
AUDIO: Poel: Wal-Transport soll Dienstag starten (3 Min)
Stand: 27.04.2026 17:20 Uhr
Der für die Bergung des Wals benötigte Lastkahn, auch Barge genannt, ist am Montagnachmittag im Hafen von Wismar angekommen. Am Dienstagmorgen soll der Rettungsversuch starten. Die Tierärztin der Rettungsinitiative verwirrt mit unterschiedlichen Aussagen zum Gesundheitszustand des Wals.
„Er baut jetzt ab“, beschrieb die Tierärztin des Rettungsteams Kirsten Tönnies den Zustand des Wals zunächst in einer Pressekonferenz am Montagnachmittag. Sie sei froh, wenn es endlich mit der Bergung losgehen könne, denn dem Wal gehe es schlechter. Trotzdem halte man am Rettungsversuch fest, der am Dienstagmorgen starten soll. Danach trat DLRG-Einsatzleiter Oliver Bartelt vor die Journalisten und erklärte, dass sein Team am Mittwoch seine Arbeit vor Ort beenden wird. Die ehrenamtlichen Retter kämen nach knapp 14 Tagen an ihre Grenzen, so Bartelt. Die Rettungsmaßnahmen am Dienstag wird das DLRG-Team aber noch begleiten. Danach verabschiedeten sich die beiden – bis Tönnies kurze Zeit später zurückkehrte und erklärte, der Zustand des Wals habe sich doch nicht verschlechtert.
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Der gestrandete Wal in der Kirchsee vor Poel im Livestream
Rettungsteam will Gurt einsetzen

Schubboot „Hans“ schiebt die Schute für den Wal durch den Nord-Ostsee-Kanal.
Der Schlepper „Robin Hood“ ist am Montagnachmittag mit dem Transport-Schiff für den Buckelwal im Seehafen Wismar angekommen. Mittlerweile sind die beiden Schiffe getrennt worden, die Barge liegt im Kali-Hafen, der Schlepper im Überseehafen. Beim Rettungsversuch am Dienstag soll ein Gurt eingesetzt werden. „Das wird so sein, dass der praktisch unter seiner Brust langläuft, sich einmal hinten um die Flipper überschlägt, und darüber ziehen wir ihn“, sagte Tönnies am Montagnachmittag. Der Gurt sei breit und flexibel. Mit dem Gurt soll das Tier dabei unterstützt werden, um über eine eigens ausgehobene rund 100 Meter lange Rinne in Richtung der Barge zu schwimmen. Es soll dazu nach Aussage von Tönnies auf beiden Seiten von mehreren Menschen gezogen werden. Falls der Wal während der Aktion in Panik gerate, könne eine Seite losgelassen werden. Man werde jede Aufregung für das Tier vermeiden, so Tönnies.
Umweltministerium: Gurteinsatz noch nicht abgestimmt
Ob der Gurt tatsächlich wie geplant eingesetzt werden kann, ist unterdessen noch offen. „Trotz mehrfacher Nachfragen sind zu dem Gurteinsatz bislang keine Unterlagen von der Initiative eingereicht worden bei unseren Veterinären“, sagte ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums. Das Ministerium hatte in der Vergangenheit betont, dass es bei der Abstimmung entsprechender Maßnahmen nicht um Genehmigungen, sondern die Frage der Duldung gehe.
Deutsches Meeresmuseum: „Ernsthaftes Gesundheitsproblem“
Das Deutsche Meeresmuseum rät von einem Lastkahn-Transport des Buckelwals dringend ab. Das Tier sollte vielmehr größtmögliche Ruhe erhalten und ausschließlich palliativ versorgt werden, teilte die wissenschaftliche Einrichtung mit. „Von weiteren Manipulationen am Wal“ sei abzusehen. Die wiederholten Strandungen des Wals würden auf ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hinweisen. „Die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung sind aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes des Tieres und der schlechten Gesamtprognose sehr gering“, sagen die Wissenschaftler. Eine Bergung sei zudem mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden. Diese Einschätzung würde von zahlreichen nationalen und internationalen Expertinnen geteilt.
„Unabhängige Obduktion erforderlich“
Sollte der Buckelwal sterben, sollte das Tier nach Ansicht des Deutschen Meeresmuseums innerhalb weniger Tage nach dem Tod wissenschaftlich untersucht werden, um Erkrankungen und die Todesursache feststellen zu können. Das Meeresmuseum könne dies jedoch nicht leisten. Die Genehmigung einer Obduktion sei dem Museum zu einem Zeitpunkt erteilt worden, als es noch in die Maßnahmen für den Buckelwal involviert gewesen sei. „Durch Duldung der Privatinitiative zur Lebendbergung des Buckelwals“, so das Meeresmuseum, „und der nachfolgenden Manipulationen am Buckelwal ist eine unabhängige, forensische Obduktion des Tieres erforderlich“.
Transportkahn muss noch umgebaut werden
In Wismar sind weitere technische Vorbereitungen an der Barge geplant. Es müsse zum Beispiel noch ein Schott gewechselt werden, sagte Chef-Taucher Fred Babbel. Außerdem müsse die Schute mit Sand ausgelegt werden, um die Umgebung für den Wal angenehmer zu machen. Der Wal soll in einer Art „Aquarium“ aus Stahl tagelang bis in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee oder sogar in den Atlantik transportiert werden.
Backhaus: Neues Konzept geduldet
Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärte am Sonnabend, dass die beiden neuen Veterinäre des Teams intensiv gearbeitet hätten und das neue Konzept vom Ministerium geduldet werde. Das Go für das neue Vorhaben der Initiative war von Backhaus am Samstag verkündet worden. Die Verantwortung liege weiterhin bei der Initiative.

