Haste Töne: David Bowie im Pott! Selbstredend nicht leibhaftig, und doch soll die Pop-Ikone mit der Inszenierung „Rebel Rebel“ wenigstens wieder erlebbar werden. Die Inszenierung über eine verrohte Gesellschaft, in der am Ende die Liebe siegt, ist sicher einer der Höhepunkte der Ruhrtriennale. Ab dem 20. August wird sie vier Wochen lang Neugierige und Freunde des modernen Theaters, von Kunst, Tanz und Musik aus aller Welt auf Trab halten.

„Rebel Rebel“ – Eine Verneigung vor David Bowie

„Rebel Rebel“ ist ein bisschen auch das Vermächtnis von Ivo Van Hove, der im dritten und damit seinem letzten Jahr als Intendant wirkt. Denn: Der Belgier kannte Bowie gut und inszenierte dessen Musical „Lazarus“. Vier Wochen vor Bowies Tod im Januar 2016 feierte es seine Uraufführung. In der Eröffnungsinszenierung „Rebel Rebel“ wird unter anderen der Sänger und Schauspieler Daniel Donskoy zu hören und zu erleben sein, der bei der Programmvorstellung hinter der Jahrhunderthalle zwar davon sprach, mächtig Schiss vor dieser Aufgabe zu haben. Und doch darf man sich jetzt schon sicher sein, dass er eine ungleich bessere Figur abgeben wird als der „singende“ Lars Eidinger auf der Ruhrtriennale im vergangenen Jahr.

Nun besteht so ein Festival nicht nur aus großen Namen; zumal bei insgesamt 114 Veranstaltungen mit 600 Künstlerinnen und Künstlern aus 43 Ländern. Aber die Stars sind eben doch auch die Aushängeschilder, die ein großes Programm noch mit ein paar Glanzpunkten verzieren.

Marina Abramovićs Performance „Balkan Erotic Epic“

Darum darf auch Marina Abramović bei einer Übersicht nicht fehlen. Die vielleicht bedeutendste Künstlerin der Gegenwart wird in der Kraftzentrale Duisburg-Nord die Performance „Balkan Erotic Epic“ zeigen. Es geht um Spiritualität, um Rituale, um Leidenschaft. Und dazu wird sich das Publikum frei im Raum zwischen 13 Szenen bewegen können. Auch das ein Ereignis, schon jetzt.

Longing for Tomorrow, die Sehnsucht nach dem Morgen

Aus dem Dickicht des Programms sticht zudem das Schauspiel „Deutscher Herbst“ hervor. In der Bochumer Jahrhunderthalle wird in der Regie von Christopher Rüding die Frage spielend gestellt, was in und mit einem Land geschieht, in dem Freiheit nicht mehr selbstverständlich ist. Diese Inszenierung gehört zu jenen Abenden, hinter denen das melancholisch anmutende Motto der Ruhrtriennale 2026 am deutlichsten hervorscheint: Longing for Tomorrow, die Sehnsucht nach dem Morgen. Darum soll es ganz besonders gehen, wie Ivo Van Hofe sagt: Nämlich wie wir uns eine Zukunft vorstellen können, die nicht das Chaos unserer Tage ist. Keine Träumerei ist gemeint, sondern der Versuch, „die Gegenwart ernstzunehmen und über sie hinauszudenken“.

Das hat die Ruhrtriennale immer wieder versucht. Fast ein Vierteljahrhundert ist sie jetzt schon alt und der Belgier Ivo Van Hove inzwischen ihr achter Intendant. Und doch bleibt die Faszination für das scheinbar Kühne und Extravagante dieses Festivals frisch: Hochkultur in den archaisch wirkenden Kolossen aus den Anfängen der Industrialisierung wie der Bochumer Jahrhunderthalle zu zeigen. Mag sein, dass es auch am Intendantenwechsel nach jeweils drei Jahren liegt und so die Ruhrtriennale einfach immer wieder neu zu beginnen scheint.

Dieses Jahr eins der vielleicht spannendsten Programme

In diesem Jahr mit einem der vielleicht spannendsten Programme seit Langem. Nun muten Zahlen und Fakten immer etwas bürokratisch an. Doch geben sie auch einen ganz guten Eindruck von der Wucht dieses Festivals: 45.000 Karten werden ab heute im Verkauf sein, es gibt zwölf Spielstätten in fünf Städten, 31 Produktionen, darunter fünf Uraufführungen und neun deutsche Erstaufführungen.

Gigantisch, sicherlich. Und NRW-Kulturministerin Ina Brandes zeigte sich davon überzeugt, dass dieses Programm „restlos begeistern wird“. Mag sein, dass dabei auch gute Hoffnung mitschwang, schließlich ist das Land neben dem Regionalverband Ruhr einer der Hauptfinanzgeber.

Bei all dem sollte man allerdings auch nie vergessen, worauf es am Ende ankommt und Ivo Van Hove noch einmal eindrücklich hinwies: „Ein Festival ist immer auch ein Fest!“

Jetzt könnte es eigentlich losgehen.