In Viersen haben Trickbetrüger am zurückliegenden Wochenende einmal mehr versucht, Senioren um Geld und Erspartes zu bringen. Sie haben sich am Telefon als falsche Kriminalpolizisten ausgegeben und auf diese Weise versucht, Senioren auszuspionieren, ob diese möglicherweise Geld oder sonstiges Wertvolle in ihrer Wohnung haben. Die Polizei bestätigte die Vorfälle.
„Da habe ich noch mal richtig Glück gehabt“, sagt Karl-Josef B.* beim Besuch unserer Redaktion. Auch ihn haben die Betrüger am Telefon versucht, hereinzulegen. „Am Samstag klingelte gegen 10.30 Uhr das Telefon. Der Mann am Telefon sagte mir, er sei von der Kriminalpolizei. Es habe in der Nachbarschaft einen Einbruch gegeben, aber er dürfe nicht sagen, wo genau“, schildert der Senior. „Ich habe ihm dann gesagt, dass die Kripo doch samstags gar nicht arbeiten würden.“
Doch der Anrufer habe nicht locker gelassen. „Er sagte dann, dass ich mich vergewissern könne. Er würde mir jetzt am Telefon ein Signal geben, und wenn ich dann die 110 während unseres Gesprächs wählen würde, dann würde ich gleich verbunden werden.“ Dann habe er ihm gesagt, am Telefon würde sich ein Hauptkommissar Frank Bremer melden, der wäre dafür zuständig und könnte das auch entsprechend bestätigen. Daraufhin sei ein Piepton zu hören gewesen, gefolgt von Geräuschen eines Streifenwagens.
Tatsächlich habe sich danach ein anderer Mann gemeldet, der sich als besagter Frank Bremer ausgegeben hätte. „Der Mann hat sich dann bedankt, dass ich noch mal nachgefragt hätte und mir auch bestätigen lassen wollte, dass der Anruf echt ist“, sagte der Senior. „Dann fragte er noch, ob ich Geld, Schmuck, eine Münzsammlung oder Goldbarren in der Wohnung habe, und falls ja, sollte ich gut darauf achten. Ich hab‘ ihm gesagt, dass ich ein Mann bin und daher keine Kettchen und sonstigen Schmuck hätte und mein Geld bei der Bank liegt.“
Anschließend fragte der Senior noch, warum gerade er denn angerufen worden sei. „Daraufhin erzählte mir der Mann am Telefon, dass die Polizei in Viersen gerade in diesem Augenblicke eine osteuropäische Bande im Verhörraum sitzen habe. Bei dieser sei ein Notizbuch gefunden worden, in dem mein Name und meine Adresse vermerkt gewesen seien. Er müsse jetzt auch zurück zum Verhör, würde sich aber in einer guten Stunde noch mal bei mir melden, dann wisse er vielleicht schon mehr. Und dann mahnte er noch, dass ich von dem Verhör bloß nichts erzählen solle, denn das unterliege der Schweigepflicht.“
In der Tat habe etwa 15 Minuten später das Telefon erneut geklingelt. „Zu einem Gespräch ist es aber nicht gekommen.“ Stattdessen war auf dem Anrufbeantworter erneut ein Piepton und die akustischen Signale eines Polizeiwagens im Einsatz zu hören gewesen. „Dann habe ich bei der Polizei angerufen“, sagte Karl-Josef B. „Der Mann hat genau richtig gehandelt“, sagte Viersens Polizeisprecher Wolfgang Goertz dazu im Gespräch mit unserer Redaktion.
Ein nahezu identischer Vorfall hatte sich vor noch nicht allzulanger Zeit unter anderem auch in Krefeld ereignet. An einem Abend waren damals innerhalb einer Stunde von 25 Personen Meldungen bei der Polizei eingegangen, die Verdacht geschöpft hatten. Sie alle waren ihrerseits kurz zuvor angerufen worden: von einem angeblichen Kriminalbeamten. Die von diesem erzählte Geschichte war zwar nicht ganz die gleiche, aber durchaus ähnlich: „In Ihrer Nachbarschaft ist eingebrochen worden, Geld und Wertgegenstände wurden gestohlen. Wir haben einen Täter festgenommen, er hatte ein Notizbuch bei sich, darin stehen auch Ihr Name und Ihre Adresse. Weil wir noch nicht alle Täter gefasst haben, besteht die Gefahr, dass nun auch noch bei Ihnen eingebrochen wird. Sie sollten keine Wertgegenstände im Haus aufbewahren, ein Kollege kommt gleich zu Ihnen und bringt alles in Sicherheit.“
Auch in dem Fall in Krefeld hätten die Täter versucht, die Zweifel des Angerufenen zu zerstreuen und angeboten, direkt jetzt während des Telefonates die 110 zu wählen, um sich die Richtigkeit des Anrufs bestätigen zu lassen. Wählt der Angerufene dann die 110, ohne vorher die Verbindung zu dem Anrufer zu trennen, so bekommt er ein Freizeichen vorgespielt. Es meldet sich angeblich die Polizei, im Hintergrund sind Funkverkehr, vielleicht ein Martinshorn zu hören. Fällt dann das Opfer auf die falsche Kulisse ’rein, so lässt es sich manchmal sogar auch noch darauf ein, die Wertgegenstände irgendwo draußen zu deponieren. Der Täter kann alles ungestört und vor allem unerkannt abholen. Viele dieser Betrüger arbeiten zudem mit ausländischen Telefonanbietern zusammen, die die Nummer 110 als Anrufer-Nummer im Display einblenden können.
Die Polizei warnt eindringlich: Bei einem Anruf der Polizei erscheint nie die Rufnummer 110 im Display. Das Gespräch sollte umgehend beendet werden. Nach einem verdächtigen Anruf sollte man unbedingt die echte Polizei anrufen – im Idealfall auch nicht von dem Telefon aus, an dem der zweifelhafte Anruf kam. Betrüger können die Leitung so manipulieren, dass Anrufer sofort wieder mit Ihnen verbunden werden. Darum sollten mutmaßliche Opfer von einem anderen Telefon aus die 110 anrufen. Und: „Die Polizei fragt zudem niemals telefonisch nach Kontostand, Zugangs-Codes, Inhalt von Schließfächern oder Vermögensverhältnissen“, sagte Polizeisprecher Goertz. „Leider verstehen diese Betrüger ihr Geschäft. Der Mann hat also genau richtig gehandelt.“
*Name von der Redaktion geändert