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So schlecht die Bilanz des THW Kiel seit Ende Februar in der Handball-Bundesliga ist – es gab seither zwei Siege, zwei Unentschieden und drei Niederlagen –, so gut ist sie in dieser Saison in der EHF European League. Dort gewannen die „Zebras“ ihre sechs Vorrunden-Spiele ebenso allesamt wie ihre vier darauf folgenden Auftritte in der Hauptrunde, darunter zweimal gegen die SG Flensburg-Handewitt.

„Die Bundesliga ist unser tägliches Brot, in ihr wollen wir neben Punkten auch Selbstvertrauen sammeln.“

Lukas Zerbe

Rechtsaußen THW Kiel

Nehmen die Kieler die Bundesliga inzwischen auf die leichte Schulter oder etwa nicht mehr ernst, weil die realistischere Möglichkeit zur angestrebten Champions-League-Qualifikation inzwischen der Titelgewinn in der European League ist? Dies verneinte Lukas Zerbe energisch: „Wir schenken kein Spiel ab“, beteuerte der THW-Rechtsaußen: „Ja, die European League ist zwar unsere letzte Titelchance, die uns auch den Weg in die Champions League ebnen könnte – aber die Bundesliga ist unser tägliches Brot, in ihr wollen wir neben Punkten auch Selbstvertrauen sammeln.“

Lukas Zerbe (am Ball), hier im letzten Bundesliga-Spiel gegen Torwart Tomas Mrkva (links) und Matej Klima vom SC DHfK Leipzig, peilt mit dem THW Kiel die erneute Qualifikation für das Final-Four-Turnier der European League an.
Foto: Johannes Speckner

Lukas Zerbe (am Ball), hier im letzten Bundesliga-Spiel gegen Torwart Tomas Mrkva (links) und Matej Klima vom SC DHfK Leipzig, peilt mit dem THW Kiel die erneute Qualifikation für das Final-Four-Turnier der European League an.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Ähnlich äußerte sich Rasmus Ankermann: „Für uns ist jede Partie wichtig, egal in welchem Wettbewerb wir antreten.“ Dabei denkt der Rückraumspieler „nicht nur an den Tabellenplatz, sondern an die Fans“, wie er betonte: „Wir wollen ihnen und uns selbst zeigen, dass wir uns aus unserem aktuellen Tief in der Bundesliga wieder herauskämpfen können und eine geile Mannschaft sind.“ Deshalb wollte Zerbe auch nicht davon sprechen, dass die Duelle mit Nasice die wichtigsten Spiele in dieser Saison seien: „Für uns ist jedes Spiel wichtig.“

Nasice verfügt über einen starken Rückraum

Unstrittig ist, dass die Kieler im European-League-Viertelfinale gegen den kroatischen Erstligisten RK Nexe Nasice im Kampf um ein Ticket für das Final-Four-Turnier, das am 30./31. Mai wieder in Hamburg stattfindet, der Favorit sind. Allerdings darf der Gegner, der in der heimischen „Premijer Liga“ aktuell Tabellen-Zweiter hinter RK Zagreb ist, nicht unterschätzt werden. Nasice verfügt über einen starken Rückraum. Die kroatischen Nationalspieler Tin Lucin, Luka Moslovac und Matko Moslovac sowie den Spanier Aleksandar Cenic sollte die Kieler möglichst früh attackieren, indem sie heraustreten.

