Beim Drittliga-Duell zwischen Rot-Weiss Essen und dem 1. FC Saarbrücken ist nicht nur das bittere Spielgeschehen aus RWE-Sicht mit der 1:2-Niederlage in Erinnerung geblieben – sondern vor allem eine Stimme. Genauer gesagt: die eines Fans. Marc Mühlenbeck, in der Essener Amateurfußball- und Fanszene als bunter Vogel bekannt und populär und mit dem Spitznamen Titan ausgestattet, wurde während der Partie unfreiwillig zum akustischen Mittelpunkt der TV-Übertragung von Magenta Sport.

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Rot-Weiss Essen vergeigt es gegen Saarbrücken: Im Aufstiegskampf zeigt RWE Nerven
Vonne Hafenstraße – Inside RWE
Der Grund: Seine lautstarken Anfeuerungsrufe waren über die Außenmikrofone der TV-Produktion deutlich zu hören. So deutlich, dass sich Mitarbeiter des Senders im VIP-Bereich direkt an ihn wandten und ihn baten, leiser zu sein. In einem Facebook-Statement schildert Mühlenbeck später, die Bitte habe ihn „überrascht – und ehrlich gesagt auch befremdet“. Begründet worden sei sie damit, dass seine Rufe „im Fernsehbild zu hören seien und es bereits Beschwerden gegeben habe“.
Rot-Weiss Essen: Mühlenbeck fühlt sich missverstanden nach Magenta-Rüffel

Rot-Weiss Essen verlor das Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken zum Entsetzen seiner.
© FUNKE Foto Services | Hans Blossey
Für den RWE-Anhänger ein schwer nachvollziehbarer Eingriff in das, was für ihn den Kern des Stadionerlebnisses ausmacht. „Als Fußballfan sehe ich es nicht nur als Recht, sondern geradezu als Pflicht an, meinen Verein lautstark und leidenschaftlich zu unterstützen“, schreibt er – und macht damit deutlich, dass er sein Verhalten keineswegs als unangemessen empfindet. Im Gegenteil: Gerade weil die Stimmung im Stadion phasenweise verhalten gewesen sei, habe er sich in der Verantwortung gesehen, für Unterstützung zu sorgen. Es sei für ihn „umso wichtiger“ gewesen, „die Mannschaft aktiv zu unterstützen“.

Dass seine Stimme tatsächlich eine besondere Präsenz hatte, zeigt ein Clip, der sich derzeit in den sozialen Medien verbreitet. Nach einer Großchance von Jaka Cuber Potocnik ist im Hintergrund ein lauter, emotionaler Aufschrei zu hören – Mühlenbeck, der seinem Ärger freien Lauf lässt. Das Video erreichte innerhalb weniger Stunden mehrere Tausend Aufrufe und machte den ohnehin bekannten Fan auch überregional sichtbar.
Rot-Weiss Essen: Mühlenbeck stellt bei Facebook nach Vorfall mit Magenta Grundsatzfrage
In der Essener Amateurfußball- und Fanszene ist Mühlenbeck kein unbeschriebenes Blatt. Er gilt als besonders präsenter Unterstützer von Rot-Weiss Essen, einer, der seine Rolle als Fan aktiv lebt und bewusst hörbar macht. Genau darin sieht er auch kein Problem – sondern eher einen Verlust, wenn solche Emotionen gebremst werden.
In seinem Statement stellt er daher eine grundsätzliche Frage: „Welche Art von Verhalten ist im Stadion – insbesondere in Bereichen wie der VIP-Tribüne – eigentlich erwünscht?“ Und weiter: „Soll der Fan sich zurücknehmen, um eine möglichst ‚saubere‘ TV-Übertragung zu gewährleisten? Oder darf und soll er Teil der lebendigen Kulisse sein?“

Marc Mühlenbeck als Keeper selbst in Aktion.
© FUNKE Foto Services | Thorsten Tillmann
Der Vorfall macht damit einen Konflikt sichtbar, der im modernen Fußball immer häufiger auftritt. Auf der einen Seite stehen die technischen Anforderungen einer professionellen Fernsehübertragung, auf der anderen die authentische Fankultur, die von Emotionen, Lautstärke und Spontaneität lebt. Der 44-Jährige formuliert es in seinem Beitrag selbst am deutlichsten: „Fußball lebt von Emotionen. Und diese sollten – auch in unmittelbarer Nähe zur Kamera – ihren Platz behalten.“