Neue Wege versucht auch das Ärzteteam des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Lauchhammer im Landkreis Oberspreewald-Lausitz zu gehen. Was sofort auffällt in der „Alten Poliklinik“, ist die Ruhe. Es gibt einen Anmeldetresen, Schwestern, Ärzte, einen Wartebereich. Nur: Kein Telefon schrillt.

Dafür erinnert dezente Musik im Hintergrund fast schon an Wellness-Atmosphäre. Tobias Kroggel, der Chef hier und Teil eines vierköpfigen jungen Ärzteteams, erklärt: „Wir haben natürlich die klassischen Anmeldemöglichkeiten, aber wenn Sie uns anrufen, landen Sie erstmal bei Anna, unserer Künstlichen Intelligenz.“ Anna ist so trainiert, dass Sie den Patienten abfragt, ihm Hinweise gibt und ihn nach Krankheitsbild zum richtigen Arzt vermittelt, alles in Echtzeit ablesbar in einem Gesprächsprotokoll auf dem Bildschirm. Erst bei akuten oder unklaren Krankheitsbildern wird ein realer Mensch zu Rate gezogen.

Vor mehr als zwei Jahren hat Kroggel die Poliklinik übernommen und gemeinsam mit seiner Frau nach seinen Vorstellungen umgebaut. Viel Geld floss in eine unabhängige Digitalisierung, im Keller steht ein eigener Server, der die Patientendaten ohne Zugriff von Dritten verwaltet. Eine eigene App wurde erstellt, die elektronische Patientenakte war hier schon Realität, als das Land noch über das Für und Wider stritt, dazu auch Künstliche Intelligenz.

Kroggel sagt, dass die Zukunft einer Gesundheitsversorgung auch im ländlichen Raum nur über ein breites, gut vernetztes Primärversorgungssystem funktionieren wird. Hier könnte eine wirksame Auswahl, Triage genannt, nach Krankheitsbildern getroffen werden. Was lässt sich ambulant lösen, wann ist eine stationäre Einweisung sinnvoll, braucht es wirklich einen Facharzttermin?