Der Familienlauf ist seit vielen Jahren im Anfangsprogramm des Korschenbroicher Citylaufs ein stimmungsvoller Höhepunkt des Sportspektakels mit Volksfestcharakter, das war bei der 36. Auflage bei schönstem Frühlingswetter nicht anders. Unglaubliche 1675 große und vor allem kleine Menschen machten sich alleine bei diesem Lauf auf den Weg durch die Korschenbroicher Innenstadt und sorgten auch am Streckenrand für Begeisterung. Eine Atmosphäre, die offenbar bei so manchem Nachwuchsläufer die Gäule durchgehen ließ, denn obwohl es bei dem Familienevent keine Zeitmessung und keine Platzierungen gibt, legte zum Beispiel Veli Gallois (Jahrgang 2020) los wie die Feuerwehr und konnte von seinem Vater Angelo gerade noch so eingefangen werden. Eine solche Bremse hätte ein paar Stunden später im Elite-Lauf der Frauen auch Tanja Spill gebrauchen können. Die 800-Meter-Spezialistin vom TSV Bayer Dormagen ging das Rennen über 5000 Meter viel zu schnell an und kam völlig entkräftet im Ziel an.
Zwei Beispiele, die die große Bandbreite verdeutlichen, die den Reiz des Citylaufs seit jeher ausmacht. Dass diese Mischung nach wie vor eine große Anziehungskraft hat, lässt sich an den Zahlen ablesen. Denn der Höhepunkt im Korschenbroicher Sportkalender ist auf dem besten Weg zu Vor-Corona-Zeiten. Lagen die Voranmeldungen von 2013 bis 2019 konstant über 4000 und die Anzahl der Finisher einmal knapp drüber (4013 im Rekordjahr 2014) und ansonsten knapp unter 4000, blieb der Pandemie-Knick auch in Korschenbroich nicht aus. Doch seit dem Neustart im Jahr 2022 mit einer Spätsommer-Auflage geht es kontinuierlich bergauf. Bei der 36. Auflage wurde bei den Voranmeldungen die 4000er-Marke (4067) endlich mal wieder geknackt, und auch die Zahl von 3638 Aktiven im Ziel ist ein neuer Nach-Corona-Rekord.
Sogar eine ganz neue Bestmarke vermeldete Citylauf-Chef Markus Bresser am Sonntagabend mit Blick auf die Zuschauer und Zuschauerinnen, die sich im Tagesverlauf rund um die Strecke mit Start und Ziel auf der Hindenburgstraße tummelten. Nach Angaben der Polizei lockte der Citylauf in Kombination mit dem tollen Frühlingswetter, dem verkaufsoffenen Sonntag und jeder Menge Mitmachaktionen für Kinder 19.000 Menschen in die Innenstadt. Mehr als die Hälfte aller Einwohner und Einwohnerinnen der kleinen Mittelstadt Korschenbroich (rund 35.300). Klar, dass Markus Bresser rundum zufrieden war. „Die Atmosphäre war schon der Hammer. Der Kids-Place war brechend voll, an den Ständen unserer Sponsoren haben sich teils Schlangen gebildet“, sagte der Citylauf-Geschäftsführer und ergänzte: „Wenn sich der Familienlauf so weiterentwickelt, muss man vielleicht irgendwann mal überlegen, ob wir noch einen zweiten einführen.“ Noch zufriedener wäre Bresser vielleicht gewesen, wenn es auch noch den erhofften Streckenrekord im Elite-Lauf der Männer über 10.000 Meter gegeben hätte. Doch daraus wurde nichts.
Weil im schnellen 5000-Meter-Lauf (Zielschluss 24 Minuten) sowie im langsamen Rennen über 10.000 Meter (Zielschluss 70 Minuten) erstmals die Regionsmeisterschaften integriert waren und der schnelle 5000er sowie der schnelle 10.000er (Zielschluss 40 Minuten) mit Blick auf die Eliteläufe erstmals auch für den Weltverband vermessen waren, feierten neben der obligatorischen Verbandsaufsicht auch zwei Verbandsschiedsrichter beim Citylauf ihre Premiere. Matthias Teeuwen und seine Kollegin Bettina Leh-Stamm wachten zwar streng über die Regeleinhaltung, doch Rekordzeiten mussten sie eben nicht quittieren. Ein heißer Kandidat war bei den Elite-Männern der Marokkaner Hicham Amghar, der den Landesrekord seiner Heimat auf der Straße mit knapp über 27 Minuten hält. Am Ende gewann er Korschenbroich zwar klar, lag aber mit seiner Siegerzeit von 29:07 Minuten aber deutlich über der Citylauf-Bestmarke des Kenianers Daniel Chebi aus dem Jahr 2011 (28:18,6). „Ich bin gut ins Rennen gestartet, aber dann hat sich niemand gefunden, der das nötige Tempo mitgehen wollte“, meinte Amghar, „wenn man so einen Rekord knacken will, dann braucht es viele starke Konkurrenten.“
Weit entfernt von einem neuen Rekord waren auch die Elite-Frauen (15:33), wobei in Kristine Lande Dommersnes erstmals in der langen Citylauf-Historie in 16:14 Minuten eine Norwegerin gewann. „Ich war jetzt das vierte Mal hier, deswegen ist der Sieg etwas Besonderes für mich. In meiner Heimat gibt es ähnliche Veranstaltungen. So stimmungsvoll geht es da aber selten zu“, sagte die Norwegerin. Nicht in den Kampf um die drei ersten Plätze eingreifen konnte die Dormagenerin Tanja Spill (17:21 Minuten), die den Lauf in ihre Vorbereitung auf die Bahnsaison integrierte. „Ich bin das Rennen viel zu schnell angegangen“, sagte sie hinterher völlig entkräftet, „bin mit meiner Zeit aber dennoch ganz zufrieden.“
Übrigens: Für alle, die sich den 37. Citylauf schon mal in ihren Kalender eintragen wollen, der Termin steht schon fest. Am 18. April 2027 ist es so weit.