Ende März besuchte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mehrere arabische Golfmonarchien, die unversehens in den Krieg zwischen Iran, den USA und Israel hineingezogen wurden.
Kurz vor seiner Reise berichtete der ukrainische Präsident, Washington habe Kiew um Hilfe bei der Lösung des Problems iranischer Drohnen gebeten.
Im Anschluss an seinen Besuch in der Region unterzeichnete Selenskyj zehnjährige Sicherheitspartnerschaftsabkommen mit Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Kiew kooperiert außerdem mit Jordanien und Kuwait.
Die Ukraine, die sich seit über vier Jahren der russischen Militäraggression – einschließlich Drohnenangriffen – widersetzt, hat sich als das Land mit der größten Erfahrung in diesem Bereich erwiesen. Gleichzeitig ist es für Kiew von zentraler Bedeutung zu betonen, dass Russland und Iran eine Achse bilden, die eine Bedrohung für die Ukraine, die USA, Israel und die arabischen Staaten darstellt.
Selenskyjs flexible Strategie
Der zermürbende Krieg mit dem Irak von 1980 bis 1988 markierte einen Wendepunkt für die damals junge Islamische Republik Iran. Dieser Konflikt zwang die Machthaber in Teheran zu mindestens drei ernüchternden Schlussfolgerungen.
Erstens blieb der Iran isoliert, während der Irak die Unterstützung der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und arabischer Länder genoss. In der iranischen Literatur ist dies unter dem Begriff der „strategischen Einsamkeit“ („tanhai-e stratejik“) bekannt.
Zweitens kamen die Machthaber der Islamischen Republik zu dem Schluss, dass das Völkerrecht nicht auf Teherans Seite stand. So verhängte der UN-Sicherheitsrat etwa keine Sanktionen gegen Saddam Hussein wegen des Einsatzes von Chemiewaffen, verurteilte jedoch den Iran für seinen Einmarsch in irakisches Territorium im Jahr 1982.
Drittens erkannte Teheran, dass ein Sieg auf dem Schlachtfeld gegen militärisch überlegene Gegner kaum möglich war. Diese Erkenntnis wurde durch die schnellen und erfolgreichen amerikanischen Interventionen im Irak in den Jahren 1991 und 2003 zusätzlich bestätigt.
Die dritte Schlussfolgerung gab der Islamischen Republik den Anstoß zur Entwicklung einer flexiblen Militärstrategie. Diese sieht im Kern vor, militärische Konflikte mit potenziellen Gegnern möglichst weit von den eigenen Grenzen entfernt auszutragen.
In diesem Zusammenhang stützte sich Teheran zunächst auf Stellvertretertruppen im Nahen Osten, etwa die Hisbollah-Miliz im Libanon, Al-Haschd asch-Schaabi im Irak und Ansar Allah (die Huthis) im Jemen. Zweitens begann der Iran, sein Raketenprogramm sowie die Drohnenproduktion rasch auszubauen.
2014 präsentierte der Iran eine neue Drohne, die Tufan, ein kleines, leichtes Deltaflügel-Flugzeug. Wenige Jahre später bildeten diese Kamikaze-Drohnen den Kern der späteren Shahed-136. Nach dem Einmarsch in die Ukraine 2022 erwarb und verbesserte Russland diese Drohnen (unter der Bezeichnung Geran-2) und produziert sie inzwischen selbst. Seitdem hat die russische Armee Zehntausende dieser Drohnen eingesetzt, um militärische und zivile Infrastruktur in der Ukraine anzugreifen.
Teherans Unterstützung für Moskau war größtenteils eine Form der Dankbarkeit für Russlands Militärintervention in Syrien im Jahr 2015, die den Diktator Baschar al-Assad stützen sollte – auch wenn er letztlich, neun Jahre später, doch gestürzt wurde.
In jedem Fall lernte der Iran aus dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine, dass Drohnen – mehr noch als Raketen – kostengünstig in den Gefechtsraum eindringen können. Ihre geringen Kosten und die schnelle Produktion machen sie zu einem idealen Mittel, um einen Gegner zu zermürben.
Während der 40 Tage des jüngsten Krieges erhielt der Iran Ratschläge zu Drohnentaktiken, um die Luftabwehr im Persischen Golf zu umgehen. Darüber hinaus profitierte Teheran Berichten zufolge vom Zugang zu russischen Geheimdienstinformationen über US-Militärbasen im Nahen Osten.
Grenzen der Verteidigung
Nach der iranischen Revolution von 1979 und Teherans Bekenntnis zum „Export der Islamischen Revolution“ („sudur-e enqilab-e islami“) wuchs die Sorge der arabischen Monarchien am Persischen Golf um ihre Sicherheit. Die Vereinigten Staaten traten als Garant ihrer Souveränität auf und formulierten 1980 die sogenannte Jimmy-Carter-Doktrin, die die Bereitschaft der USA zum Einsatz militärischer Gewalt im Falle einer Bedrohung der Golfstaaten – sowohl durch die Sowjetunion als auch durch den Iran – erklärte.
