Der Erlös der Benefizveranstaltung ist für jene, die unheilbar an Mukoviszidose erkrankt sind. In der Glemsaue aber wird vor allem das Leben gefeiert.
Er ist die größte Veranstaltung des Mukoviszidose-Landesverbands Baden-Württemberg – und für Ditzingen ist sie Laufevent, Familienfest und Benefizveranstaltung in einem. Am Sonntag zeigte der Ditzinger Lebenslauf einmal mehr, was ihn seit Jahren auszeichnet: das Miteinander zugunsten eines guten Zwecks.
„Das Wetter ist super“, meint der Mittvierziger, als er sich der Startlinie nähert. Die Sonne wärmt, die Luft ist am Morgen noch kühl. Zehn Kilometer hat er sich vorgenommen. Er läuft für sich alleine, seine Freundin wird ihn später sponsern, für jeden gelaufenen Kilometer will sie zehn Euro überweisen. Das Geld fließt in Projekte des Mukoviszidose-Landesverbands, etwa die Finanzierung von Forschungsprojekten, die Mitfinanzierung zum Beispiel von zwei Psychologinnen. Mukoviszidose ist eine unheilbare Krankheit, bedingt durch eine Genmutation schädigt zäher Schleim die Organe.
Gemeinsam Laufen für die Mukoviszidose-Patienten
In der Glemsaue wird am Sonntag gleichwohl gemeinsam das Leben gefeiert. Während die einen an der Ziellinie warten, haben andere bereits mehrere Runden gedreht – oder trinken in der Sonne Kaffee, sind ins Gespräch mit Bekannten, Verwandten, Geschäftskollegen vertieft. Derweil schaut Thomas Wolf in seine Unterlagen, der ehemalige Leiter des Sport- und Kulturamts ist im dritten Jahr Ansagers und Moderator, ihm erzählen die Läufer, warum sie dabei sind.
Voll wird es an der Startlinie, als sich nach und nach die Schulen auf den Weg durch die Glemsaue machen: 270 Schüler sind von der Grundschule in Höfingen angemeldet, von der Doris-Leibinger-Schule sind es 220 und vom Gymnasium in der Glemsaue 110.
Zum ersten Mal anlässlich des Ditzinger Lebenslaufs nach Ditzingen gekommen ist Sophia Wolf. Sie kennt große Benefizveranstaltungen, doch was sie in Ditzingen erlebt, fasziniert und beeindruckt sie gleichermaßen. Er sei „eine enorme Hilfe, um die Krankheit bekannter zu machen und damit auch Aufmerksamkeit für unsere Betroffenen zu generieren“, sagt Wolf. Sie hebt dabei auch die Zahl der Helfer hervor: 200 sind es beim Lauf selbst, 50 waren bereits am Vortag aktiv in der unmittelbaren Vorbereitung des Präsenzlaufs. Abgesehen von den Anmeldungen der Schulen hatten sich laut einer vorläufigen Info rund 2000 Teilnehmer angemeldet. Darunter auch Gruppen aus Vereinen und Unternehmen aus der Umgebung.
Firmen unterstützen Ditzinger Lebenslauf
Etliche Firmen gehören traditionell zu den Unterstützern, ob durch die Hilfe bei der Logistik oder durch eine eigene Läufergruppe. Unter den Unternehmen hatte Geze im vergangenen Jahr die meisten Kilometer beim Lebenslauf gesammelt – mehr als 5400 Kilometer. Der Firmenparkplatz von Trumpf war erneut zum Ausgangspunkt für den Shuttleservice geworden: Alle 15 Minuten fährt den Tag über ein Bus in die Glemsaue – traditionell Start und Ende der Laufstrecke am Schulzentrum. Für jede gelaufene Runde erhalten die Läufer ein Gummiband ums Handgelenk gestreift – viele lassen sich dadurch im Lauftempo nicht stoppen: Sie strecken ihren Arm aus, gekonnt streifen die Helfer das Band in dem Augenblick über.
Jahr für Jahr war der Spendenlauf in der Ditzinger Glemsaue größer geworden. Was im Jahr 1999 mit 700 Teilnehmern begann, erreichte 2019 Rekordzahlen und pendelte sich vor der Pandemie zuletzt bei rund 4500 Läufern ein. Mit der Pandemie wurde der Lauf zu einem Hybridlauf. Seitdem kann man auch separat laufen, die Möglichkeit, Spenden zu generieren, ist nicht auf die eintägige Präsenzveranstaltung begrenzt.
Initiator des Laufs war Manfred Schröder gewesen, Vater eines an Mukoviszidose erkrankten Sohnes. Manfred Schröder starb 2019 – der Lauf auch in diesem Jahr fand in Gedenken an ihn statt. Schröder hatte sich bereits aus der Organisation zurückgezogen gehabt, er war sich sicher, dass die Nachfolgenden die Idee – und die Veranstaltung – weitertragen würden. So kam es dann auch. In diesem Jahr war in Bezug auf die Gründerorganisatoren bereits die dritte Generation in der Glemsaue präsent: Sie zählte zu den allerjüngsten Besuchern an diesem Tag, waren am Rande Beobachter des Geschehens.
Mittendrin hingegen war André Schiele. Der Ingersheimer hatte einen Baumstamm geschultert. Runde für Runde legte er mit einem Gewicht auf den Schultern zurück.