Die 54. Auflage des Hermannslaufs begeisterte wieder Zehntausende Zuschauer an der Strecke von Detmold nach Bielefeld.
Detmold/Bielefeld (dilo) – Umringt von Fotografen und Journalisten strahlten Florian Bochert und Franzi Bossow mit dem Lorbeerkranz über ihren Schultern mit der Mittagssonne um die Wette. Der 25-Jährige von der Bielefelder Turngemeinde und die 38-Jährige vom veranstaltenden TSVE 1890 Bielefeld haben den 54. Hermannlauf gewonnen.
Männer-Rennen Bochert siegte am Sonntag wie im Vorjahr nach 31,1 Kilometern vom Hermannsdenkmal in Detmold bis zur Bielefelder Sparrenburg – diesmal in fabelhaften 1:43:38 Stunden vor dem 21 Jahre älteren 16-maligen Hermann-Triumphator Elias Sansar, der nach einem packenden Endspurt auf der Promenade mit nur zehn Sekunden Rückstand unter dem frenetischen Applaus Tausender Zuschauer über die Ziellinie sprintete. Hervorragender Dritter wurde bei seinem Hermann-Debüt der 25-jährige Julian Borgelt in 1:46:06 Stunden. Bis zu den Lämershagener Treppen (etwa Kilometer 22) hatte der Student der Agrarwirtschaft aus Herzebrock noch geführt, musste dann aber seinem höllischen Tempo Tribut zollen.
Vierter wurde Erik Peters vom LC Paderborn in 1:47:39 Stunden. Insgesamt blieben 21 Männer unter der magischen Zwei-Stunden-Marke, unter ihnen auch Pascal Aschmann (DJK Gütersloh/1:58:56) und Stefan Gerdhenrichs (TriSpeed Marienfeld/1:59:37).
Bocherts grandiose Siegerzeit war die schnellste seit 15 Jahren und die viertschnellste in der langen Geschichte des OWL-Langstreckenlauf-Klassikers. „Die Zuschauer haben mir immer wieder zugerufen: Den Elias holst du noch! Das hat mich ungemein gepusht“, schilderte der Doktorand der Politikwissenschaft das Kopf-an-Kopf-Rennen beim Endspurt mit Sansar. Unglaublich, aber wahr: Das ewig junge Ausdauer-Phänomen aus Detmold lief am Sonntag mit 46-Jahren persönliche Hermannslauf-Bestzeit, war sage und schreibe etwa drei Minuten schneller als im Vorjahr, dennoch reichte es wieder „nur“ zu Rang 2. „Mit der Zeit bin ich super zufrieden. Dass es nicht zum Sieg gereicht hat, ist ärgerlich. Auf der Zielgeraden konnte ich nicht mehr mithalten“, bilanzierte Sansar.
19 Sekunden Vorsprung hatte Franziska Bossow (2:06:31 Stunden) vor der zweitplatzierten Reikja Krause (Lauflanden Endspurt/Löhne), die im Vorfeld von Kennern der Laufszene nicht so hoch eingeschätzt worden war. „Ich hatte Reikja nicht auf Schirm! Sie war eine erbitterte Gegnerin. Entscheidend war, dass ich ihre schwächeren Phasen für mich genutzt habe“, berichtete Bossow nach ihrem dritten Hermannslauf-Sieg nach 2009 und 2024. Rang 3 ging an Isabel Dickob (SV Brackwede) in 2:07:08 Stunden.
Grandioses „Hermann“-Debüt: Julian Borgelt aus Herzebrock wurde Dritter.
Als Julian Borgelt am Sonntagnachmittag wieder in der Herzebrocker Heimat ankam, wollte nur noch eins: auf as Sofa und die schmerzenden Beine hochlegen. Das „Hermann“-Debüt hatte ihn wie allen anderen Teilnehmer trotz exzellenter Vorbereitung an die körperlichen Grenzen gebracht. „Ich habe alles in die Waagschale geworfen und bin mit Platz 3 und meine Zeit sehr zufrieden. Es hat total viel Spaß gemacht, vor allem wegen der tollen Zuschauer. Das war der Wahnsinn. Zwischendurch ging es mir manchmal richtig dreckig. Aber da war ich bestimmt nicht der einzige“, bilanzierte der 25-Jährige im Gespräch mit der „Glocke“.
Bis zu den Lämershagener Treppen etwa bei Kilometer 22 hatte Borgelt ein höllisches Tempo vorgelegt und die verdutzten Hauptkonkurrenten um den Sieg, Florian Bochert und Elias Sansar in Schach gehalten. Doch dann, oben auf den Treppen angekommen, zogen zunächst Sansar und dann auch der spätere Sieger Bochert vorbei. „Ich hatte nie damit gerechnet, dass jemand so ein verrücktes Tempo vorlegt. Als Julian zeitweise schon 200 bis 300 Meter Vorsprung hatte, habe ich nicht damit gerechnet, dass ich das noch aufhole. Dass auch Elias Bestzeit gerannt ist, zeigt schon, was dieser Erfolg wert ist“, resümierte der überglückliche Bochert. Ob Julian Borgelt 2027 wieder startet, weiß er noch nicht: „Erst mal erhole ich mich, dann treffe ich in aller Ruhe eine Entscheidung.“
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