Stand: 27.04.2026 06:13 Uhr

Umweltminister Till Backhaus (SPD) duldet das neue Konzept der privaten Initiative zur Rettung des Buckelwals. Vor Ort laufen die Vorbereitungen zum Transport des zwölf Meter langen Meeressäugers – der benötigte Lastkahn ist auf dem Weg.

Das Transport-Schiff für den Buckelwal ist in der Nacht zu Montag in Kiel angekommen. Das Schubboot „Hans“ hatte es bis dorthin geschoben. Nun soll die Schute mit dem Schlepper „Robin Hood“ nach Wismar gebracht werden. Aus Live-Daten des Schiffstrackingdienstes „Marinetraffic“ geht hervor, dass sich die „Robin Hood“ derzeit vor der Schleswig-Holsteinischen Küste befindet. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei Wismar soll die „Robin Hood“ den Wismarer Hafen vor 12 Uhr erreichen.

Transport des Wals frühestens am Dienstag

In Wismar sind weitere technische Vorbereitungen an dem Lastkrahn geplant. Es müsse zum Beispiel noch ein Schott gewechselt werden, sagte Chef-Taucher Fred Babbel. Außerdem müsse die Schute mit Sand ausgelegt werden, um die Umgebung für den Wal angenehmer zu machen. Mit dem Transport des Wals sei deswegen frühestens am Dienstag zu rechnen. Der Wal soll in einer Art „Aquarium“ aus Stahl tagelang bis in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee oder sogar in den Atlantik transportiert werden.

Backhaus: neues Konzept geduldet

Schubboot mit Schute auf dem Nord-Ostsee-Kanal

Schubboot „Hans“ schiebt die Schute für den Wal durch den Nord-Ostsee-Kanal.

Umweltminister Backhaus (SPD) erklärte am Sonnabend, dass die beiden neuen Veterinäre des Teams intensiv gearbeitet hätten und das neue Konzept vom Ministerium geduldet werde. Das Go für das neue Vorhaben der Initiative war von Backhaus am Samstag verkündet worden. Die Verantwortung liege weiterhin bei der Initiative.

Das Konzept sieht vor, den mehrere Tonnen schweren Wal über eine eigens ausgehobene, mehr als 100 Meter lange Rinne zu einem speziellen Lastkahn zu führen. Über eine Hecköffnung soll das Tier in die mit Wasser gefüllte Schute, auch Barge genannt, gelangen. Im Idealfall eigenständig, notfalls mit Unterstützung durch weiche Schlingen. Laut Privatinitiative ist die Barge 50 Meter lang, 13 Meter breit und hat eine Ladekapazität von 400 Tonnen. Sie habe einen Ladetiefgang von vier Metern. Der Wal bilde seinen eigenen Anker, könne sich aber nicht darin verletzen, so Bohnsack. Vor Poel werde noch die Zufahrt vom Wal bis in die tiefere Fahrrinne verbreitert, sagte Chef-Taucher Fred Babbel am Sonntagvormittag. „Wir sind da noch beim Arbeiten, beim Spülen, Saugen.“

Schute musste durch Nord-Ostsee-Kanal

Das dafür benötigte Transportschiff wurde am frühen Sonntagabend vom Schubboot „Hans“ durch den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) geschoben. Umweltminister Backhaus hatte am Sonnabend gesagt, dass der Nord-Ostsee-Kanal für den Transport gesperrt werden soll. Das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt konnte das auf NDR Nachfrage allerdings nicht bestätigen. Der NOK ist eine der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraßen Europas. Über 22.000 Schiffe sind im Jahr 2025 durch den NOK gefahren, laut Wasserstraßen- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes. Das ergibt im Durchschnitt 60 Schiffe pro Tag.

Ein gestrandeter Buckelwal vor der Insel Poel in der Ostsee.

Die wiederholte Strandung eines Buckelwals an der Ostseeküste sorgt für große Aufmerksamkeit. Eine private Initiative versucht, ihn zu retten.

Tracker funktioniert nicht unter Wasser

Der Wal soll durch eine mehr als hundert Meter weit gebaggerte Rinne auf den Kahn schwimmen. „Für ein Wildtier ist das schon ziemlich komfortabel im Rahmen unserer Möglichkeiten“, meinte Tierärztin Kirsten Tönnies aus dem Team der privaten Initiative zu dem Becken. Ein bereits befestigter Tracker soll später seine weitere Position zeigen. Allerdings gibt es dabei ein gravierendes Problem: Der Tracker funktioniere nicht unter Wasser, sagte Backhaus. Sollte der Wal also abtauchen oder ertrinkend auf den Grund sinken, wäre er wohl nicht mehr zu erfassen. An einer neuen Lösung werde gearbeitet, so der Minister.

Transport des Wals am Dienstag oder Mittwoch

Tönnies erklärte bereits am Samstagnachmittag: „Wir kalkulieren, dass wir den Wal zwischen Dienstag und Mittwoch hier weg kriegen“. Den geduldeten Versuch, dem Wal Blut abzunehmen, konnten die Tierärzte nicht durchführen, sagte Tönnies. Aufgrund von Wellengang und der Bewegung des Wals kamen sie nicht an ihn ran. Sie sprach positiv über die aktuelle Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium. Deren Angaben zufolge sei das Konzept unter dem Maßstab geprüft worden, dass einem Tier keine Schmerzen, Leiden oder Schäden ohne sogenannten „vernünftigen Grund“ zugefügt werden dürfen. Es sei nach dem Bundesnaturschutzrecht grundsätzlich zulässig, einem hilflosen Wildtier Hilfe zu leisten, so Backhaus. Nach Erkenntnissen des Rettungsteams sei das Tier transportfähig, sein Gesundheitszustand aber weiterhin kritisch.

