Sind das schon Berge oder nur Hügel? Darüber lässt sich in Stuttgart trefflich streiten. Dass man hier allenthalben kraxeln muss, lässt den einen jubilieren und den anderen fluchen. Die Planer des Red Bull Cerro Abajo lieben die Stuttgarter Topographie, aber sie muten ihren Athleten ja auch gar nicht zu, den Berg hoch zu fahren, sie lassen sie nur herunterrasen. Nach dem Motto: der Schnellste gewinnt!
Und das auf höchst spektakuläre Art und Weise. Am Samstag, 5. September, und am Sonntag, 6. September, werden 35 Fahrer vom Bopser zum Wilhelmsplatz rattern, auf Rädern. 200 Höhenmeter, 1,3 Kilometer lang, 25.000 Zuschauer, so die Zahlen. Die Sebastian Huber von Red Bull in Stuttgart vorgestellt hat. Für Fußballfans ist Red Bull mit seinen Firmenmannschaften aus Leipzig, Salzburg und New York ein rotes Tuch, doch der Hersteller von Aufputschgetränken hat sich vor allem im Bereich der so genannten Trendsportarten einen Namen gemacht.
Das sind solche Sportarten, bei denen die Athleten gerne Kopf und Kragen riskieren. Indem sie von Klippen springen, oder auf diversen Sportgeräten sich einen Berg hinabstürzen. So wie beim Cerro Abaja. Da sitzen die Athleten auf Mountain Bikes. Cerro heißt auf Spanisch Berg, abajo hinab. Der Name ist Programm. Das erste Rennen dieser Art fand 2010 in Valparaíso, Chile, statt. Seit 2023 gibt es die World Series mit drei Rennen. Valparaiso, Genua und Stuttgart als Abschluss. Im Kessel wird der Sieger gekürt.
Die Strecke, vom Teehaus zum Wilhelmsplatz Foto: Red Bull
Nun muss man kein Red Bull mögen, die totale Vermarktung nervig finden, aber hat die Veranstaltung aus Sicht der Stadt einen großen Vorzug: Der Partner zahlt alles. Die Stadt bekommt eine Veranstaltung geschenkt, die nach Aussage von Huber „Stuttgart zeigt, wie es noch nie gezeigt wurde!“ Start ist am Weißenburgpark beim Teehaus. Dann geht es hinunter bis zum Wilhelmsplatz, auch über eigens gebaute Rampen und Schanzen.
Das können nicht nur die Zuschauer sehen, umsonst am Rande der Strecke oder im Ziel. Sondern wird auch über die konzerneigenen Kanäle via Magenta TV, DAZN, youtube gezeigt. Während des Rennens in Genua habe man allein in Italien „120 Millionen Online Impressions“ verzeichnet. Das Cerro Abajao in Genua wurde also 120 Millionen Mal den Nutzern angezeigt. Das hat Huber mal in Geld übersetzt. Der wirtschaftliche Gesamteffekt betrage 5,4 Millionen Euro. „Die zusätzlichen fiskalischen Einnahmen für die Region und Stadt schätzt er auf 330 000 Euro.“
Radfahrer fühlen sich wohl
Ob dieses Rennen die Suche nach einer legalen Strecke für die Mountainbiker beschleunigt, bleibt abzuwarten. Aber es fügt sich in eine Sportstrategie der Stadt und der Region, die sich auf das Fahrrad konzentriert. BMX wird am Olympiastützpunkt gefördert mit eigener Strecke, die Deutschland-Tour der Männer, der Cyclings-Grand-Prix der Frauen finden regelmäßig statt. Nun kommt das rasante Bergabfahren hinzu. Dem Schwaben taugt das, obwohl er sich ja gemeinhin eher Zeit nimmt für Dinge. Aber die Sprache gibt einen guten Slogan her: Obacha, wie es da abajao geht!