Die wiederholte Strandung eines Buckelwals an der Ostseeküste sorgt für große Aufmerksamkeit. Eine private Initiative versucht, ihn zu retten.
Tracker funktioniert nicht unter Wasser
Ein bereits befestigter Tracker soll später seine weitere Position zeigen. Allerdings gibt es dabei ein gravierendes Problem: Der Tracker funktioniere nicht unter Wasser, sagte Backhaus. Sollte der Wal also abtauchen oder ertrinkend auf den Grund sinken, wäre er wohl nicht mehr zu erfassen. An einer neuen Lösung werde gearbeitet, so der Minister.
Meeresbiologe skeptisch gegenüber Rettungsversuch
Der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter bleibt mit Blick auf den neuen Rettungsversuch skeptisch. „Der Zustand des Wales ist nach wie vor auch prekär. Er hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich und da jetzt mit großem, schwerem Gerät mit vielen, vielen Menschen und viel Geld das Allermöglichste zu versuchen. Ich glaube, wir laufen da Gefahr, dem Wal auch zu schaden“, sagte der Mitgründer und zweite Vorsitzender des gemeinnützigen Wal- und Delfinschutzvereins „M.E.E.R.“.
Ritter: „Lautstärke macht mir Sorgen“
Vor allem der lange Transport in dem Lastenkahn könne das Tier sehr stressen, ist Ritter überzeugt. „Was mir Sorgen macht, ist die Lautstärke. Das wird sehr laut für den Wal. Und Wale und Delfine leben in einer Welt des Schalls. Die sind da extrem empfindlich.“ Das wäre so, als würde man einem Menschen drei Tage lang eine helle Lampe ins Gesicht halten.
Zudem könne man den Buckelwal nach drei Tagen nicht einfach anschubsen und davon ausgehen, dass er einfach losschwimmt. „Man muss darauf achten, dass er bewegungsfähig ist. Idealerweise hat man auch festgestellt, dass er Nahrung tatsächlich zu sich nehmen kann. Und was mir immer noch fehlt, sind tatsächlich die Ergebnisse einer Blutprobe oder dass die Blasluft analysiert wird.“
Ostsee-Wal ist ein Bulle
Laut Backhaus handelt sich es bei dem Wal um einen Bullen. Der Umweltminister wies Kritik zurück, die Maßnahmen blockiert zu haben. Es werde „immer so getan, als ob wir irgendwas behindern oder verhindern“, sagte Backhaus weiter. „Das ist schlicht und ergreifend unwahr.“ Er zeigte sich genervt von der Medienberichterstattung und warf den Pressevertretern vor, ständig von einer Genehmigung zu sprechen statt von einer Duldung. Nur dazu habe das Ministerium die Berechtigung.

Zwischen Mitgefühl, Politik, Inszenierung und einem System im Dauerstress.

Ein Wal verirrt sich in die Ostsee und plötzlich dreht ein ganzes Land am Rad, aus Küste wird ganz großes Kino.
Sandsäcke als Barriere

Die weißen „Big Bags“ wurden am Freitag angeliefert.
Für Druck sorgte der steigende Wasserstand am Wochenende in der Bucht. Deswegen wurden Samstagvormittag rund 40 mit Sand gefüllte „Big Bags“ verladen und mit einem Schwimmponton in die Kirchsee-Bucht bugsiert. Dort wurden sie an Bord der großen verankerten Arbeitsplattform gehievt. Sie wurden als Barriere um den Wal gesetzt und sollen verhindern, dass er sich bei steigenden Wasserständen weiter in die Flachwasserzone hinein bewegt.
Neues Gutachten geplant?
Tierärztin Kirsten Tönnies übte bereits am Donnerstag Kritik am ersten Gutachten zum Gesundheitszustand des Wals: Es habe „Mängel“ aufgewiesen, zudem hätte sie „andere Prioritäten gesetzt“ und zusätzliche Messungen vorgenommen. Entscheidend bleibe jedoch das Überleben des Tieres. „Wenn es darum geht, ob das Tier lebt oder stirbt, muss man die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen abwägen“, sagte sie. Der Schutz des Wals habe oberste Priorität, auch bei der Bewertung neuer Gutachten. Tönnies betonte zudem, dass der Wal Lebenswillen zeige und bei Bedarf auch medizinisch versorgt werden könne.

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Der Irrweg des Wals in der Ostsee
Am 3. März war der Wal erstmals im Hafen von Wismar gesichtet und mithilfe der Naturschutzorganisation Sea Shepherd mit Booten aus dem Hafenbecken geleitet worden. Am 23. März lag er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand. Nachdem für ihn eine Rinne ausgebaggert worden war, schwamm er sich am 27. März frei.
Am 28. März strandete er erneut in der Wismarer Bucht südlich der Insel Walfisch, kam zwischenzeitlich frei, lag anschließend jedoch bis zum 30. März wieder im flachen Wasser fest. In der Nacht zum 31. März setzte er sich abermals in Bewegung. Allerdings schwamm er nicht Richtung Westen, sondern nach Norden und blieb gegen 13 Uhr in der Kirchsee vor Poel liegen.

Minister Backhaus duldet das neue Konzept der privaten Initiative zum Tansport des jungen Walbullen auf einem Lastkahn.

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