Zum Jahresbeginn bleibt das wirtschaftliche Klima im Bergischen Städtedreieck angespannt – das zeigt die aktuelle Auswertung des Regionalen Konjunkturbarometers. Die Umfrage zeigt weiterhin eine schwache Geschäftslage und überwiegend verhaltene Erwartungen in den meisten Wirtschaftssektoren. Zusätzlich zu den regulären Fragen die Konjunktur betreffend, gab es Zusatzfragen über die Auswirkungen der Iran-Krise. Da deuten die Ergebnisse darauf hin, dass der Nahostkonflikt die Unternehmen zusätzlich belastet – vor allem über gestiegene Energie- und Transportkosten sowie wachsende Unsicherheit.

Wie die Situation insgesamt ist, zeige sich vorallem an den Branchenwerten: „Im verarbeitenden Gewerbe, das für das Bergische Städtedreieck besonders wichtig ist, bewerten nur 6,1 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut. 71,4 Prozent sprechen von einer befriedigenden Lage, 22,5 Prozent von einer schlechten. Im Handel ist das Bild noch kritischer: Dort beurteilen 42,1 Prozent ihre Lage als schlecht, nur 10,6 Prozent als gut. Auch in den Dienstleistungen und im Baugewerbe ist die Stimmung eher verhalten“, sagt Professor André Betzer, Vorsitzender des Wuppertal Instituts für Unternehmensforschung und Organisationspsychologie, der gemeinsam mit Professor Markus Doumet das Barometer macht. Seiner Meinung nach könne von Erholung entsprechend keine Rede sein.

Auch was die Erwartungen für die kommenden Monate angeht, würde die Vorsicht dominieren. „Im Handel rechnen 44,8 Prozent der Unternehmen mit einer ungünstigeren Entwicklung. Bei den Dienstleistungen sind es sogar 46,5 Prozent. Im verarbeitenden Gewerbe erwarten 20,6 Prozent eine Verschlechterung, während nur ein sehr kleiner Teil mit einer günstigeren Entwicklung rechnet“, so Doumet. Stagnation oder weitere Belastung statt Verbesserung, davon würden die Unternehmen ausgehen. Und das sei, laut den Experten, für eine industriell geprägte Region wie das Bergische Städtedreieck ein Warnsignal.

Vielfältige Belastungen durch
den Nahostkonflikt

Beim Thema Nahostkonflikt zeigt sich ebenfalls ein klares Bild. 58 Prozent der befragten Unternehmen sagen, dass der aktuelle Nahostkonflikt ihre wirtschaftliche Situation eher negativ beeinflusst. Weitere drei Prozent sprechen sogar von einer sehr stark negativen Auswirkung. 39 Prozent sehen derzeit noch keine spürbaren Folgen. „Positive Effekte nennt niemand. Das macht deutlich: Der Konflikt wird von der Mehrheit der Unternehmen als zusätzlicher Belastungsfaktor wahrgenommen“, ordnet Doumet ein.

Die Belastungen für die Unternehmen diesbezüglich sind vielfältig. Vor allem über weiter steigende Kosten und zunehmende Planungsunsicherheit klagen viele. Geopolitische Krisen schlagen sich meist zuerst in höheren Energiepreisen, steigenden Transport- und Versicherungskosten sowie in neuen Risiken für internationale Lieferketten nieder. „Genau diese Muster sehen wir auch im Bergischen. Für viele Unternehmen ist das Problem im Moment also weniger ein unmittelbarer Produktionsstillstand, sondern vielmehr ein zusätzlicher Kostendruck in einer Phase, in der die Lage ohnehin schon angespannt ist“, so Betzer.

Im Einzelnen heißt das für die Energiekosten, dass 16 Prozent berichten, dass ihre Gesamtkosten infolge des Konflikts bislang um weniger als zwei Prozent gestiegen sind. 21 Prozent nennen einen Anstieg zwischen zwei und fünf Prozent, zehn Prozent zwischen fünf und zehn Prozent und zwölf Prozent sogar von mehr als zehn Prozent. Nur zehn Prozent geben an, bislang keine Erhöhung zu verzeichnen. Bezogen auf die Transportkosten geben 42 Prozent an, dass ihre Transportkosten leicht gestiegen sind, weitere 23 Prozent sprechen von deutlich gestiegenen Kosten. 13 Prozent sehen keine Veränderung, für 22 Prozent ist das Thema nicht relevant. Befragt zu den Lieferketten sagen 43 Prozent der Unternehmen, dass es bislang keine Auswirkungen auf die Stabilität ihrer Lieferketten gibt. 22 Prozent berichten von geringen Störungen, 13 Prozent von teilweisen Störungen und ein Prozent von starken Störungen. Weitere 21 Prozent sagen, dass die Folgen derzeit noch nicht absehbar sind.