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Berlin – Antisemitische Pöbel-Attacke mitten im Regierungsviertel! Sie kommen aus dem Reichstag, haben an einer Diskussion über Antisemitismus teilgenommen. Die Studenten Ron Dekel (24) und Tim K. (21) schlendern am Spreeufer Richtung Bahnhof Friedrichstraße. Beide tragen Kippa, die jüdische Kopfbedeckung. Plötzlich stoppt neben ihnen ein Golf mit zwei Frauen. Die Fahrerin brüllt: „Free Palestine, fuck Israel.“ Dann zeigt sie den jungen Männern den Mittelfinger.
Wenige Tage später stehen die beiden Studenten mit dem BILD-Reporter an der Stelle des Vorfalls. Ron trägt wieder Kippa, Tim verzichtet dieses Mal darauf. Sie berichten: „Die beiden Frauen sind mehr als hundert Meter neben uns hergefahren und haben uns beschimpft. Das war unangenehm. Es reicht schon, eine Kippa zu tragen, um angefeindet oder angegriffen zu werden. Das ist für die jüdischen Menschen mittlerweile Alltag. Nicht nur in Berlin.“

BILD-Reporter Peter Hell (re.) im Gespräch mit Ron Dekel (li.) und Tim K. Der Student zeigt die Stelle, wo das Auto neben ihnen gehalten hat
Foto: Timo Beurich
2300 antisemitische Straftaten 2025 in Berlin
Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 nehmen Pöbeleien, Attacken und Drohungen gegen jüdisches Leben in Berlin bedrohliche Ausmaße an. Für das Jahr 2025 registrierten die Behörden rund 2300 antisemitische Straftaten in der Hauptstadt – ein neuer Höchststand.
Nach dem Vorfall erstattete Tim K., der sich das Kennzeichen des Pkw gemerkt hatte, Anzeige gegen die Fahrerin. Sie stellen das gedrehte Video ins Netz. Der Journalistik-Student zu BILD: „Ich erlebe täglich schlimme Anfeindungen, bekomme sogar Morddrohungen. Der Hass kommt aus allen Ecken der Gesellschaft.“
„Nicht ob, sondern wann wir das Land verlassen.“
Die beiden Männer sind Mitglieder der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD). Ron Dekel ist deren Vorsitzender – und ebenfalls regelmäßig Ziel von Morddrohungen: „Auch an den Universitäten herrscht für uns ein Gefühl allgegenwärtiger Bedrohung durch propalästinensische Aktivisten. Viele Studierende verstecken sich regelrecht. Seminare werden nach Sicherheitsaspekten gewählt, nicht danach, ob sie Sinn ergeben. Mittlerweile stellen sich einige die Frage: Nicht ob, sondern wann wir das Land verlassen.“

Die beiden Männer gehen am Spreeufer Richtung Reichstag. Ron Dekel (li.) will weiterhin offen Kippa tragen
Foto: Timo Beurich
Zwei Tage nach dem ersten Vorfall kommt es zu einer weiteren Begegnung. Politik-Student Ron Dekel zu BILD: „Ich kam am Samstag aus der Synagoge. Plötzlich steht die Frau vor mir, die uns zwei Tage zuvor angeschrien hatte. Wieder brüllte sie mich an, ich solle das Video löschen. Ich bin weggegangen. Später habe ich erfahren, dass sie wohl in einem Café gegenüber der Synagoge auf mich gewartet hat. Woher wusste sie, wo ich bin?“
Ron Dekel geht zur Polizei und meldet den Vorgang. „Ich weiß nicht, was daraus wird“, sagt er. „Aber eines weiß ich: Wir wollen uns hier nicht aufgeben, solange wir überzeugt sind, dass das jüdische Leben hier noch eine Zukunft hat.“