Die Geschwister Hanko Darmstädter und Sina Freese vor einem Gulfhaus.

AUDIO: Bauernhaus 2026: Neues Leben für denkmalgeschütztes Gulfhaus (3 Min)

Stand: 27.04.2026 12:34 Uhr

Das Ostfriesische Gulfhaus ist „Bauernhaus des Jahres 2026“. Ein Geschwisterpaar hat gerade eines in Dornumergrode im Landkreis Aurich geerbt. Die Restaurierung könnte teuer werden – aber sich auch lohnen.

von Catherine Grim

„Hier, guckt mal! Wenn wir die Tapete abmachen, ist hier eine Verzierung“, sagt Kai Nilson, während er im dunklen Flur ein Stück Raufasertape herunterreißt. Zum Vorschein kommt ein dicker schwarzer Strich, der sich über einen bernsteinfarbenen Anstrich zieht. Das sind Details, für die Architekt und Denkmalpfleger Nilson Menschen die Augen öffnen will. In diesem Fall sind das Hanko Darmstädter und seine Schwester Sina Freese. Der Installateur und die Steuerfachangestellte laufen gemeinsam mit dem Architekten durch das Haus ihres vor Kurzem verstorbenen Vaters. Es ist ein besonderes Gebäude: Ein Bauernhaus mit angrenzender Scheune aus dem Jahr 1880.

Was zeichnet ein Ostfriesisches Gulfhaus aus?

Hanko Darmstädter, Sina Freese und Kai Nilson entdecken hinter einer Tapete Verzierungen.

Unter den Tapeten im Flur von Hanko Darmstädters und Sina Freeses Elternhaus verbirgt sich manche Überraschung.

Das Gebäude ist ein Ostfriesisches Gulfhaus: ein Ensemble aus zweistöckigem Wohnhaus und einer riesigen Scheune mit Holzständerwerk, dem sogenannten Gulf, das den Raum für Ernte und Vieh in einzelne Abteile gliedert. Ein besonderes Merkmal ist die sehr große Dachfläche, die man in Ostfriesland an vielen Orten sieht. Häuser wie diese hat die Interessengemeinschaft Bauernhaus gerade zum „Bauernhaus des Jahres“ gekürt, ein Festakt fand am vergangenen Wochenende in Dornum statt. 2025 war das Schwarzwaldhaus zum „Bauernhaus des Jahres“ ernannt worden.

Gulfhaus ist „Bauernhaus des Jahres 2026“

Die Geschwister Hanko Darmstädter und Sina Freese vor einem Gulfhaus.

Sina Freese und Hanko Darmstädter wollen in das Wohnhaus sechs Ferienwohnungen bauen.

Der Titel soll dazu dienen, Eigentümerinnen und Eigentümer klarzumachen, was für ein wertvolles Kulturdenkmal sie da eigentlich besitzen. Und sie dazu animieren, es trotz oft hoher Kosten zu erhalten. Unter Denkmalschutz stehen ohnehin viele dieser Häuser. „Das kann eine Chance sein“, erklärt Architekt Nilson, der sich für den Erhalt alter Bauernhäuser einsetzt. Schließlich könne man so auch viele Fördermittel erhalten, wenn man mit den Behörden zusammenarbeite.

Denkmalschutz als Chance

„Für mich ist es ganz neu, dass man das auch so positiv sehen kann“, wundert sich Sina Freese. Ihr Vater habe sich vom Denkmalschutz eher bevormundet gefühlt, sagen sie und ihr Bruder. Jahrelang habe er als Milchviehwirt und später als Betreiber einer Pferdepension hart gearbeitet – und sich kaum ums Haus kümmern können. Die Geschwister wollen das Gulfhaus auf jeden Fall erhalten und Ferienwohnungen darin schaffen – selbst wenn es teuer wird. „Wenn man Glück hat, bekommt man die Hälfte der Restaurierungskosten durch Fördergelder wieder zurück“, sagt Architekt Nilson. Der Titel „Bauernhaus des Jahres“ könnte dazu beitragen, dass das dem Geschwisterpaar auch gelingt.

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