Hendrik Pekeler (THW Kiel, links), der hier vor Staffan Peter vom SC DHfK Leipzig zum Wurf kommt, dürfte in Nasice vor allem als Abwehrspieler gefordert sein.
Foto: Johannes Speckner

Hendrik Pekeler (THW Kiel, links), der hier vor Staffan Peter vom SC DHfK Leipzig zum Wurf kommt, dürfte in Nasice vor allem als Abwehrspieler gefordert sein.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Zudem ist das Team von Trainer Kreso Ivankovic, dem mehrere ehemalige Bundesliga-Profis angehören, sehr eingespielt. Torwart Marcel Jastrzebski war im Sommer 2025 der einzige Neuzugang. Und Nasice verfügt über langjährige internationale Erfahrung, denn aktuell ist der Club in der 18. Saison in Folge in einem europäischen Wettbewerb dabei. Und dann sind da noch drei Unwägbarkeiten, die es den „Zebras“ am Dienstag, 28. April (Anwurf: 18.45 Uhr) schwer machen könnten, sich eine gute Ausgangsposition für das eine Woche später stattfindende Rückspiel zu erarbeiten.

Drei Unwägbarkeiten für den THW Kiel

Die Anreise: Am Montagmorgen, 27. April, fuhr der THW-Tross in seinem Mannschaftsbus nach Hamburg-Fuhlsbüttel. Von dort ging es mit dem Flugzeug nach Budapest. In der ungarischen Hauptstadt gab es ein Mittagessen, ehe mit einem Bus die letzte, rund 370 Kilometer lange Etappe nach Nasice im Nordosten Kroatiens absolviert wurde. Die Variante, nach Zagreb zu fliegen – von dort hätten „nur“ noch 220 Kilometer mit dem Bus absolviert werden müssen, scheiterte daran, dass es keine Direktverbindung von Hamburg nach Zagreb gab.

Die Sorgenfalten bei den Verantwortlichen des THW Kiel um Geschäftsführer Viktor Szilagyi (von links), Co-Trainer Christian Sprenger und Chefcoach Filip Jicha werden nicht weniger.
Foto: Johannes Speckner

Die Sorgenfalten bei den Verantwortlichen des THW Kiel um Geschäftsführer Viktor Szilagyi (von links), Co-Trainer Christian Sprenger und Chefcoach Filip Jicha werden nicht weniger.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Die Personalprobleme: Die drei treffsicheren Rückraumspieler Elias Ellefsen á Skipagötu (Schulter), Eric Johansson (Knie) und Emil Madsen, der sich nach seiner Knie-Operation im Aufbautraining befindet, fehlen auch in Nasice. „Natürlich ist das eine bescheidene Situation. Das, was wir vor der Saison trainiert haben, war auf diese Spieler ausgelegt“, klagte THW-Trainer Filip Jicha. Immerhin: Rechtsaußen Bence Imre könnte nach seinem fiebrigen Infekt ebenso auf das Parkett zurückkehren wie Veron Nacinovic. Der Kreisläufer könnte in seinem Heimatland mit einer Schutzmaske erstmals nach seinem vor exakt einem Monat in Kassel erlittenen Nasenbeinbruch wieder mitwirken.

Die Formkurve zeigt nach unten

Die Formkurve: Von ihren wettbewerbsübergreifend letzten sieben Pflichtspielen gewannen die Kieler nur drei, was in der Bundesliga das Absacken auf den fünften Tabellenplatz bedeutete. Beides kam in der ruhmreichen Club-Historie noch nicht allzu oft vor. Und schon jetzt haben die „Zebras“ mit 18 Minuspunkten einen mehr als am Ende der vergangenen Serie. „Dagegen hilft nur, die Fehler zu analysieren und weiter Vollgas zu geben“, betonte THW-Torwart Gonzalo Perez de Vargas. Gelingt dies, könnte die Weste in der European League weiß bleiben.

Im Bundesliga-Spiel gegen den SC DHfK Leipzig gelangen Torwart Gonzalo Perez de Vargas für den THW Kiel vier Paraden. In Kroatien würde er gerne häufiger jubeln.
Foto: Johannes Speckner

Im Bundesliga-Spiel gegen den SC DHfK Leipzig gelangen Torwart Gonzalo Perez de Vargas für den THW Kiel vier Paraden. In Kroatien würde er gerne häufiger jubeln.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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