Open Infra nicht nur im Landkreis Harburg unter Druck: Verbraucherzentrale Brandenburg zieht vor Gericht

Im Glasfaser-Streit zwischen dem schwedischen Netzbetreiber Open Infra und dem regionalen Diensteanbieter Premium-Netz (Filiago) gibt es zwei neue Entwicklungen. In Brandenburg hat die Verbraucherzentrale Klage gegen Open Infra eingereicht – das Unternehmen hat demnach nicht nur im Landkreis Harburg mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Zudem wirft eine Recherche des WOCHENBLATT Fragen zum Open-Access-Modell von Open Infra auf: Wie unabhängig sind die Anbieter, die auf dem Open-Infra-Marktplatz gelistet sind – und wer steht hinter InternetNord?

Verbraucherzentrale Brandenburg klagt gegen Open Infra

Am 23. April 2026 hat die Verbraucherzentrale Brandenburg Klage gegen Open Infra eingereicht. Der Vorwurf: Das Unternehmen ließ Kunden nach Vertragsschluss zu lange auf den Glasfaseranschluss warten und erschwerte Kündigungen. Eine Abmahnung hatte Open Infra zuvor nicht mit einer Unterlassungserklärung beantwortet.
Michèle Scherer, Digitalexpertin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg, erklärte in einer Pressemitteilung: „Verbraucher werden aus unserer Sicht durch intransparente Bedingungen erheblich benachteiligt, wenn sie den Vertrag kündigen wollen.“ Laut Verbraucherschützern gebe es seit mehreren Jahren zahlreiche Beschwerden über Open Infra in Brandenburg.

InternetNord: Geschäftsführer ist gleichzeitig bei Open Infra tätig

Im laufenden Streit hatte Open Infra die IN InternetNord GmbH als Übergangslösung für Kunden benannt. Gegenüber dem WOCHENBLATT bezeichnete Open-Infra-Sprecher Stefan Hensel das Unternehmen als „eigenständig am Markt tätiges Unternehmen innerhalb der Open Infra Gruppe.“
Das Impressum der Website internetnord.de weist Sven Hålling als Geschäftsführer der IN InternetNord GmbH aus. Sein öffentliches LinkedIn-Profil führt ihn gleichzeitig als COO/CEO bei Open Infra mit Sitz in Stockholm, Schweden.
Das WOCHENBLATT hat Open Infra dazu befragt. Hensel erklärte, es sei „in vielen Konzern- und Beteiligungsstrukturen der Telekommunikationsbranche üblich“, dass Führungskräfte Funktionen in mehreren Gesellschaften wahrnähmen. Dies diene „der strategischen Abstimmung innerhalb der Gruppe“. Ob InternetNord eine hundertprozentige Tochter von Open Infra ist, ließ Hensel offen. Premium-Netz-Geschäftsführer Utz Wilke hatte InternetNord auf einer öffentlichen Online-Veranstaltung als „hundertprozentige Tochter der Open Infra“ bezeichnet.

Zwei Anbieter auf dem Marktplatz – eine Firma

Recherchen des WOCHENBLATT zeigen zudem: Zwei der auf dem Open-Infra-Marktplatz gelisteten Internet-Anbieter – Open!Net und Mister Fuxx – werden von derselben Firma betrieben: der MrFuxx GmbH. Die Tarife, Preise und technischen Konditionen beider Angebote sind identisch. Lediglich Hotline-Nummer und Bestelllink unterscheiden sich. Ein weiterer Unterschied: Mister Fuxx bietet zusätzlich Installationsdienste an, Open!Net nicht.
Open Infra bestätigte auf Nachfrage des WOCHENBLATT, dass es sich um eine „bewusste Mehrmarkenstrategie“ derselben GmbH handele. Weitere unabhängige Internet-Anbieter sind auf dem Marktplatz derzeit nicht gelistet.

Hinweis für betroffene Kunden

Die Bundesnetzagentur hatte dem WOCHENBLATT mitgeteilt, dass ohne Zustimmung der Kunden kein Anbieterwechsel stattfinden dürfe. Wer ungewollt zu InternetNord gewechselt wurde, kann dies bei der Bundesnetzagentur anzeigen: bundesnetzagentur.de/umzugtk

Die bisherige Berichterstattung sowie die vollständige Chronologie des Glasfaser-Streits von 2019 bis heute finden Sie hier: 

https://www.kreiszeitung-wochenblatt.de/buchholz/c-wirtschaft/glasfaser-streit-premium-netz-beruft-sich-auf-bundesnetzagentur-die-sieht-das-anders_a399759
https://www.kreiszeitung-wochenblatt.de/buchholz/c-panorama/glasfaser-chaos-im-landkreis-kunden-zwischen-zwei-aussagen_a399255