Im Rahmen dieser Doktrin investierten die Regierungen der Golfstaaten seit den 1990er-Jahren erheblich in die Luftverteidigung. Sie beschafften Patriot-Raketenbatterien sowie – im Falle der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens – THAAD-Raketenabwehrsysteme (Terminal High Altitude Area Defense).
In den vergangenen Jahren wurde jedoch deutlich, dass die Verteidigungssysteme der Golfstaaten, die primär zur Abwehr von Kurz- und Mittelstreckenraketen konzipiert sind, für die Drohnenabwehr nur begrenzt geeignet sind. Kleine Drohnen, die in geringer Höhe fliegen, sind für ein Radar schwer zu erfassen. Ihre Manövrierfähigkeit und die Möglichkeit, die Flugbahn kurzfristig zu ändern, erschweren das Abfangen zusätzlich – im Vergleich zu berechenbareren Raketenangriffen.
So demonstrierten etwa die Huthis im Januar 2022 ihre Fähigkeit, mit Drohnen erheblichen Schaden anzurichten, als sie den Flughafen von Abu Dhabi angriffen und drei Menschen töteten.

Trümmer einer russischen Drohne über Kiew im Dezember 2025.
© Evgen Kotenko/imago
Seit Beginn des aktuellen Konflikts zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite sind Städte am Persischen Golf einer beispiellosen Angriffswelle aus Teheran ausgesetzt.
Das iranische Militär setzte zahlreiche ballistische Raketen und Marschflugkörper ein. Der Großteil der Luftangriffe auf die Arabische Halbinsel erfolgte jedoch mit unbemannten Luftfahrzeugen, insbesondere mit der Shahed-136.
So kamen bei einem Drohnenangriff in Kuwait am 28. Februar sechs US-Soldaten ums Leben. Allein in den ersten zwei Kriegswochen wurden 83 Prozent der iranischen Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate mit Drohnen durchgeführt.
Neben den technischen Herausforderungen erschwert vor allem der enorme Kostenunterschied das Abfangen iranischer Drohnen. Die Herstellung einer iranischen Drohne kostet etwa 35.000 US-Dollar. Ein einzelner THAAD-Abfangflugkörper kostet schätzungsweise 12,7 Millionen US-Dollar, eine Patriot-Rakete rund vier Millionen US-Dollar und eine luftgestützte AIM-9X Sidewinder etwa 500.000 US-Dollar.
Dennoch waren die Streitkräfte der Golfstaaten gezwungen, Hunderte dieser vergleichsweise billigen Drohnen mit ihren teuren und begrenzten Raketenabwehrsystemen zu bekämpfen. Allein in den ersten drei Tagen setzten sie über 800 Patriot-Abfangraketen ein.
Die Jagd nach den Shaheds
Das Abfangen einer Drohne der Shahed-Klasse stellt andere Anforderungen als die Abwehr einer ballistischen Rakete. Im Jahr 2024 verursachten iranische Drohnen, die von der Hisbollah aus dem Libanon gestartet wurden, erhebliche Schäden und Opfer in Israel. Israels taktisches Raketenabwehrsystem Iron Dome erwies sich dabei als nur eingeschränkt wirksam.
Laut Axios entsandte Israel während des jüngsten Krieges Iron-Dome-Systeme in die Vereinigten Arabischen Emirate, mit denen es seit 2020 diplomatische Beziehungen unterhält.
Zugleich wurde der neue Laser-Abfangjäger Iron Beam, den Israel erprobt hatte, beschleunigt in Dienst gestellt und erwies sich als deutlich effektiver. Israel verfügt allerdings bislang nur über ein einziges dieser Systeme; die Staaten des Persischen Golfs besitzen keines.
Eine weitere Möglichkeit zur Drohnenabwehr besteht darin, Produktionsstätten, Lager und Abschussrampen gezielt anzugreifen. Bereits Anfang März erklärte Admiral Brad Cooper, Chef des US Central Command, die Zahl iranischer Drohnenstarts sei seit Beginn des Konflikts um 83 Prozent gesunken. Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben ist jedoch schwierig.
Die Ukraine hat in den vergangenen Jahren die größten Fortschritte bei der Drohnenabwehr erzielt. Die ukrainische Armee, die ihre Effektivität zuletzt auch bei Nato-Übungen unter Beweis stellte, entwickelte eine breite Palette militärischer Innovationen – von Störsendern bis hin zu auf Lastwagen montierten Maschinengewehren.
