Der OB-Karl-Lehr-Brückenzug ist derzeit wohl die größte Baustelle im Duisburger Verkehr. Die Verbindung zwischen Ruhrort und Kaßlerfeld ist seit dem 17. April voll gesperrt – und wird es noch bis Anfang Juni bleiben.
Nun hat in der City eine der wichtigsten Maßnahmen des Projekts begonnen: Die neue Ruhrbrücke wurde in ihre endgültige Position verschoben. Die Brücke wurde zunächst nur parallel zur bisherigen Trasse errichtet und wurde nach Angaben der Wirtschaftsbetriebe im sogenannten Querverschubverfahren Stück für Stück bewegt. Dabei wurde das rund 6200 Tonnen schwere Bauwerk mit einer Stützweite von 182,20 Metern seitlich um 34,373 Meter von West nach Ost verschoben.
Zum Einsatz kamen dabei Hydraulikpressen, die das Bauwerk schrittweise auf vorbereiteten Bahnen bewegten. Jede Stunde kam die Brücke so mehrere Meter voran. Am Ende musste sie präzise auf der Konstruktion liegen. Am kommenden Wochenende geht es gleich weiter: Der Verschub der neuen Hafenkanalbrücke ist ab dem 1. Mai geplant. Sie wiegt rund 4250 Tonnen.
Die Sperrung am Brückenzug dauert deshalb insgesamt sieben Wochen. Auch der öffentliche Nahverkehr ist stark beeinträchtigt von den Bauarbeiten. Die Straßenbahn-Linie 901 wird für etwa zwölf Wochen unterbrochen. Und neben dem eigentlichen Verschub sind auch noch umfangreiche Vor- und Nacharbeiten notwendig, etwa an den Gleisen und Fahrleitungen.
Die DVG hat für den Zeitraum der Bauarbeiten einen Schienenersatzverkehr eingerichtet, der besonders für Schüler wichtig ist. Fußgängern hingegen bleiben kaum Alternativen; ihnen wird empfohlen, auf den Nahverkehr umzusteigen.
Der Neubau des Brückenzugs war in den vergangenen Jahren mehr als nötig geworden. Täglich fahren rund 27.000 Fahrzeuge auf der wichtigen Strecke, darunter etwa 2500 Laster, die meisten zum Duisburger Hafen. Die Tendenz ist dabei übrigens steigend. 2029 sollen es Prognosen zufolge etwa 29.000 Fahrzeuge sein, davon 4400 Laster, die hier jeden Tag unterwegs wären. Das hätte die Brücke in ihrem alten Zustand wohl kaum ausgehalten.
Entsprechend spürbar sind derzeit die Auswirkungen der Sperrung in der gesamten Stadt. Umleitungen wurden zwar eingerichtet, trotzdem staut es sich insbesondere im Berufsverkehr. Auch mehrere Bahnen sind nicht pünktlich.
Nach aktueller Planung sollen die Arbeiten am Brückenzug bis Oktober 2026 abgeschlossen sein. Aber auch danach drohen hier noch Einschränkungen für den Verkehr. Denn im Anschluss ist der Umbau des Kaßlerfelder Kreisverkehrs vorgesehen, der wird voraussichtlich bis Ende 2028 dauern.