Ostsee-Wal ist ein Bulle

Laut Backhaus handelt sich es bei dem Wal um einen Bullen. Der Umweltminister wies Kritik zurück, die Maßnahmen blockiert zu haben. Es werde „immer so getan, als ob wir irgendwas behindern oder verhindern“, sagte Backhaus weiter. „Das ist schlicht und ergreifend unwahr.“ Er zeigte sich genervt von der Medienberichterstattung und warf den Pressevertretern vor, ständig von einer Genehmigung zu sprechen statt von einer Duldung. Nur dazu habe das Ministerium die Berechtigung.

Ein Wal gibt Atemluft ab, während er noch immer in der Wismarer Bucht liegt.

Zwischen Mitgefühl, Politik, Inszenierung und einem System im Dauerstress.

Sandsäcke als Barriere

Eine schwimmende Plattform nähert sich dem gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel.

Die weißen „Big Bags“ wurden am Freitag angeliefert.

Für zusätzlichen Druck sorgte der steigende Wasserstand am Wochenende in der Bucht. Deswegen wurden Samstagvormittag rund 40 mit Sand gefüllte „Big Bags“ verladen und mit einem Schwimmponton in die Kirchsee-Bucht bugsiert. Dort wurden sie an Bord der großen verankerten Arbeitsplattform gehievt. Sie wurden als Barriere um den Wal gesetzt und sollen verhindern, dass er sich bei steigenden Wasserständen noch weiter in die Flachwasserzone hinein bewegt. Laut der Initiative liegt die rund 110 Meter lange Rinne bereit, die von der Mulde des Wals in tieferes Wasser führt. Durch diese rund zwei Meter tiefe Rinne soll der Wal nach Idee der privaten Initiative in tieferes Wasser schwimmen oder gegebenenfalls gezogen werden.

Neues Gutachten geplant?

Tierärztin Kirsten Tönnies übte bereits am Donnerstag Kritik am ersten Gutachten zum Gesundheitszustand des Wals: Es habe „Mängel“ aufgewiesen, zudem hätte sie „andere Prioritäten gesetzt“ und zusätzliche Messungen vorgenommen. Entscheidend bleibe jedoch das Überleben des Tieres. „Wenn es darum geht, ob das Tier lebt oder stirbt, muss man die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen abwägen“, sagte sie. Der Schutz des Wals habe oberste Priorität, auch bei der Bewertung neuer Gutachten. Tönnies betonte zudem, dass der Wal Lebenswillen zeige und bei Bedarf auch medizinisch versorgt werden könne.

Screenshot der Webansicht eines TikTok-Profils im Darkmode

Rechte und Rechtsextreme nutzen die Geschehnisse rund um den gestrandeten Wal, um Stimmung gegen Politik und Behörden zu machen.

US-Tierärztin erhebt schwere Vorwürfe

Die für die Rettungsaktion aus Hawaii angereiste Tierärztin Jenna Wallace, die inzwischen wieder zurück in den USA ist, erhob im Interview mit dem NDR schwere Vorwürfe, insbesondere gegen Sergio Bambarén, Schriftsteller und Vizepräsident der Umweltschutzorganisation „Mundo Azul“, und Influencer Danny Hilse. Die beiden Männer gehören zum aktuellen Team rund um den Rettungsversuch des Wals. Sie würden laut Wallace für sich proklamieren, eine besondere Verbindung zum Wal zu haben und in ihren Aussagen die Rettungsaktion gefährden. Mitinitiatorin Karin Walter-Mommert verteidigte im NDR Interview Danny Hilse gegen die erhobenen Vorwürfe.

Der Irrweg des Wals in der Ostsee

Am 3. März war der Wal erstmals im Hafen von Wismar gesichtet und mithilfe der Naturschutzorganisation Sea Shepherd mit Booten aus dem Hafenbecken geleitet worden. Am 23. März lag er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand. Nachdem für ihn eine Rinne ausgebaggert worden war, schwamm er sich am 27. März frei.

Am 28. März strandete er erneut in der Wismarer Bucht südlich der Insel Walfisch, kam zwischenzeitlich frei, lag anschließend jedoch bis zum 30. März wieder im flachen Wasser fest. In der Nacht zum 31. März setzte er sich abermals in Bewegung. Allerdings schwamm er nicht Richtung Westen, sondern nach Norden und blieb gegen 13 Uhr in der Kirchsee vor Poel liegen.

Umweltminister Backhaus bei einem Presseinterview.

Minister Backhaus duldet das neue Konzept der privaten Initiative zum Tansport des jungen Walbullen auf einem Lastkahn.

Eine Drohnenaufnahme zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht

Ob Hörer, Zuschauer oder Social-Media-Nutzer: Alle haben viele Fragen zum Buckelwal. Expertinnen und Experten antworten.

Saug- und Spülarbeiten am Ostsee-Wal

Vor Poel bemüht sich ein privates Team weiter, den gestrandeten Buckelwal zu befreien – bisher aber erfolglos. Nun soll es einen neuen Rettungsplan geben.

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Die Tierärztin Ina Rheker aus Klütz ist spontan zum Wal-Rettungsteam dazugestoßen, nachdem es personelle Überraschungen gab.

Screenshot eines Spendenaufrufs auf Social Media

Der vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal sorgt weiter für Schlagzeilen – auch Betrüger nutzen die Aufmerksamkeit.