Das Rheinische Landestheater macht sich selbst zum Thema: Bei der Vorstellung des Programms für die neue Spielzeit wiesen Mitglieder des Fördervereins auf die schwierige finanzielle Situation des Hauses hin und luden bei Sekt oder Selters alle Gäste ein, sich ihrer Unterstützungsmission durch eine Mitgliedschaft anzuschließen.

Unter Konfettiregen begrüßte man dann spontan einen neuen, überaus potenten Hauptsponsor: den „Großen Gatsby“: allerdings nicht einen der reichsten Menschen der Welt selbst, sondern Nick Carraway, dessen Nachbarn auf Long Island. Mit einer Bühnenfassung des berühmten Romans von F. Scott Fitzgerald, der vielen über seine Verfilmungen bekannt ist, wird das RLT am 12. September sein Programm eröffnen.

Auch eine zweite Ankündigung hatte direkt mit dem Haus zu tun. Das im vergangenen Jahr kurz vor der Premiere wegen künstlerischer Differenzen abgesagte Stück „Mord im Schützenverein“ wird derzeit vom Autor David Gieselmann überarbeitet und soll am 23. Januar seine Uraufführung feiern. Hierzu erklärte die Intendantin Marie Johannsen unserer Redaktion: „Kunst hat immer etwas mit Ausprobieren zu tun, und manchmal klappt das nicht so, wie man sich das vorgestellt hat. Wir werfen aber die sinnbildliche Schützenflinte nicht ins Korn. Aus dem Recherche-Interview-Projekt „Mord im Schützenverein“ soll David Gieselmann ein klassisch-dramatisches Auftragswerk fertig schreiben. Dann können wir im Vorhinein alle daran rumbasteln. Das ist besser als eine Stückentwicklung.“ Handlungsort wird nicht mehr Neuss sein, sondern ein fiktiver Ort. Und auf der Bühne sollen fünf Darsteller eine ganze Menge von Haupt- und Nebenrollen spielen.

Ein weiteres Projekt des RLT- Leitungsteams ist derzeit noch nicht in trockenen Tüchern: „You’re my wonder waaaall“ wird als „Nostalgischer Zeltlager-Liederabend“ angekündigt, ist im Programmheft aber mit dem Hinweis verbunden: „Die Realisierung dieses Projekts ist an die Zusage von Fördermitteln gebunden.“ Als Uraufführung geplant ist auch der Titel „Ich bin viele! Neue ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“. Vorbild ist wohl Christine Brückners 1983 erschienenes Buch „Wenn du geredet hättest, Desdemona“. Hieraus entstand damals ein großes Projekt und in der Folge ein weiteres Buch, das vergangenes Jahr zum Weltfrauentag erschien.

Die erste Premiere für kleine und große Zuschauer trägt den Titel „Ginpuin: Auf der Suche nach dem großen Glück“. Die lustige Buchstabenverdrehung entstammt dem gleichnamigen Bilderbuch von Barbara van den Speulhof und Henrike Wilson. Das erzählt von einem putzigen, flugunfähigen Seevogel mit Wortfindungsdefiziten. Und dessen Mut, zu sich selbst zu stehen. Höllische Artikulations-Herausforderungen verspricht Michael Endes Märchen „Der satanarchäolügenialko Wunschpunsch“, das ab Anfang November auf der großen Bühne zu erleben ist. Weihnachtstheater für Groß und Klein.

Mit dem Freiwerden der Rechte an den Werken Bertolt Brechts sieht das RLT die Gelegenheit, „einen historischen Missstand zu korrigieren“. Brechts großes Anti-Hitler-Stück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ stammt nämlich in großen Teilen von seiner engen Mitarbeiterin Margarete Steffin. In einer Fassung des Regisseurs Adewale Teodros Adebisi kommt das Stück im März auf die große RLT-Bühne.

Ebenfalls auf der großen Bühne wird im Mai 2027 „Lysistrata“ zu sehen sein, „nach Aristophanes und den Eindrücken der Gegenwart in einer neuen Fassung von Katharina Stoll“. Hier hat die Intendantin Marie Johannsen selbst die Dramaturgie übernommen. Von Johannsen stammen auch die witzigen Namen neuer Abonnements. Hier gibt es „Die bunte Tüte“, „Das lustige Quartett“ oder das „Kaffee und Kuchen-Abo“. Dazu ein „Frauen.Macht.Geschichte-Abo“.

Besonders gelacht wurde bei der Programmvorstellung über das „Kulturbanausen-Abo“: Da werden diejenigen, die sich trauen, ihre Kunst-Lethargie endlich zu überwinden, vor der Vorstellung bis an ihren Platz geleitet, in der Pause persönlich abgeholt und danach wieder zurückgebracht. Einfach ausbüxen ist also nicht vorgesehen. Man darf gespannt sein.