Position. Aber wegen einer leichten Knieverletzung verfolgte der 25-Jährige das Duell mit dem Tabellenletzten Leipzig nur als Zuschauer.

„Es gab einen Kontakt. Ich habe gespürt, dass mein Gegner mich von hinten berührt.“

Lukas Laube

Kreisläufer THW Kiel

Vielerorts herrschte Verwunderung über die Freiwurf-Entscheidung. „Ich dachte, es gibt gar nichts. Aber wenn die Schiedsrichter das ahnden, dann muss es in meinen Augen einen Siebenmeter geben, weil Lukas (Laube, Anm. d. Red.) vor dem Leipziger stand“, erklärte THW-Rückraumspieler Rasmus Ankermann. Was sagte der vermeintlich Gefoulte selbst? „Es gab einen Kontakt. Ich habe gespürt, dass mein Gegner mich von hinten berührt – ich hätte die Situation von meiner Seite aus aber vielleicht auch besser lösen und platzierter werfen können“, lautete Laubes ehrliche Einschätzung.

Zum Schreien! Rasmus Ankermann (THW Kiel, Mitte) im Würgegriff von Moritz Preuss (SC DHfK Leipzig, rechts); links verfolgt Marko Mamic die Aktion.
Foto: Johannes Speckner

Zum Schreien! Rasmus Ankermann (THW Kiel, Mitte) im Würgegriff von Moritz Preuss (SC DHfK Leipzig, rechts); links verfolgt Marko Mamic die Aktion.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Einig waren sich Ankermann und Laube darin, dass der verpasste Sieg „nicht an dieser einen Szene festzumachen ist“. Denn, so Laube: „Wir hatten vorher große Probleme und müssen uns an die eigene Nase fassen.“ Ankermann ergänzte: „Wir hätten die Partie längst entscheiden und uns eine klarere Führung erspielen müssen, um gar nicht mehr in die Situation zu kommen, von so einer Entscheidung abhängig zu sein.“ Zerbe wollte die finale Szene „lieber nicht kommentieren“, denn er habe „nach dem letzten Heimspiel gegen Eisenach schon genug über den Videobeweis und die Schiedsrichter gesagt“.

Erinnerungen an aberkanntes Tor gegen Eisenach

Zur Erinnerung: Auch am 4. April gegen den ThSV Eisenach (30:30) hatte es in der 58. Minute einen Videobeweis gegeben. Die Referees Steven Heine (Wendeburg)/Sascha Standke (Ronnenberg-Benthe) hatten eigentlich eine mögliche Rote Karte für einen Eisenacher überprüft, dabei aber den Schrittfehler eines Kielers gesehen und dem THW nachträglich ein Tor aberkannt. Fazit: Die „Zebras“ und der Videobeweis, daraus wird zumindest in dieser Saison keine Liebesbeziehung mehr.

Konnte den direkten Freiwurf nicht verwandeln: Nikola Bilyk (links), der gegen Marko Mamic und den SC DHfK Leipzig mit sechs Treffern der beste Schütze des THW Kiel war.
Foto: Johannes Speckner

Konnte den direkten Freiwurf nicht verwandeln: Nikola Bilyk (links), der gegen Marko Mamic und den SC DHfK Leipzig mit sechs Treffern der beste Schütze des THW Kiel war.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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