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Im Vorfeld der wichtigen Automesse in Peking zeigen sich chinesische Autobauer selbstbewusst. Deutsche Marken wie Volkswagen, BMW und Co. verlieren an Wettbewerbsfähigkeit.

Peking – Wir wollen eure Kunden – das ist die Nachricht, die die chinesischen Autobauer vor ⁠der Automesse in Peking an Mercedes, BMW Volkswagen und Co. senden: Hersteller wie Geely oder Nio wollen mit deutlich günstigeren, aber genauso gut ausgestatteten Autos den deutschen Konzernen in der Volksrepublik Marktanteile abjagen. „Der Preiskrieg ‌ist in einen Wettstreit darüber übergegangen, was man für das Geld bekommen kann“, sagte Bo Yu, China-Experte der Beratungsgesellschaft Jato Dynamics.

Der BEV Zeekr 007 auf der 2025 Guangzhou International Automobile ExhibitionDer 007 ist eine BEV-Limousine der zum chinesischen Geely-Konzern gehörenden Marke Zeekr. (Archivbild) © John Ricky/imago

Wie die chinesischen ⁠Autobauer angreifen werden, ist ab Freitag auf der Automesse in Peking zu besichtigen. Nach Angaben von Cui Dongshu, Generalsekretär des chinesischen Branchenverbands, werden 181 neue Modelle und weitere 71 Konzeptfahrzeuge vorgestellt, darunter eine Flut von großen SUV-Modellen.

„Das ist der neue König der Straße“: Chinesische Autobauer sind selbstbewusst

Wie der 8X, ein SUV der Marke Zeekr, die wie Volvo und Polestar zum Geely-Konzern gehört. Das Fahrzeug kommt zu einem Preis ab 53.000 Dollar auf den Markt. In einem Video tritt es gegen die ähnlich großen Porsche Cayenne und BMW X5M an, die ab 135.000 beziehungsweise ​205.000 US-Dollar verkauft werden – und fährt ihnen ⁠davon. „Das ist der neue König der Straße“, sagte Geely-Chef Gan Jiayue bei einer Veranstaltung in Ningbo, ungefähr 200 Kilometer südlich von Shanghai.

Frank Schwope, Berater und Lehrbeauftragter an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Köln, applaudiert: In China gehe es viel schneller als im Westen, eine Premiummarke aufzubauen. „Das Geschäftsmodell von Mercedes, Porsche und BMW wird zerlegt.“ Hightech, kombiniert mit Patriotismus, führe dazu, dass es ⁠für die westlichen Marken wesentlich härter werde. „Das Image, das wir im Westen lange gesehen haben, ist weggespült worden.“

VW verliert Wettbewerbsfähigkeit: Deutsche Autos als Marken für die Eltern?

Dabei hatten Volkswagen und die anderen deutschen Autobauer den chinesischen Markt ​jahrzehntelang dominiert. Beim ersten Messeauftritt von VW in Shanghai im Jahr 1985 ⁠waren die Besucher begeistert von der Qualität der deutschen ‌Autos und des Marketing-Materials gewesen. In seinen Memoiren beschreibt der damalige VW-Chef Carl Hahn, wie die Menge die Broschüren von den Regalen genommen und die hohe Qualität des Papierdrucks bewundert hätte. Von den Autos hätten die Chinesen geträumt. Das ist inzwischen anders.

In der Elektro-Welt sind deutsche Ingenieurtugenden weniger wichtig, ​Software und Batterien spielen eine größere Rolle. Auf diesen Gebieten sind chinesische Anbieter wie BYD oder Geely führend. Dazu kommt der Patriotismus, der ​chinesische Käufer verstärkt zu heimischen Marken greifen lässt. „Einige jüngere Kunden nehmen uns als die Marke für ihre Eltern wahr“, sagte Robert Cisek, Markenchef für Volkswagen in China.

Volkswagen ⁠hat sich mit dem Startup Xpeng verbündet, um bei Elektroautos wieder wettbewerbsfähig zu werden. Audi hat eine Untermarke ohne das Logo mit den vier Ringen gemeinsam mit SAIC gegründet. Bei der Messe präsentiert VW vier Elektroautos, darunter auch Modelle aus diesen Kooperationen.

Umfrage: Vor allem jüngere Chinesen machen um deutsche Autos einen Bogen

VW-Chinachef Ralf Brandstätter hat ⁠als Ziel ausgegeben, größter ausländischer Autobauer in China zu bleiben. Yale ‌Zhang, Experte beim Analysehaus Automotive Foresight ist skeptisch. „Man kann sich nicht auf Chrome-Streifen, Nappaledersitze und die Geschichte verlassen, um die Kunden zu überzeugen.“

Vor allem jüngere Chinesen machten um deutsche Autos einen Bogen, ergab eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Berylls by Alix Partners im Januar. „Das Gute ist, ⁠es gibt diese Glaubwürdigkeit bei Volkswagen, wenn es um Sicherheit, Verlässlichkeit und Qualität geht“, sagt VW-Mann Cisek. „Gleichzeitig ist das auch eine Last.“ (lma/Reuters)