„On move move on“: Das kanadische Künstlerkollektiv Mouvement Perpétuel, Marlene Millar und Philip Szporer, ist seit 25 Jahren unterwegs und macht weiter – an der Schnittstelle von Tanz und Film. Da ist auch der Wuppertaler Verein Tanzrauschen um Kerstin Hamburg zu Hause, mit dem schon länger zusammengearbeitet wird. Nun feiert man gemeinsam das Vierteljahrhundert in Wuppertal. Hinzu kommen weitere Künstler und natürlich die Besucher. Alle zusammen wollen ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Mit Tanzfilmen und Filmen zum Tanz, mit Workshops, einer Masterclass und einem Konzert. Im Rex Kino, in der Galerie N46 und im Loch. Vier Tage lang vom 6. bis 9. Mai.
Für Mouvement Perpétuel ist der Film choreografische Praxis. Die Kamera bewegt sich mit dem Körper, Landschaften und Räume prägen die Gestik. Rhythmus und Atem leiten den Schnitt. Im Projekt „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ lernten die beiden Kerstin Hamburg und Tanzrauschen kennen. Wie sie widmet sich der Verein „der Produktion und Präsentation von Tanzfilmen und aller um dieses Thema zirkulierenden Formen medialer Vermittlung von Kunst“, erzählt Hamburg. Damals zeigten die Wuppertaler die Multichannel-Installation „1001 lights“. Millar und Szporer stellen darin das jüdische Ritual des Entzündens der Schabbat-Kerze als Choreografie dar. Die friedenstiftende Arbeit wird auch nun wieder gezeigt, in Dauerschleife im N46.
Die Kamera bewegt
sich mit dem Körper
Das nun anstehende Festival legt den Fokus auf die Formen des Erzählens und Dokumentierens einerseits und auf den gemeinschaftlichen kreativen Prozess als Role-Model für alle Gesellschaftsbereiche andererseits. Den Auftakt am 6. Mai im Rex-Filmtheater macht ein Filmabend mit Künstlergespräch. Gezeigt wird neben kurzen Tanzfilmen aus Kanada die Deutschlandpremiere von „Dream Baby Dream“, der als Community-Projekt des internationales Jazzfestes Berlin entstand. Mitwirkende waren unter anderem Nelly Thea Köster und Milton Camilo aus Wuppertal. Außerdem „Bhairava“ von Mouvement Perpétuel mit der indischen Tänzerin Shantala Shivalingappa, die schon bei Pina Bausch getanzt hat. Ein weiterer Abend widmet sich zwei Dokumentationen von Mouvement Perpétuel (7. Mai): „Maboungou: Being in the World“ über die congolesisch-französische Choreographin Zab Maboungou und „Byron Chief-Moon: Grey Horse Rider“ über den Performer, Byron Chief-Moon, der seine Wurzeln bei den Blackfoots hat.
Gearbeitet wird in den Workshops „Rewritung Histories. Über die Kraft des eigenen Erzählens“ mit Marc Wagenbach (7. Mai), „Documentary Filmmaking“ (8. Mai), im Best Practise Workshop „Move on up – Co-creating as a model for shared power“, was das gemeinsame Entwickeln als Form der partizipativen Führung meint. Nadin Deventer (Berlin), Chris Jonas (Berlin, USA) und Jasmine Fan (Paris, Hamburg) präsentieren (9. Mai) – bei allen Workshops wird um verbindliche Anmeldung bei begrenzter Teilnehmerzahl gebeten ([email protected]). „Die Workshops sind kostenlos, ein Geschenk an die Community“, betont Hamburg. Gearbeitet werde praxisbezogen und mit Filmbeispielen.
Das gilt auch für die Masterclass und den Workshop, die die Kanadier in der Galerie anbieten (7. und 8. Mai). Dort spielt die Installation von „1001 lights“ eine zentrale Rolle, die mit dem Abschlusskonzert „Verwehte Lieder“ (9. Mai) korrespondiert. Die Sängerin Judith Genske tritt mit ihrem Trio auf, ebenso Tänzerin Jasmine Fan. Marlene Millar und Philip Szporer und Helge Lindh (MdB) und die Künstler sprechen über die besondere Rezeption der Arbeit in Deutschland.
Das Programm komplettiert die Community Action „Vintage Tanz“ mit Annika Kompart und Arian Stettler in der Galerie (8. Mai), während das Loch dem Konzert mit Jerry Leger (Toronto) und Lorain (Wuppertal) samt Tanz mit Scheidi Klum, Auriline und Shamey Oliver eine Bühne gibt (8. Mai).
Weil zeitgleich die Literatur Biennale in der Galerie ihre Zentrale eröffnet, ist das Tanzrauschen-Festival so etwas wie eine inhaltliche und Genre-Erweiterung der Biennale. „Wir sind der Frieden.“