Zur Drohnenabwehr setzt die Ukraine vor allem auf FPV-Abfangdrohnen (First-Person View). Diese kleinen, wendigen Fluggeräte können Shahed-Drohnen entweder rammen oder gezielt zur Detonation bringen.
Neuere Modelle werden zwar von einem Piloten gesteuert, können die finalen Abfangmanöver jedoch mithilfe Künstlicher Intelligenz autonom ausführen. Experten schätzen die Kosten eines einzelnen FPV-Abfangs auf 800 bis 3000 US-Dollar pro Einheit – etwa 20-mal weniger als der Preis der angreifenden Drohne.
Abfangdrohnen reduzieren den Schaden russischer Angriffe erheblich, können ihn jedoch nicht vollständig verhindern. Im Januar dieses Jahres zerstörte die Ukraine mit 1.704 abgeschossenen Shahed-Drohnen eine Rekordzahl – rund die Hälfte aller in diesem Monat abgefangenen Drohnen. Etwa 70 Prozent davon wurden mit FPV-Systemen neutralisiert.
„In einem gemeinsamen Schützengraben“
Unmittelbar nach Beginn der Offensive gegen den Iran ignorierte US-Präsident Donald Trump die Ukraine zunächst. „Wir brauchen ihre Hilfe nicht zur Drohnenabwehr. (…) Wir haben die besten Drohnen der Welt“, erklärte er.
Die folgenden Wochen am Persischen Golf zeigten jedoch, dass – wenn nicht Washington selbst, so doch seine Verbündeten in der Region – auf ukrainische Expertise angewiesen sind.

Wolodymyr Selenskyj trifft Kronprinz Mohammed bin Salman in Saudi-Arabien.
© apaimages/imago
So hat Kiew bereits 228 Spezialisten in den Nahen Osten entsandt, um bei der Abwehr iranischer Drohnen zu unterstützen. Die Abkommen, die Selenskyj während seines Besuchs in Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnete, umfassen die Entwicklung lokaler Technologien mit ukrainischer Unterstützung, den Einsatz ukrainischer Fachkräfte sowie den Austausch von Informationen.
„Die Ukraine und die arabischen Staaten befinden sich in einem gemeinsamen Schützengraben. Irans Beteiligung am Krieg an zwei Fronten – an der Seite Russlands gegen die Ukraine und gegen die Golfstaaten – hat Kiew und die arabischen Länder zu natürlichen Verbündeten gemacht“, sagt Mohammad Farajallah, Chefredakteur der Kiewer Nachrichtenagentur Die Ukraine auf Arabisch, im Gespräch mit der Berliner Zeitung.
Seiner Ansicht nach wird die Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und den arabischen Staaten dazu beitragen, Investitionen aus wohlhabenden Ländern in die ukrainische Wirtschaft zu lenken und Russlands Zermürbungsstrategie zu untergraben. „Dies wird auch Europas finanzielle Belastung bei der Unterstützung der Ukraine verringern“, fügt Farajallah hinzu.
Unmittelbar nach Beginn des umfassenden russischen Einmarsches in die Ukraine im Jahr 2022 nahmen die arabischen Staaten zunächst eine vorsichtige Haltung ein und signalisierten Kiew teilweise Unterstützung. In den vergangenen vier Jahren hat sich dieses Gleichgewicht jedoch zunehmend zugunsten Russlands verschoben – trotz der Bemühungen der Ukraine und des Westens, die arabischen Staaten zu einer Distanzierung vom Kreml zu bewegen.
So stimmte im Dezember 2025 kein einziges arabisches Land in der UN-Generalversammlung für eine Resolution, die die russische Aggression verurteilte – während im März 2022 noch 16 arabische Staaten die Resolution „Aggression gegen die Ukraine“ unterstützt hatten.
Mit dem Amtsantritt von Donald Trump im Januar 2025 und dem Beginn eines Dialogs zwischen Moskau und Washington verschärfte sich die Haltung der arabischen Staaten gegenüber der Ukraine weiter. So verurteilten die Vereinigten Arabischen Emirate im Dezember 2025 einen nicht bestätigten Angriff Kiews auf Wladimir Putins Residenz in Waldai.
Angesichts einer eigenen militärischen Bedrohung könnten die arabischen Monarchien nun gezwungen sein, ihre Position im russisch-ukrainischen Krieg zumindest zu überdenken. Da sie jedoch weiterhin versuchen, zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln und neutral zu bleiben, ist nicht zu erwarten, dass sie ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Moskau kurzfristig vollständig aufgeben oder sich eindeutig auf die Seite Kiews stellen.
So überstieg der Handelsumsatz zwischen Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten im Jahr 2025 die Rekordmarke von zwölf Milliarden US-Dollar – womit die Emirate zu den zehn wichtigsten Handelspartnern Moskaus zählen.
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