Stand: 27.04.2026 17:39 Uhr

Eine Studie der Musikhochschule Hannover zeigt, dass sich Musizieren bei älteren Menschen ohne jegliche musikalische Vorerfahrung positiv auf das Gehirn auswirkt. Und glücklich macht es obendrein.

von Anna Lisa Lohmann

Das Surren seiner Model-Diesellok aus der Baureihe V215 war bis vor ein paar Jahren die schönste Musik in Detlev Mahlmanns Ohren. Mit Leidenschaft friemelt der 70-Jährige aus Hannover an seiner Modeleisenbahn herum. Doch sein großer Traum war eigentlich immer ein ganz anderer: Klavierspielen lernen. Im stressigen Berufsalltag war dafür nie Zeit. Der Zug zum Instrumente-Lernen – abgefahren. Bis Detlev Mahlmann eines Morgens etwas in der Zeitung entdeckte. „Da war so eine kleine Anzeige. Gesucht wurden Probanden für eine Musikstudie – für eine Studie ‚Musik im Alter'“.

Beethovens Klassiker sorgt für Glücksmomente

Die Untersuchung der Musikhochschule Hannover will bei älteren Menschen ohne jegliche musikalische Vorerfahrung herausfinden, wie sich das Musizieren auf das Gehirn auswirkt. Anderthalb Jahre lang bekommen die Teilnehmenden einmal pro Woche Klavierunterricht und lernen unter anderem Beethovens „Die Ode an die Freude“. „Ein Klassiker“, meint Mahlmann, „da setzt man gleich Leute ran, die Null-Erfahrung haben. Ich fand es spannend und auch gut, wie sie es uns beigebracht haben, dass wir das auch so gut spielen können. Ich bin da immer richtig happy.“

Motivation bei älteren Klavierschülern ist riesig

Ergebnisse der Studie: Klavierspielen im Alter verbessert das Hörvermögen und die Merkfähigkeit. MRT-Aufnahmen zeigen sogar, dass Hirnmasse aufgebaut wird, zum Beispiel im motorischen Cortex, was bedeutet: mehr Geschicklichkeit mit den Fingern. Insgesamt verbessern sich die kognitiven Fähigkeiten und damit auch die Lebenszufriedenheit. Das ist auch seiner Frau Ulrike aufgefallen: „Wenn er am Klavier sitzt, ist er in einer anderen Welt und total entspannt – und einfach glücklich.“

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Nur logisch für Detlev Mahlmann, dass er nach der Studie weitermacht. Seitdem spielt der Senior mindestens einmal am Tag. Nun hat er sich ein ganz bestimmtes Lied vorgenommen: „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef. Das Stück ist allerdings viel kniffliger als gedacht. „Das ist dann die Schwierigkeit, dass man den Takt hält. Aber dafür hat man ja eine Klavierlehrerin.“ Wie Clara Graf. Sie findet: Ältere Schüler wie Detlev Mahlmann haben oft sogar einen Vorteil gegenüber Jüngeren. „Bei erwachsenen Schülern habe ich schon das Gefühl, dass die aus intrinsischer Motivation dabei sind, also aus eigenem Antrieb, und nicht, weil das vielleicht Eltern wollen. Detlev will Klavier lernen, deshalb nimmt er Unterricht.“

Trotz Fehler – dran bleiben!

In sieben Jahren des Klavierspielens hat er sich natürlich auch oft verspielt. Das ärgert ihn aber immer noch. „Da sagt Clara, einfach weiterspielen, dann richtet sich das wieder.“ Und so übt Detlev Mahlmann weiter, bis er irgendwann alleine rote Rosen regnen lassen kann – vielleicht ja sogar mal vor Publikum.