Peter Gülke, von 1986 bis 1996 Generalmusikdirektor in Wuppertal, ist am Sonntag gestorben. Am 29. April wäre er 92 Jahre alt geworden.

Der Dirigent, Musikforscher und Musikschriftsteller war ein musikalisches Multitalent. Vor zwei Jahren – zu seinem 90. Geburtstag – gab er das Buch „Von geschriebenen Noten zu klingenden Tönen“ heraus. Bis zuletzt war der Musiker ein kritisch denkender Zeitzeuge und ein kluger Schreiber. Erst Anfang 2026 hatte er sein Manuskript für das Buch „Menschen – Zeiten – Musik“ fertiggestellt, das jetzt im Verlag Bärenreiter / Metzler erscheint.

Als Generalmusikdirektor in Wuppertal schaffte er die Reihe „Neue Musik“ ab und integrierte stattdessen immer ein Werk der Moderne beziehungsweise der Gegenwart in die Sinfoniekonzerte. Auf diese Weise wollte er Altes und Neues in eine Beziehung zueinander bringen und das Moderne „aus dem Ghetto der Spezialkonzerte befreien“. Drei Jubiläen konnte Peter Gülke in Wuppertal mitgestalten: Die Konzertgesellschaft wurde 125 Jahre alt, ihr Chor konnte sogar 175 Jahre feiern, das Sinfonieorchester wurde im Jahr darauf 125 Jahre alt.

Geboren wurde Gülke 1934 in Weimar. Er studierte an der Musikhochschule seiner Heimatstadt sowie in Jena und Leipzig Violoncello, Musikwissenschaft, Germanistik, Romanistik und Philosophie. Danach arbeitete er als Repetitor, Dirigent und Dramaturg an den Theatern in Rudolstadt, Stendal, Stralsund und Potsdam, wurde 1976 Kapellmeister an der Dresdner Staatsoper und leitete dort auch das Orchester der Musikhochschule. Im Jahr 1981 wurde er Generalmusikdirektor der Staatskapelle Weimar. Mit den politischen Verhältnissen der DDR unzufrieden, blieb er 1983 nach einem Gastspiel in Hamburg in der Bundesrepublik.

Als renommierter Gastdirigent leitete er europaweit Opernaufführungen und Konzerte. 1986 wurde er Generalmusikdirektor des Sinfonieorchesters Wuppertal. Mit interessanten, spannungsreichen Programmen überbrückte er die Zeit, in der die Historische Stadthalle wegen Renovierung geschlossen war. Er forderte „kommunalen Kulturpatriotismus“ und prognostizierte schon vor 30 Jahren die schwierige Lage, in der sich die Kultur in Zukunft befinden werde. „Wuppertal hat auch seine Provinzialitäten, aber ich habe hier sehr schöne Dinge erlebt, besonders auch von Seiten des Publikums. Und ich habe in der Oper wichtige Werke aufgeführt, etwa den ganzen Ring und die Mozart-Opern“, sagte Peter Gülke Jahre später in einem Interview mit der Westdeutschen Zeitung.

Für sein Schaffen erhielt Gülke viele Preise, Ehrendoktorwürden und andere Auszeichnungen. Die Stadt Wuppertal verlieh ihm für das Jahr 1995 den Eduard von der Heydt-Preis und würdigte damit sein außergewöhnlich durchdachtes programmatisches und dirigentisches Wirken im Musikleben der Stadt. „In Konzert und Oper hat er Wege eingeschlagen, die viele aufgeschlossene Musikhörer zu neuem Verständnis wichtiger Werke aus Vergangenheit und Gegenwart führten. Unsere Stadt ehrt mit dieser Auszeichnung zugleich den Musikwissenschaftler und Publizisten von hohem Rang“, hieß es damals von der Stadt Wuppertal.

Der Fall der Mauer 1989 ermöglichte ihm die Heimkehr in sein geliebtes Weimar. Von dort aus ging Peter Gülke seiner Tätigkeit als international gefragter Gastdirigent nach. Von 2015 bis 2020 war er Chefdirigent der Brandenburger Symphoniker.